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    Hunsrück

    Zwei Dörfer, zwei Wege: So erleben Besucher die Geierlaybrücke

    Sosberg und Mörsdorf. Zwei Dörfer, die durch die einst längste Hängeseilbrücke in Deutschland verbunden sind und doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir haben uns umgesehen.

    Während in Mörsdorf kräftig investiert wird, geht man das Thema in Sorsberg noch langsam an.
    Während in Mörsdorf kräftig investiert wird, geht man das Thema in Sorsberg noch langsam an.
    Foto: Kevin Rühle

    Elke Rube aus Sachsen-Anhalt wirft zwei Euro in den Automaten am Rande des kleinen Parkplatzes der Hunsrückgemeinde Sosberg. Sie macht mit ihrem Mann Urlaub in Senheim an der Mosel, von der ehemals längsten Hängebrücke Deutschlands hat das Ehepaar erst vor Ort gehört. „Das Navi hat uns hierhin geführt“, sagt die Urlauberin und freut sich auf ein Abenteuer. Sonst ist wenig los auf dem Parkplatz. Ein paar Wanderer betrachten gegen 11 Uhr das große Schild mit Karten der Region, fünf Senioren aus Mainz wissen noch nicht ganz, ob sie den langen oder den kurzen Weg zur Brücke nehmen sollen. Die Anreise war entspannt, ein Tagesausflug – extra nach der Ferienzeit. „Wir haben den Geheimtipp auf der Webseite der Brücke entdeckt, dass das Parken in Sosberg viel einfacher sei“, sagt der Fahrer der Gruppe, den passenden Ausdruck von geierlay.de hat er dabei.

    Herbert Schmitz ist in Vollzeit bei der Gemeinde beschäftigt. Es gibt genügend zu tun. Gerade bringt er die Beschriftung für den neuen virtuellen Dorfrundgang an.
    Herbert Schmitz ist in Vollzeit bei der Gemeinde beschäftigt. Es gibt genügend zu tun. Gerade bringt er die Beschriftung für den neuen virtuellen Dorfrundgang an.
    Foto: Ulrike Platten-Wirtz

    Um 11 Uhr am Morgen ist der Parkplatz am Besucherzentrum in der Dorfmitte Mörsdorfs bereits voll. Da heißt es, das Fahrzeug zu wenden und einen der Plätze am Ortsausgang anzusteuern. Beim anschließenden Fußweg zurück ins Dorf bekommt der Besucher schon einmal einen ersten Eindruck. Es ist vergleichsweise ruhig im Ort. Am Besucherzentrum selbst lässt gerade ein Reisebus aus Kerpen die Gäste aussteigen. Eine Rehasportgruppe, 40 Personen, macht einen Tagesausflug. „Wir wollen zuerst über die Brücke laufen und nach dem Kaffeetrinken noch an die Mosel fahren“, erklären die Teilnehmer. Auf die Attraktion im Hunsrück sind sie durch eine Werbung im Internet aufmerksam geworden. „Das ist doch mal was anderes“, sagt eine Frau. Nach der rund zweistündigen Fahrt vom Rheinland nach Mörsdorf sind die Gäste froh, dass sie im Besucherzentrum erst noch die Toiletten aufsuchen können, bevor sie sich auf den Weg zu dem Brückenkopf machen.

    Auf der anderen Seite des Mörsdorfer Bachtals arbeitet eine Frankfurterin im Garten ihres Wochenendhauses. „Das tut dem Dorf eigentlich ganz gut, dass hier ein wenig mehr Leben reinkommt“, sagt die Seniorin. Nur auf den zusätzlichen Müll könnte sie gern verzichten. „Viele sind überrascht, wenn man ihnen erklärt, dass die Anwohner selbst für die Sauberkeit auf den Straßen zuständig sind“, sagt sie. Und eine öffentliche Toilette fehlt, danach fragen Wanderer häufig, die sich in die Seitenstraße der kleinen Hunsrückgemeinde verirren.

