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Zell

Zehn Jahre IGS: Was klasse läuft – was nicht

David Ditzer

Seit zehn Jahren gibt es in Zell die Integrierte Gesamtschule (IGS). Haupt- und Realschule liefen unter ihrem Dach aus, dafür können junge Menschen in Zell die Allgemeine Hochschulreife erwerben, also das Abitur. Doch im Werben um Schüler hat die IGS keinen leichten Stand. Woran das liegt und inwieweit sich die anfänglich mit Skepsis beäugte Schulform bewährt hat? Die Schulleitung sprach darüber mit der RZ.

Burkhard Karrenbrock (links) leitet die IGS in Zell, Dirk Muscheid vertritt ihn. In den Augen der beiden Pädagogen hat sich die Schulform in den vergangenen zehn Jahr am Standort Zell etabliert und bewährt.  Foto: Ditzer
Burkhard Karrenbrock (links) leitet die IGS in Zell, Dirk Muscheid vertritt ihn. In den Augen der beiden Pädagogen hat sich die Schulform in den vergangenen zehn Jahr am Standort Zell etabliert und bewährt.
Foto: Ditzer

1 Anfangs wurde die IGS durchaus kritisch beäugt. Woran lag das? Die Hauptschule war zu einem „Auslaufmodell geworden, weil niemand mehr seine Kinder auf die Hauptschule schickte“, blickt Burkhard Karrenbrock zurück, der die IGS leitet. Was folgte, war eine Schulstrukturreform des Landes, die das Ziel verfolgt hat, „das System IGS zu stärken“. Zwischen den Jahren 2008 und 2010 entstanden demnach mehr als zehn neue IGSen im Land. Karrenbrock: „Auch der Kreis Cochem-Zell hat seinerzeit einen Antrag auf Einrichtung einer IGS gestellt, weil es im Bezirk Trier noch keine IGS gab. Für Zell war es wichtig, eine Schule zu bekommen, die auch zum Abitur führt.“ Allein: „Vielen war nicht klar: Was ist das, eine IGS?“ Verwirrend zudem: Bis zum Auslaufen von Haupt- und Realschule, die nach Einrichtung der IGS keine neuen Fünftklässler mehr aufnahmen, existierten drei Schulen unter einem Dach.

2 Was ist die IGS denn nun? Zunächst einmal ist es „eine gute Schulform für diesen Standort“, hält Karrenbrock fest. Eine, „die wahnsinnig viele Möglichkeiten bietet. Egal, welche Empfehlung die Grundschule für ein Kind abgibt, die IGS ist die richtige Schulform.“ Heißt: „Eltern müssen sich nicht sofort entscheiden, welchen Abschluss ihr Kind machen soll.“

3 Welche Herausforderungen liegen in dieser ergebnisoffenen Herangehensweise? Lehrer müssen genau hinschauen. Schulleiter Karrenbrock: „Wir schauen uns an, wie wir ein Kind bis zu einem möglichst guten Abschluss fördern können.“ Dabei habe die Schule auch die Möglichkeit, Klassen zu teilen oder sie mit zwei Klassenlehrern zu besetzen.

4 Welche Chancen stecken in diesem Vorgehen? Gerade bei „Spätzündern“, also Kindern, die sich später entwickeln, stelle man immer wieder fest, dass sie „mit Förderung in höhere Kurse gehen können“, unterstreicht Karrenbrock. So hätten selbst anfangs schwächere Kinder am Ende „tatsächlich Abi gemacht“. Auf alle Fälle erfolge die Orientierung in Richtung Schulabschluss „sanft“.

5 Was heißt das? Beim Einstufen von Schülern in ein entsprechendes Niveau setze man auf eine „intensive Zusammenarbeit mit den Eltern“. Karrenbrocks Stellvertreter Dirk Muscheid führt aus: „Immer zum Halbjahr gibt es zum Beispiel verpflichtende Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche. Die dauern 20 bis 25 Minuten, und es werden Stärken, Schwächen und Potenziale eines Schülers angesprochen.“ Die Vor- und Nachbereitung sei zwar „sehr arbeitsintensiv“, sagt Karrenbrock. „Aber das ist ein Aufwand, der sich lohnt.“ Selbstverständlich gebe es „hier und da Diskussionen mit den Eltern oder auch Enttäuschungen“. Im Nachhinein überwiege meist aber die Einsicht, den für das Kind besten Weg gefunden zu haben.

6 Gibt es die starke berufspraktische Orientierung früherer Hauptschulen in der IGS noch? In der Form wie früher an der Hauptschule gibt es sie in keiner Schulform mehr, sagt Karrenbrock. Aber beispielsweise die Option, dass handwerklich interessierte Schüler vom 2. Halbjahr der Klasse 8 an ein Jahr lang jeden Dienstag einen Praxistag in einem Betrieb absolvieren können, fängt vieles auf. „Zumal wir ein Konzept gefunden haben, den Unterrichtsstoff, den diese Schüler verpassen nachzuholen.“ Dank des Praxistags seien selbst schwache Schüler, die die Berufsreife nicht schafften, schon von Betrieben in eine Ausbildung übernommen worden.

7 Wie viele Schüler haben die IGS Zell inzwischen schon mit dem Abitur verlassen? Im ersten Jahrgang 39, im zweiten, also in diesem Jahr, 43.

8 Das sind recht kleine Abijahrgänge. Liegt das an der Konkurrenz anderer Schulen? Allenfalls zum Teil. Im Werben um Schüler seien vor allem Schulweg und öffentlicher Nahverkehr „ein riesiges Problem“, betont Karrenbrock. Es gibt „nicht die Möglichkeit, aus allen Ecken des Kreises Cochem-Zell hierhin zu kommen“. Dafür kommen auch Schüler aus dem Nachbarkreis an die IGS, etwa aus Reil, Enkirch oder Burg.

9 Wie fällt die Bilanz der Leitung nach zehn Jahren IGS Zell aus? Die Schule ist ein Gewinn für den Zeller Raum, sagen Karrenbrock und Muscheid. Positiv geprägt wird sie durch „ein sehr junges Kollegium“, das moderne Technik und Pädagogik nicht scheut und zum Wohle der Schüler auch die Zusammenarbeit pflegt.

10 Wie sehen die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen aus? Für morgen, Samstag, 9. Juni, lädt die IGS Zell zum Schulfest ein. Von 10.30 bis 11.30 Uhr gibt's einen Festakt im Innenhof, danach präsentiert die Schule bis 14 Uhr die Vielfalt ihres Bildungsangebots.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Gute Ausstattung ist nicht alles

In die Errichtung der IGS Zell hat der Kreis Cochem-Zell seit dem Jahr 2008 rund 7,5 Millionen Euro investiert, teilt die Kreisverwaltung mit. Von dieser Summe entfielen 1,5 Millionen auf An- und Umbauarbeiten, die vorrangig dazu dienten, an der Schule eine gymnasiale Oberstufe (Mainzer Studienstufe, MSS) einzurichten. Technisch ist die IGS auf dem neuesten Stand, sagt Burkhard Karrenbrock.

Beispielsweise sei fast jeder Klassenraum mit Computer und Smartboard ausgestattet. Dies werde auch rege genutzt, doch der PC sei „ein Medium und kein Selbstzweck“. Generell gehe es beim Lernen heute weniger als früher um Auswendiglernen, sondern stärker ums Erklären und Verstehen. dad

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