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Birkenfeld

Touchscreen statt Stift: Birkenfelder Gymnasium hat jetzt eine Tabletklasse

Axel Munsteiner

Früher war der Unterrichtsraum nur mit einer Tafel ausgestattet, später kam dort zuweilen auch der beinahe legendäre Overheadprojektor zum Einsatz, bevor in so mancher Schulstube ein modernes Whiteboard aufgehängt wurde. Im Birkenfelder Gymnasium hat nun in einem auf zwei Jahre angelegten Modellversuch der nächste Entwicklungsschritt begonnen. Dort gibt es eine Tabletklasse.

Mäppchen, Stifte und Hefte kommen in der 9c am Birkenfelder Gymnasium zwar immer noch zum Einsatz, für den Großteil ihres Unterrichts nutzen die Schüler aber ihr Tablet.  Foto: Reiner Drumm
Mäppchen, Stifte und Hefte kommen in der 9c am Birkenfelder Gymnasium zwar immer noch zum Einsatz, für den Großteil ihres Unterrichts nutzen die Schüler aber ihr Tablet.
Foto: Reiner Drumm

Auserwählt dafür ist die 9 c unter der Leitung von Jörg Wilbois, die nun ebenso wie ihre Lehrer die kleinen Computer in verschiedenen Fächern einsetzen. Am Gymnasium der Kreisstadt wurde, wie Direktor Dietmar Fries berichtet, schon 2016 eine Steuerungsgruppe mit dem Namen „Klassenzimmer 2.0“ ins Leben gerufen, die sich Gedanken darüber machen soll, wie der Unterricht in der Zukunft aussehen kann. Die Tabletklasse ist nun der erste große Praxistest, den die Schule in dieser Hinsicht macht.

Mehr als 30 Geräte im Einsatz

Insgesamt mehr als 30 iPads wurden dafür gekauft und danach die notwendige Software aufgespielt. Diese Investition hat zu einem großen Teil der Kreis als Schulträger geschultert, etwa ein Drittel der Kosten konnte aber auch mithilfe verschiedener Spender – der wichtigste war der Förderverein der Schule – abgedeckt werden.

Dass die Wahl auf eine neunte Klasse fiel, hatte dabei mehrere Gründe, wie Rektor Fries erklärt: Zum einen hätten die Schüler in diesem Alter schon eine gewisse Reife für den verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten. Zum anderen spielte noch eine andere Erwägung eine wichtige Rolle. „In zwei Jahren wechseln die heutigen Neuntklässler ja in die Oberstufe mit dem MSS-Kurssystem, was ja dann sowieso eine neue Etappe in der Schulzeit ist. Wenn sie dann die Tablets wieder abgeben müssen, ist das also kein so tiefer Einschnitt, wie es zum Beispiel der Fall gewesen wäre, wenn wir uns für eine siebte Klasse entschieden und die Schüler die iPads dann nur bis zum Ende der achten Klasse hätten benutzen können.“

Für die 9c ist es jetzt nicht mehr nötig, in den Computerraum der Schule umzuziehen und dort erst die Geräte hochzufahren, wenn dieses moderne Medium im Unterricht zum Beispiel für Internetrecherchen eingesetzt werden soll. Die 13- und 14-Jährigen können dafür in ihrem Klassenzimmer bleiben. Ihre Schulbücher müssen sie nicht mehr mitbringen, da sie digital auf dem Rechner vorhanden sind. Allerdings hat jeder Schüler – das war eine Forderung der Verlage – die Bücher auch noch in Papierform zu Hause.

Dorthin können die Jungen und Mädchen der 9c ihre Tablets auch nach Schulschluss mitnehmen. „Die Geräte sind aber in unser Schulnetz integriert. So ist sichergestellt, dass die Schüler nicht alle Seiten im Internet öffnen oder selbst Installationen vornehmen können“, sagt Fries.

Nach einigen technischen Startschwierigkeiten, „die es ja aber fast immer bei der Einführung eines neuen Systems gibt“, wie Jörg Wilbois sagt, sammelt die 9c jetzt erste Erfahrungen im Unterricht mit den iPads, „wobei wir natürlich berücksichtigen müssen, dass sich die Vorkenntnisse bei der Arbeit mit den Geräten bei den Schülern schon erkennbar unterscheiden“, wie der Lehrer festgestellt hat.

Fries betont allerdings, dass auch in der 9c weiterhin in den verschiedenen Fächern Hefte geführt werden und Klassenarbeiten von den Schülern zu Papier gebracht werden müssen. „Wir übertreiben es also nicht mit dem Einsatz. Unsere Devise ist, dass wir das Tablet dort nutzen, wo es sinnvoll ist, aber keinen Unterricht um das Tablet herum machen wollen“, sagt der Schulleiter.

Apps helfen im Unterricht

Klar sei aber auch, dass die Arbeit mit den Geräten viele neue Möglichkeiten im Unterricht bietet. Auf den iPads sind zum Beispiel Apps installiert, die beispielsweise in Mathe für geometrische Aufgaben oder Tabellenkalkulationen oder in Musik für das Schreiben von Noten genutzt werden können.

Alle Geräte können zudem mit dem Whiteboard im Klassenraum verbunden werden. „Man kann dann zum Beispiel, wenn eine Texterörterung die Hausaufgabe war, ein besonders gelungenes Beispiel scannen, per Beamer auf das Whiteboard projizieren und sofort mit der ganzen Klasse besprechen“, sagt Deutschlehrer Jörg Wilbois.

Seine bisherige Erfahrung ist: „Die Kinder haben Spaß mit den Tablets, sind motiviert und natürlich auch stolz darauf, dass die Wahl auf sie gefallen ist – das gilt für den Klassenlehrer und die Kollegen, die in der 9c unterrichten übrigens auch“, fügt er schmunzelnd hinzu.

„Ich finde es cool, mit den Tablets zu arbeiten – vor allem, weil man keine schweren Bücher mehr tragen muss“, spricht Jonas Brenner einen Punkt an, den fast alle seiner Klassenkameraden als großen Vorteil empfinden. Alina Nidens ist neu am Gymnasium und findet, „dass man mit den Apps wie Geobra in Mathe den Unterricht kreativer und vielfältiger gestalten kann“.

Mason Rebar findet es „richtig schön“, in der Tabletklasse zu sein, zumal der Umgang mit diesen Geräten in immer mehr Jobs gefordert wird „und damit für das spätere Berufsleben wichtig sein wird“. Allerdings berichten einige Schüler auch ganz offen von den Startschwierigkeiten, die nun aber wohl überwunden sind, und manche von ihnen räumen auch unumwunden ein, dass man durch das Tablet dazu verleitet wird, dem Unterrichtsgeschehen nicht ganz so konzentriert zu folgen.

2020 wird Bilanz gezogen

Für Direktor Dietmar Fries sind auch solche etwas kritischen Anmerkungen kein Problem. Er betont: „Der Versuch ist ja erst angelaufen, und wir sind noch dabei, Erfahrungen zu sammeln.“ Nach zwei Jahren werde man dann in der Steuerungsgruppe abschließend bewerten, ob sich der Einsatz der Tablets im Unterricht aus pädagogischer Sicht bewährt hat oder nicht. Wie auch immer dieses Ergebnis ausfällt, steht für Dietmar Fries aber schon jetzt fest: „Eine ganze Schule auf den Einsatz von Tablets umzurüsten, wird in den nächsten Jahren kaum möglich sein. Denn wer sollte das bezahlen können?“

Von unserem Redakteur
Axel Munsteiner
Idar-Oberstein Birkenfeld
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