    Auch nach zwei Jahren ist die Brücke für Besucher noch ein Magnet.
    Auch nach zwei Jahren ist die Brücke für Besucher noch ein Magnet.
    Foto: Kevin Rühle

    Im Oktober wird die Hängeseilbrücke zwischen Mörsdorf und Sosberg zwei Jahre alt. Mehr als 500.000 Gäste konnten die Ortsgemeinden bereits begrüßen. Die meisten steuern Mörsdorf an, wenn sie die Geierlay besuchen möchten. „Wir können uns jetzt zwar nicht mehr mit dem Superlativ ,die längste Hängeseilbrücke Deutschlands' schmücken, aber dem Besucherstrom hat das keinen Abbruch getan“, sagt Herbert Schmitz, der als Gemeindearbeiter in Mörsdorf tätig ist. Ein knappes Dutzend Mitarbeiter leistet sich das Dorf mittlerweile. Kein Wunder - bei diesen Besucherzahlen.

    In Sosberg kann Hermann Jakobs nicht auf so viele Kollegen setzen. Der Gemeindearbeiter ist mit einem kleinen Traktor samt Anhänger auf dem Weg zur Brücke unterwegs, damit alles schön sauber bleibt. „Der Bürgermeister ist immer schon morgens selbst unterwegs und sammelt Müll“, sagt Jakobs. Im Wald um die Ecke „ufert es aus, da liegen immer wieder verkackte Pampers rum“.

    Eine Reha-Sportgruppe aus Kerpen hat einen Tagesausflug zur Hängeseilbrücke gemacht. 
    Eine Reha-Sportgruppe aus Kerpen hat einen Tagesausflug zur Hängeseilbrücke gemacht. 
    Foto: Ulrike Platten-Wirtz

    In Mörsdorf machen sich derweil viele Gäste auf den Weg in Richtung Brücke. Es herrscht reges Treiben, allerdings nicht bis in den letzten Winkel des Dorfes. Die meisten Gäste nutzen die ausgeschilderten Wege. Franz-Josef Platten wohnt in Sichtweite zum Besucherzentrum, aber in zweiter Reihe. „Hier bekommt man so gut wie nichts mit“, sagt er. Obwohl ein ausgewiesener Parkplatz hinter dem Friedhof direkt an sein Grundstück grenzt, fühlt der Pensionär sich nicht von den Touristen gestört. „Der Parkplatz ist ohnehin nur am Wochenende geöffnet“, sagt er. Dann weist er auf eine kuriose Situation hin. Wenn man sich genau an die Beschilderung hält, kommt man unter der Woche hier gar nicht mehr weg“, sagt er augenzwinkernd. Es kommt häufig vor, dass er Besucher, die sich im Schilderwald festgefahren haben, über sein Grundstück zurück auf die Hauptstraße lotst. Alle Wege zur Einfahrt des Parkplatzes sind Einbahnstraßen, ist dieser gesperrt, sitzt der Autofahrer in der Falle.

    Die Rehagruppe hat sich inzwischen auf den Weg gemacht. Einige wissen schon im Voraus, dass sie nicht über die Brücke gehen wollen. „Höhenangst“, sagt einer der Gäste. "Macht aber nix, denn anschauen ist sicher auch ein Erlebnis“, sagt er.

    Die meisten Gäste sind kurz vor Mittag von Mörsdorf aus in Richtung Brückenkopf unterwegs. Doch einige sind auch schon auf dem Rückweg. Ein Ehepaar aus dem Saarland macht am Hof von Familie Wendling halt. Hier gibt es eine Wurstbude, die derzeit aber noch geschlossen ist. Kein Problem für die erprobten Wanderer. „Wir schaffen es auch noch bis ins Dorf“, sagen sie. Die beiden haben nicht den üblichen geteerten Feldweg zur Brücke, sondern einen Weg durch den Wald genommen und den Brückenbesuch mit einer schönen Wanderung verbunden. „Es ist interessant und ein tolles Erlebnis, aber noch mal müssen wir da nicht drüberlaufen“, geben beide zu. Mit ihrer Höhenangst haben sie es aber dennoch bis fast zur Hälfte geschafft. „Wir machen hier drei Tage Urlaub und wollen uns außer dem Hunsrück auch noch die Mosel anschauen“, sagen sie.

    In Sorsberg gibt es auf dem Weg zur Brücke noch jede Menge Platz für zusätzliches Angebot. 
    In Sorsberg gibt es auf dem Weg zur Brücke noch jede Menge Platz für zusätzliches Angebot. 
    Foto: Kevin Rühle

    Aus Richtung Sosberg trifft man auf dem Weg zur Brücke nur fünf Touristen und eine Sosbergerin, die mit ihrem Hund unterwegs ist. Ein Schild weist auf das Brückencafé am Parkplatz hin, im Dorf wartet auch die Genuss-Scheune auf Gäste. Der Weg ist gepflegt, im Hintergrund sieht man Mörsdorf, davor liegt ein riesiges Feld mit Sonnenblumen. Die 1,8 Kilometer sind ein netter Spaziergang, erst kurz vor der Brücke selbst kann man erkennen, dass seit der Eröffnung Tausende in die Region strömen.

