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Idar-Oberstein

Archäologen konnten viel vom Graveur lernen

Mit dem Untergang des Römischen Reiches verschwanden viele Kenntnisse, Techniken und Fähigkeiten der Antike. Auf vielen Gebieten wurde der gleiche Stand des Wissens erst wieder im 19. Jahrhundert erreicht, also mehr als ein Jahrtausend später. Zu den seltensten und kostbarsten Zeugnissen römischer Kaiserkunst zählen die wenigen erhaltenen Großkameen – geschnittene mehrlagige Achate mit aufwendigen Figurenreliefs. Aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung und des immensen Wertes gehören sie zu den Prunkstücken der großen Museen der Welt. In einer gemeinsamen Ausstellung zu sehen waren sie noch nie – das ändert sich jetzt.

Vieles über die Entstehung der wenigen erhaltenen Gemmen aus dieser Zeit war auch den auf die Römerzeit spezialisierten Archäologen unbekannt – aber ein Zufall kam ihnen bei der Erforschung entgegen. Im Jahr 2004 kam ein Kunde auf den Idar-Obersteiner Graveur Gerhard Schmidt zu und bat ihn, die drei bekanntesten antiken Großgemmen für ihn zu reproduzieren. Schmidt schaute sich die Sache an und meinte gleich, das sei unmöglich. Allein die Beschaffung der notwendigen Steine in dieser Größe, Qualität und vor allem der Schichtung sei unmöglich. Allerdings war Schmidt neugierig geworden, er befasste sich näher mit dem Thema, besuchte die Museen mit den Originalen, durfte diese sogar in die Hand nehmen und begutachten und sich schließlich sogar Gipsabdrücke davon fertigen.

Eine der ersten Überraschungen für die Archäologen war, dass die Römer durchaus mit der Kunst des Steinefärbens vertraut waren und die Lagen eines Achats unterschiedlich einfärben konnten. Auch wurde Schmidt schnell klar, dass die antiken Gemmenschneider – abgesehen von der Art des Antriebs – mit den gleichen Maschinen und Werkzeugen gearbeitet haben müssen wie die Graveure heute. Ein wichtiges und heute für jeden Graveur unverzichtbares Hilfsmittel stand ihnen allerdings nicht zur Verfügung: die Lupe. Und das ist angesichts der filigranen, oft winzig kleinen Details schon überaus erstaunlich. „Das können nur sehr junge Menschen mit ganz scharfen Augen geschaffen haben“, sagt Schmidt aufgrund seiner beruflichen Erfahrung.

Nach und nach packte den Idar-Obersteiner Graveur der Ehrgeiz, das Unmögliche doch zu versuchen und einige der Großgemmen nachzuschneiden. „In Europa gibt es nur eine einzige Region, aus der diese Achate kommen können, und das ist Thrakien“, wusste Schmidt. Thrakien liegt im heutigen Bulgarien, zur römischen Kaiserzeit, als die Großgemmen entstanden, war es eine römische Provinz. „Der brasilianische Achat ist in seiner Graufärbung und in der Struktur sehr ähnlich, nur gibt es ihn in Brasilien in viel größeren Mengen, deshalb bestand auch die Chance, passende Steine zu finden.“ Nach jahrelanger Suche hatte er tatsächlich die passenden Steine für einige Großgemmen zusammen. „Es inzwischen immer schwieriger geworden, an gute Steine heranzukommen, deshalb wird es vermutlich auch nie wieder gelingen, die Kameen in dieser Form zu kopieren“, ist Schmidt überzeugt.

Und daher wird es wohl auch nie wieder eine Ausstellung geben, in der diese Gemmen, die, auf verschiedene Museen verstreut, im Original noch nie zusammen zu sehen waren, noch einmal versammelt sein werden. Darunter sind auch zwei der berühmtesten und kunstvollsten Großkameen, nämlich die Gemma Augustea und die Cameé de France. Und auch die berühmteste aller antiken Gemmen fehlt nicht, die Ptolemäer-Kamee, die aus elf Lagen besteht und als das unübertroffene Glanzstück antiker Gravierkunst gilt.

  • Die Sonderausstellung „Prunkstücke der römischen Kaiser“ ist vom 17. März bis zum 14. Oktober im Deutschen Edelsteinmuseum zu sehen. Öffnungszeiten bis 30. April 10 bis 17 Uhr, ab 1. Mai 9.30 bis 17.30 Uhr.
Von unserem Reporter Jörg Staiber

Idar-Oberstein Birkenfeld
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