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Zell

Zell gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Stolpersteine sollen künftig in Zell und Umgebung an die Opfer des Naziregimes erinnern. Auf Initiative des Frechener Künstlers Gunter Demnig wurden bereits 45 000 Gedenktafeln in 500 Orten Deutschlands und im europäischen Ausland gesetzt. Bei den Stolpersteinen handelt es sich um zehn Quadratzentimeter große Messingplatten, die vor den letzten selbst gewählten Wohnorten vertriebener oder ermordeter Juden ins Trottoir eingelassen werden.

Auf einem Foto am Schwarze-Katz-Brunnen erkennt der Betrachter noch das Gasthaus von Familie Bermann, in dem man koscheres Essen bekommen konnte.
Auf einem Foto am Schwarze-Katz-Brunnen erkennt der Betrachter noch das Gasthaus von Familie Bermann, in dem man koscheres Essen bekommen konnte.
Foto: Ulrike Platten-Wirtz

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

Mit der Umsetzung des Projekts wollen der Freundeskreis der Synagoge Zell, die evangelische und katholische Kirche und mehrere engagierte Privatpersonen die Erinnerung an die Menschen wachhalten, die unter den Nationalsozialisten Leid und Tod erfahren mussten. 27 Gedenktafeln sollen an die ermordeten Juden Zells erinnern. 49 Gedenktafeln wären nötig, wenn die Initiatoren sich dazu entschließen, auch derer zu gedenken, die den Holocaust überlebt haben.

Manfred Wolf aus Merl ist einer der Überlebenden von Ausschwitz. Der 90-Jähige, der heute in den USA lebt, musste in der Reichspogromnacht mit ansehen, wie seine Eltern verhaftet wurden. Beim Rundgang durch die Zeller Innenstadt macht Franz Piacenza, einer der Initiatoren, auf die Opfer und ihre Schicksale aufmerksam. Die angesehene Weinhändlerfamilie Bender wohnte bis zu ihrer Deportation in der Straße Brandenburg 41. Im Haus nebenan war Toni Henrichs zu Hause, dessen Mutter oder Vater von dunkler Hautfarbe gewesen war und der aufgrund seiner eingenen dunklen Haut als "Neger-Tunn" beschimpft und als 13-Jähiger von den Nazis illegal zwangssterilisiert wurde. Auch der Opfer der "Euthanasie", denen unmenschliches Leid zugefügt wurde, wollen die Initiatoren mit dem Projekt gedenken.

Seit einigen Monaten beschäftigt sich die Zeller Gruppe intensiv mit der Spurensuche. "Wir wollen nicht nur Gedenktafeln setzten, sondern auch die persönlichen Geschichten der Leute erzählen", so die Initiatorin Frauke Esser. Oft gestalte sich das allerdings recht schwierig. Die wenigen noch lebenden Zeitzeugen wollten oder konnten sich häufig nicht mehr so richtig erinnern. Das Buch "Spuren der Vergangenheit" der Pündericherin Angelika Schleid hat einiges zur Recherche beigetragen, erklärt Piacenza weiter. In der Zeller Balduinstraße wohnte der politische Häftling Jakob Matthias Koch, ein Vorfahre von Michaela Koch, die die Geschichte ihres Onkels recherchiert hat. Koch hatte als Häftling im KZ Dachau nachweislich einigen Menschen das Leben gerettet. Unter anderem auch dem Gründer der Schönstattbewegung, Pater Josef Kentenich. Koch zu Ehren haben die Schönstätter bereits signalisiert, die Finanzierung für den Gedenkstein in der Balduinstraße zu übernehmen.

120 Euro kostet die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins. Die Kosten für 22 Stolpersteine sind bereits durch verschiedene Patenschaften gedeckt. Die Finanzierung der Steine, die noch keine Paten gefunden haben, wird die Stadt Zell übernehmen. Laut Initiatorengruppe ist die Verlegung der Stolpersteine im vierten Quartal 2014 vorgesehen. Zu dem Ereignis sollen auch die Überlebenden Manfred Wolf und Ruth Jortner, geborene Bender, eingeladen werden.

Am Ende des Rundgangs besucht die Initiatorengruppe das Rathausmuseum, in dem Franz Piacenza kürzlich ein jüdisches Museum eingerichtet hat. Urkunden, Dokumente, Fotos und Gebrauchsgegenstände sollen auch hier die Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Zell wachhalten.

Cochem Zell
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