    Denn am Brückenkopf ist auf beiden Seiten viel Betrieb. Alle Ruhebänke sind besetzt, auf der Brücke selbst befinden sich rund 50 Personen. „In der Hauptferienzeit sind hier deutlich mehr Leute unterwegs“, sagt Herbert Schmitz später im Dorf. Als Gemeindearbeiter hat er den Überblick über die Anzahl der Gäste. „Derzeit werden es so rund 800 am Tag sein“, schätzt er. Das Publikum ist gemischt, auch viele junge Pärchen und Familien tummeln sich rund um die Attraktion. Auf der Mörsdorfer Seite ruft ein Plakat zur Rettung der örtlichen Grundschule auf. Viele Gäste müssen sich offensichtlich überwinden, die Planken der Brücke zu betreten, manche überwinden ihre Angst nicht.

    Franz-Josef Platten hilft Touristen gern weiter, wenn sie Fragen haben.
    Franz-Josef Platten hilft Touristen gern weiter, wenn sie Fragen haben.
    Foto: Ulrike Platten-Wirtz

    Zurück in Mörsdorf: Herbert Schmitz ist gerade dabei, am Tor der Kriegergedächtniskapelle ein Schild anzubringen. Die Beschilderung ist Teil des neuen Dorfrundgangs. An 16 verschiedenen Stationen können die Gäste sich virtuell über Geschichten und Wissenswertes im Dorf informieren. „Das ist nicht nur ein Angebt für Gäste, sondern auch für Einheimische interessant“, sagt Schmitz. Immerhin hat die Gemeinde rund 50.000 Euro in das Projekt gesteckt. Das Geld ist da, die großen Parkplätze und die Windkraft machen aus Mörsdorf ein wohlhabendes Dorf. „Das Unternehmen Geierlay ist in der Lage zu wirtschaften. Wir wollen deshalb das Angebot so ausbauen, das für jeden etwas dabei ist“, erklärt Ortsbürgermeister Marcus Kirchhoff. Der Großteil der Mörsdorfer steht hinter dem Projekt. Verbesserungswürdig ist die derzeitige Parksituation. Aber auch daran arbeitet die Gemeinde. „Auf dem Gelände der ehemaligen Strumpffabrik werden Bushaltestelle und Wendeplatz entstehen, damit Busse nicht mehr in den Ort reinfahren müssen“, sagt Kirchhoff. Ein neues Parkraumkonzept soll außerdem die Situation an Besucherzentrum und Friedhof entspannen.

    In Sosberg ist keine Entspannung nötig. „Wie es jetzt ist, ist es gut“, sagt Gemeindearbeiter Hermann Jakobs. Es fehle allerdings an Gastronomie, man könne den Gästen kaum etwas bieten, bedauert der Sosberger. Auf Mörsdorfer Seite haben schon einige Gäste bei schönem Wetter im Biergarten des Besucherzentrums Platz genommen. Es gibt noch weitere gastronomische Angebote im Dorf. Zwei Gasthäuser, eine Bäckerei sowie eine Vinothek und das Museumscafé, das allerdings nur an Wochenenden geöffnet ist. 16 Häuser standen leer, jetzt sind alle verkauft. Zur nächsten Saison eröffnen zum Beispiel ein weiteres Gasthaus und ein kleiner Markt mit regionalen Produkten – es brummt in Mörsdorf. Derzeit wird eine neue Touristinformation gebaut, Gäste können sogar E-Bikes mieten.

    In Sosberg hat sich der Parkplatz am frühen Nachmittag geleert – während der Saison reicht der Platz nicht aus. Ganz so geheim scheint der Tipp dann doch nicht zu sein. „Man müsste den Gästen doch etwas mehr anbieten, vielleicht kommt das ja noch“, sagt Hermann Jakobs. Und sein Kollege aus Mörsdorf stichelt: „Die kommen auch noch auf den Dreh.“

    Ulrike Platten-Wirtz/Kevin Rühle

    Kommentar: Werner Dupuis zum Mörsdorfer BrückenwunderWerner Dupuis zum Boom an der Mörsdorfer Hängeseilbrücke
    Cochem Zell
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