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    Idar-Oberstein

    Erwin Korb ist tot: Früherer Idar-Obersteiner OB im Alter von 89 Jahren gestorben

    Um ihn werden viele Idar-Obersteiner trauern: Erwin Korb, der sich als Oberbürgermeister von 1977 bis 1991 mit viel Sachverstand und auch viel Herz für seine Heimatstadt engagierte, ist am Montag im Alter von 89 Jahren gestorben. Sein Name ist untrennbar mit dem Jahrhundertprojekt Naheüberbauung verbunden, weswegen er bis an die Grenze der persönlichen Erträglichkeit angefeindet wurde. Respekt und Anerkennung über alle Parteigrenzen genoss der aus der Freien Liste hervorgegangene Sozialdemokrat, weil er nicht wie ein Parteipolitiker fühlte und handelte, sondern sein Amt als „Erster Bürger der Stadt“ ausübte.

    Große Erleichterung muss Erwin Korb am 24. September 1986 verspürt haben, als er die Rede zur Einweihung der Naheüberbauung hielt. Das Jahrhundertprojekt prägte seine Amtszeit als OB in jeder Hinsicht.  Foto: Hosser (Archiv)
    Große Erleichterung muss Erwin Korb am 24. September 1986 verspürt haben, als er die Rede zur Einweihung der Naheüberbauung hielt. Das Jahrhundertprojekt prägte seine Amtszeit als OB in jeder Hinsicht.
    Foto: Hosser (Archiv)

    Der damalige Regierungspräsident Theo Zwanziger erinnerte sich anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse im Mai 1991 an Erwin Korb an einen früheren Besuch in der Schmuckstadt. Ständig seien Bürger auf Korb zugekommen. Er habe sich mit jedem unterhalten, natürlich im Dialekt. Und er, Zwanziger, habe gespürt, „dass dies ein Oberbürgermeister ist, der mitten in der Gemeinschaft lebt“.

    Er konnte auf Menschen zugehen

    Die Fähigkeit, auf Menschen zugehen zu können und ihnen Vertrauen zu vermitteln, gehörte zu den besonderen Stärken des umgänglichen Kommunalpolitikers. Immer war er auf Ausgleich statt auf Konfrontation bedacht. Umso mehr litt der feinsinnige, sensible und auch humorvolle Politiker unter der Kritik und manchen Tiefschlägen, die er wegen der Naheüberbauung einstecken musste.

    Für ihn gab es dazu keine realistische Alternative. Unbeirrt hielt er deswegen Kurs und verteidigte das Projekt gegen alle Widerstände. Dafür hätte er eigentlich einen Märtyrerorden verdient, meinte Norbert Olk, Chef des Landesbetriebs Straßen und Verkehr, als im September 2006 die Ausstellung zum 20. Jahrestag der Einweihung des Bauwerks eröffnet wurde. Erwin Korb empfand es als besondere Genugtuung, dass es da in der Bevölkerung längst voll anerkannt war. Dadurch wurde der Umbau der viel befahrenen Hauptstraße in Oberstein zur Fußgängerzone möglich. Das Gesicht des Stadtteils hat sich in der Ära Korb komplett verändert. Auch der Bau der stä-dtischen Krankenanstalten, des Hallenbades und der fünf Parkhäuser wurden ebenso wie die Projekte Steinkaulenberg und Weiherschleife in seiner Amtszeit verwirklicht. Im Juni 1988 begründete er mit Brigadegeneral Heribert Göttelmann die Patenschaft mit der Artillerieschule.

    Am 13. April 1944 hatte Korb als Anwärter für den gehobenen Dienst bei der Stadtverwaltung Idar-Oberstein angefangen. Im Oktober 1964 wurde er zum hauptamtlichen Beigeordneten gewählt, im März 1970 stieg er zum Bürgermeister auf. Nach der Abwahl des damaligen Oberbürgermeisters Wilfried Wittmann im September 1974 führte er dessen Geschäfte mehr als zwei Jahre weiter, ehe er am 28. Januar 1977 OB wurde. Als er im Februar 1991 nach fast 47 Jahren bei der Stadtverwaltung mit einer Mischung aus Erleichterung und Zufriedenheit aus dem Amt schied, ging Erwin Korb bewusst auf eine für ihn „gesunde Distanz“ zur Kommunalpolitik.

    Er genoss noch lange das Leben

    Er wusste es nach all den Jahren starker Belastungen zu schätzen, nicht mehr von einem übervollen Terminkalender und immer neuen Herausforderungen getrieben zu werden. Ihm blieb noch viel Zeit, in der er mit Ehefrau Marlene den Ruhestand genießen und sich seinen Hobbys widmen konnte: Gartenarbeit, Radfahren und Lesen, lange auch Studienreisen in exotische Länder, während es die beiden später eher an den Bodensee und die Mosel zog.

    Weitsichtig bekannte er anlässlich seines 70. Geburtstages im März 1998, dass ihm beim Blick in die Zukunft schon etwas bange werde: Es herrsche zu viel Egoismus und Individualismus, aber zu wenig Verantwortungs- und Pflichtgefühl. Und die Gesellschaft bewege sich immer mehr in Richtung Kapitalismus pur.

    In den letzten Jahren war sein Aktionsradius gesundheitlich bedingt stark eingeschränkt, sodass er sich nur noch ganz selten in der Öffentlichkeit sehen ließ, zuletzt im Oktober 2011 zur Jubiläumsausstellung „25 Jahre Naheüberbauung“ im Foyer des Stadthauses. Typisch für Erwin Korb war der Satz, den er für seine Abschiedsrede als Oberbürgermeister am 8. Februar 1991 ausgewählt hatte: „Suchet der Stadt Bestes, denn wenn es ihr wohl gehet, so geht es euch wohl“, zitierte er den Propheten Jeremias.

    Von Kurt Knaudt

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