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Birkenfeld

Bildungsministerin in Birkenfeld: Einblicke in eine Schule mit mehrfachem Plus

Für einige im Haus war es schon die zweite Begegnung mit Stefanie Hubig binnen kurzer Zeit. Erst Ende November 2017 reiste eine Delegation aus der Kreisstadt nach Mainz, um dort im Beisein der Bildungsministerin als eine von 23 Lehranstalten in Rheinland-Pfalz die Auszeichnung als „Mint-freundliche Schule“ in Empfang zu nehmen. Am Freitag machte die SPD-Politikerin im Rahmen einer landesweiten Informationskampagne Station in der Realschule (RS) plus/Fachoberschule (FOS) Birkenfeld.

Zwölftklässler Christoph Orth (rechts) vom Fachoberschulbereich „Technische Informatik“ demonstriert Bildungsministerin Stefanie Hubig (Mitte), wie die über Funk gesteuerten Steckdosen funktionieren, die er mit seinen Mitschülern im Unterricht entwickelt hat. Foto: Reiner Drumm
Zwölftklässler Christoph Orth (rechts) vom Fachoberschulbereich „Technische Informatik“ demonstriert Bildungsministerin Stefanie Hubig (Mitte), wie die über Funk gesteuerten Steckdosen funktionieren, die er mit seinen Mitschülern im Unterricht entwickelt hat.
Foto: Reiner Drumm

Realschulen sind „Schulen der Chancen“: Diese Botschaft will das Bildungsministerium mit der Aktionsreihe nach außen tragen und die jüngste Schulform im Land ins rechte Licht der Öffentlichkeit rücken. Gerade an der Birkenfelder Realschule werde ein „unglaubliches Engagement“ an den Tag gelegt, lobte Hubig schon mal vorab, bevor sie ihren Rundgang durchs Haus startete.

Mit 660 Schülern größte RS im Kreis

„Wer, wenn nicht wir, ist plus?“, fragte Rektorin Sigrid Schöpfer denn auch beim Empfang der Ministerin ganz selbstbewusst in die Runde der vielen Gäste. Mit knapp 660 Kindern und Jugendlichen, wovon laut Schöpfer etwa 60 einen Migrationshintergrund haben, ist das Haus in Birkenfeld die größte Realschule im Kreis. Neben der klassischen Möglichkeit, nach neun Schuljahren die Berufsreife (früher Hauptschulabschluss) und nach zehn Schuljahren den qualifizierten Sekundarabschluss I (mittlere Reife) zu erlangen, können junge Menschen dort seit 2015 auch die Fachoberschule mit den beiden Schwerpunkten „Gesundheit“ und „Technische Informatik“ besuchen. Wer sie nach zwölf Schuljahren erfolgreich absolviert hat, hat das Fachabitur in der Tasche, und es steht ihm oder ihr die Tür zum Hochschulstudium offen. Beim Gespräch mit Zwölftklässlern des Zweigs Technische Informatik erfuhr Hubig, wie vielfältig die Zukunftspläne der jungen Leute sind. Während der 18-jährige Christoph Ort zunächst eine Ausbildung mit Bezug zu diesem Fachbereich machen will, möchte Ina Seiwert nach dem Fachabi ein Studium als Mediengestalterin beginnen. Andere wollen Industriekaufmann werden oder sich um ein duales Studium bemühen.

Nicht zuletzt wegen der FOS setzt die Schule auch auf viele Kooperationen. Wichtige Partner sind zum Beispiel die Elisabeth-Stiftung und der Umwelt-Campus. Und sie hat gleich zwei Träger: die Verbandsgemeinde für den RS- und den Kreis für den FOS-Zweig.

Die Birkenfelder Bildungsrichtung trägt nicht nur das Prädikat „Mint-freundlich“, wobei der Begriff Mint eine zusammenfassende Bezeichnung von Fächern aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik ist, sondern es gibt im Haus sogar ein eigenes Förderkonzept „Mint für Mädchen“. Beim Besuch der Ministerin zeigten Zehntklässlerinnen zum Beispiel, wie sie im Chemieunterricht Seife herstellen. Und an einen anderen Station des Rundgangs demonstrierte die Robotics-AG, dass man mit Lego-Bausteinen und Computerunterstützung inzwischen Hightechspielzeug herstellen kann.

Neu im Netzwerk für Begabte

Doch auch auf anderen Feldern werden Akzente gesetzt, etwa als Teilnehmer der Initiative „Schule ohne Rassismus“. Die nächste „große Ehre“, so Schöpfer, wird der RS Birkenfeld schon bald zuteil. Sie wird in ein Bund-Länder-Programm zur Förderung leistungsstarker Schüler aufgenommen, dessen offizieller Startschuss am 30. Januar in Berlin fällt. Aus Rheinland-Pfalz treten 17 Schulen diesem Netzwerk bei, wobei die Birkenfelder eine von drei RS plus sein wird, informierte Hubig.

Ziel dieser Initiative ist es, Förderstrategien für Begabte zu entwickeln. Unbedingt beachten müsse man jedoch, „dass man die anderen Schüler dabei nicht aus den Augen verliert“, betonte die Ministerin. Denn ein weiteres Wesensmerkmal von Realschulen macht Hubig darin aus, „dass sie für Aufstiegsorientierung und Durchlässigkeit stehen“.

Klar ist: Auch in Birkenfeld gibt es junge Leute, die aus unterschiedlichsten Gründen Schwierigkeiten haben, im Unterricht mitzuhalten. Für lernschwächere Schüler wurde deshalb an der Realschule plus bereits im Sommer 2011 das Projekt KoA („Keiner ohne Abschluss“) eingeführt. 19 Jugendliche, davon elf Flüchtlinge, besuchen aktuell an zwei Tagen in der Woche den Unterricht und machen an drei Tagen ein Betriebspraktikum, um ihrem Ziel, die Berufsreife zu erlangen und damit sich um einen Ausbildungsplatz bewerben zu können, näherzukommen.

Für Landrat Matthias Schneider ist die RS plus, wie er beim Besuch der Ministerin betonte, „ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung unseres Wirtschaftsform“. Diese Schulform habe „einen berechtigten Platz in unserem Bildungssystem, um junge Menschen auf soliden Füßen auf ihre spätere Berufskarriere vorzubereiten“.

Gerade im Umfeld der Kreisstadt verfüge man über ein Bildungsangebot, das der Landrat als „sehr attraktiv“ bezeichnete. „Wo hat man das denn im ländlichen Raum schon, dass man ein Kind als Erstklässler in einer Grundschule abgeben und mit einem Hochschulabschluss am Umwelt-Campus wieder abholen kann?“, fragte Schneider.

Keine Imagekampagne nötig

Wo es an der RS plus möglicherweise zwickt und welche Wünsche man eventuell an Land und die Träger hat, kam beim Besuch der Ministerin nicht zur Sprache. Dafür war Hubigs Besuch im Rahmen der Informationskampagne aber wohl auch nicht der richtige Anlass. Denn, wenngleich die SPD-Politikerin betonte, dass Realschulen gar keine Imagekampagne nötig hätten, so hat die Unterrichtsstätte in Birkenfeld am Freitag ihre Chance genutzt, Werbung in eigener Sache zu machen und sich von ihrer besten Seite zu zeigen.

Von unserem Redakteur
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Idar-Oberstein Birkenfeld
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