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Moselkern

Wenn der Elzbach unter Strom steht: Elektrobefischung in Moselkern

Mit den Fischen im Elzbach ist es so eine Sache. Sie sind zwar da, für den Menschen bleiben sie aber meist im Verborgenen. Nur bei genauem Hinsehen ist mal einer vom Ufer aus zu sehen, wie er durchs klare Wasser schnellt. Timo Seufert und Niklas Döpfner machen die Fische sichtbar. Mit Strom. Was zunächst martialisch und höchst illegal klingt, ist eine gängige Methode, um den Fischbestand in einem Gewässer zu überprüfen. Die beiden sind Mitarbeiter der Bürogemeinschaft für fisch- und gewässerökologische Studien (BFS) aus Frankfurt am Main.

Ausgestattet mit einem Gerät, das aussieht wie eine Mischung aus Krückstock und Kescher, steigt Seufert in den Elzbach. Um den Hals trägt er ein Steuergerät, auf dem Rücken einen Rucksack mit dem Akku. Er zieht eine Art Kabel durch den Bach hinter sich her, mit dem Kescher fährt er vor sich durchs Wasser. Kabel und Kescher sind mit Elektroden besetzt, gemeinsam bilden sie einen Stromkreislauf im Bach. „So kann ich etwa zwei mal zwei Meter Fläche im Bach unter Strom setzen“, erklärt der 27-Jährige. In der Regel wird mit 115 Volt, bei 30 Ampere gefischt. Das reicht, um die Fische kurz benommen zu machen und herauszufischen. Getötet werden sie so natürlich nicht. Die Fische fallen in eine kurze Elektronarkose, die je nach Art und Größe länger oder kürzer ausfallen kann. Bei Salmoniden, wie der Bachforelle oder auch dem Lachs, reicht es oft aus, den Strom auslösenden Totmannschalter loszulassen, da schwimmen sie schon wieder davon. Bei Arten wie dem Döbel oder dem Hasel kann das auch schon mal 45 Sekunden oder länger dauern. Für den Laien kann das durchaus erschreckend aussehen, aber auch diese Fische erwachen schnell aus der Narkose und schwimmen zurück in ihren Unterschlupf.

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord hat im Elzbach ein Wiederansiedlungsprojekt für Lachse initiiert. Die BFS soll in deren Auftrag prüfen, wie sich die Population im Bach entwickelt. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ist Seufert deshalb in Moselkern. Es ist jetzt das dritte Jahr mit nachgewiesener natürlicher Vermehrung der Lachse im Elzbach. „Die rund 12 bis 16 Zentimeter großen Lachse wandern meist gegen April bei einer Wassertemperatur von 8 Grad ab und verbringen zwei Winter im Meer. Dort legen sie schnell an Masse zu und kehren mit einer Größe von rund 70 bis 80 Zentimetern im Herbst, zwei Jahre nach der Abwanderung wieder zurück“, erklärt der Frankfurter. Sie werden daher Zweiseewinterfische genannt.

Neben Lachsen haben die beiden Biologen auch noch einige andere Fische im Netz. Während Groppe, Döbel und Forelle dort auch natürlich vorkommen, hat der Blaubandbärbling im Elzbach eigentlich nichts verloren. „Das ist ein typischer Aquariumfisch“, erklärt Seufert, „den ich jetzt töten und ans Ufer werfen müsste.“ Er lässt jedoch Gnade walten, schließlich würde er ohnehin von einem Lachs oder einer Forelle gefressen werden. Bevor Seufert die Fische anfasst, feuchtet er stets seine Hand an. „Das ist wichtig, damit ich die Schleimhäute nicht beschädige.“ Denn Fische können verpilzen, Wunden bieten Angriffsflächen für Infektionen.

Damit die Lachse wieder einen Bestand aufbauen können, muss ihr Lebenszyklus neu gestartet werden. Dies geschieht durch Besatz im Mittellauf des Elzbachs. Niklas Döpfner sammelt deshalb Lachse bis zu einer bestimmten Größe in einem Eimer, den er beim Gang durch den Bach umgehängt mit sich trägt. Die wird er später in einen Behälter im Kofferraum ihres Autos setzen, um sie an das Lachszentrum zu übergeben. „Die Besatzlachse züchten wir nicht selbst, es gibt eine externe Zucht an der Hasper Talsperre in Nordrhein-Westfalen“, erklärt Timo Seufert. Dort werden die heute gefangenen kleinen Wildlachse zu großen Elternfischen aufgezogen, deren Nachkommen dann als Besatzfische dienen. „Wir erwarten, dass die von wilden Eltern abstammenden Lachse besonders gut an unsere Gewässer angepasst sind.“ Wo die Lachse im Elzbach zu finden sind, weiß Seufert aufgrund seiner Erfahrung. „Die jungen Lachse stehen gerne im schnellen Wasser der Rausche, während die kleinen Forellen eher Randbereiche und Unterstände bevorzugen“, erklärt er. Die Rausche, das ist ein Abschnitt des Baches mit einer höheren Fließgeschwindigkeit. „Die Laichgruben der Lachse sind meist am Kopf einer Rausche, weil dort sauerstoffreiches Wasser in den Kies am Gewässergrund eingetragen wird“, weiß Seufert.

Nach rund zwei Stunden sind gerade einmal acht junge Lachse im Eimer. Seufert hatte sich mindestens 30 erhofft. „Viele der Rückkehrer schaffen es aufgrund der vielen Wehre gar nicht zurück in ihr Heimatgewässer“, sagt er. Und den Turbinen der Wasserkraftwerke fallen auch einige zum Opfer, das ärgert den Frankfurter. „Ich vergleiche das gerne so: Würde ich im Wald einen großen Häcksler aufstellen, der die Tiere dort in kleine Würfel schneidet, gäbe es einen großen Aufschrei unter den Leuten. Genau das aber passiert mit den Fischen in den Turbinen. Weil das aber keiner sieht, interessiert es auch niemanden.“

Von unserem Reporter Christoph Bröder

Was im Elzbach so alles herumschwimmt

Diese Fische gibt es:

Die Bachforelle

Die Bachforelle ist ein Raubfisch und eine Unterart der Forelle. Bachforellen werden je nach Nahrungsangebot 20 bis 80 Zentimeter lang, in Ausnahmefällen sind Größen von einem Meter und Gewichte über 15 Kilogramm möglich. Ihr Rücken ist oliv-schwarzbraun und silbrig blau, bauchwärts treten rote Flecken mit hellem Rand auf, die Bauchseite ist weißgelb. Die Bachforelle erreicht in der Regel ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm. Bachforellen können bis zu 18 Jahre alt werden.

Die Groppe

Die Groppe ist ein kleiner, nachtaktiver Süßwasserfisch. Sie ist ein schlechter Schwimmer. Um Energie zu sparen, bewegt sie sich mit gespreizten Brustflossen meist nur ruckartig über den Boden. Auf steinigem Untergrund ist sie in Ruhestellung gut getarnt und hält sich tagsüber versteckt. Sie soll muskulär einen tiefen Ton erzeugen können. Die Groppe ernährt sich von kleinen Bodentieren wie zum Beispiel Insektenlarven und Bachflohkrebsen.

Der Döbel

Der Döbel, auch Alet, Eitel oder Aitel genannt, ist eine Fischart aus der Familie der Karpfenfische. Der im Durchschnitt 30 bis 40 Zentimeter lange und 1 Kilogramm schwere Döbel hat einen gestreckten und seitlich abgeflachten, torpedoförmigen Körper. Oftmals wird behauptet, der Döbel stelle eine Gefahr für Forellen und Äschen dar, denn er dezimiere den Bestand dieser beiden Fischarten extrem. Dies wurde allerdings nie belegt und es kann davon ausgegangen werden, dass gegenüber heimischen Arten keine Verdrängung stattfindet.

Cochem Zell
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