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Hambuch

Weltreise: Auf der Suche nach gelebten Utopien


Brigitte Meier

Die meisten Reisenden haben touristische Ziele oder allenfalls das Kennenlernen fremder Kulturen im Kopf, wenn sie sich auf den Weg machen. Das genügt zwei Schwestern aus der Eifel nicht als Motivation. Lisa (27) und Julia (26) Hermes aus Hambuch machen sich vielmehr auf die Suche nach Visionären, Aussteigern, Träumern und Idealisten, wenn sie am Samstag zu einer dreijährigen Weltreise starten. Ungewöhnlich wie der Grund ihrer Reise ist auch die Art der Fortbewegung. Die Schwestern wollen trampen, laufen, radeln und reiten sowie Segelschiffe, Ruderboote und nur die Transportmittel nutzen, die auch der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Flugzeuge sind tabu.

Lisa (links) und Julia Hermes aus Hambuch sitzen auf gepackten Rucksäcken. Am Samstag beginnen sie ihre Weltreise per Anhalter an der Autobahn 48. Die Schwestern möchten unter anderem in Frankreich, Südamerika, Mexiko, Alaska und Sibirien alternative Lebensformen kennenlernen und später in einem Fotobuch vorstellen. Sie werden drei Jahre unterwegs sein.  Foto: Kevin Rühle
Lisa (links) und Julia Hermes aus Hambuch sitzen auf gepackten Rucksäcken. Am Samstag beginnen sie ihre Weltreise per Anhalter an der Autobahn 48. Die Schwestern möchten unter anderem in Frankreich, Südamerika, Mexiko, Alaska und Sibirien alternative Lebensformen kennenlernen und später in einem Fotobuch vorstellen. Sie werden drei Jahre unterwegs sein.
Foto: Kevin Rühle

An der Autobahnraststätte Elztal werden die jungen Frauen ihre Weltreise beginnen, per Anhalter nach Frankreich und Portugal fahren, über den Atlantik nach Südamerika segeln, durch Mittel- und Nordamerika nach Alaska reisen, um dann die Beringsee über die Aleuten nach Kamtschatka/Russland zu überqueren. Von dort geht es durch Sibirien weiter Richtung Iran, Türkei und zurück in die Eifel.

Das ist zumindest der grobe Plan für den Trip, der sicher zum Abenteuer wird. Dabei sind Lisa und Julia nicht auf touristische Abenteuer aus, sondern: „Wir werden Menschen besuchen, die ihre eigene Vision einer besseren Welt zu einer real existierenden Möglichkeit geformt haben.“ Aussteiger also, die Utopien leben.

Da Lisa bereits seit mehreren Jahren allein mit ihrem Rucksack die Welt bereist (die RZ berichtete) und Julia in alternativen Gemeinschaften in Europa gelebt hat, haben die Schwestern persönliche Kontakte zu Aussteigern, Kommunen und Bewegungen, die mit ihrer Art zu leben „die Welt verbessern“ möchten. So werden sie unter anderem einige Zeit im „Valle de Sensaciones und Colibris“ in Frankreich, Spanien und Südamerika verbringen, mit Aussteigern in der Wildnis Alaskas leben und in den USA mit Wanderarbeitern in Güterzügen durch das Land ziehen. In Mexiko möchten die Schwestern Eindrücke vom Alltag der Frauen in einem matriarchal strukturieren Dorf gewinnen. Und sie werden über eine Kontaktperson zu den Zapatisten vordringen, die als indigene revolutionäre Guerillabewegung für ihre Rechte kämpfen. Und natürlich werden Lisa und Julia auf ihrer Reise neue Kontakte zu außergewöhnlichen Menschen knüpfen, um deren Leben kennenzulernen.

Aussteigerinnen aus dem bürgerlichen Leben sind die Schwestern selbst, zumindest für drei Jahre. Doch ihre ungewöhnliche Reise soll kein Selbstzweck sein, betonen sie. Alle Eindrücke und Einblicke möchten sie in einem Fotobuch zusammentragen. Die freiberufliche Fotojournalistin Lisa möchte die Bilder liefern, während die Psychologin Julia die erläuternden Texte schreiben wird: „Wir möchten, dass interessierte Menschen auf das gesammelte Wissen zu alternativen Lebensformen zurückgreifen können.“

Lisa und Julia lassen für eine lange Zeit ihre Familie und Freunde zurück, ohne Bedauern und ohne Angst vor Heimweh. Sie empfinden ihren dreijährigen Ausstieg auch nicht als Flucht vor „dem wirklichen Leben“, sondern vielmehr als Erfüllung ihrer ureigenen Erwartungen an das Leben. Die jungen Frauen haben eine sehr enge Bindung zu ihren Eltern, die ihre Töchter loslassen und ihnen vertrauen: „Unsere Eltern sind immer da, auch wenn wir getrennt sind. Sie haben uns so aufwachsen lassen, dass wir das Selbstvertrauen haben, ohne Angst durch die Welt zu reisen.“ Geplant ist allerdings, dass die Eltern Lisa und Julia irgendwo auf der Welt besuchen.

Selbstredend, dass die beiden Schwestern sich gut verstehen, einander vertrauen und aufeinander aufpassen werden. Bislang haben sie getrennt voneinander das Leben und die Welt erforscht. Mit der gemeinsamen Reise erfüllen sie sich nun den lange gehegten Wunsch, zusammen etwas auf die Beine zu stellen.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

RZ-Leser können mit auf Weltreise gehen

Lisa und Julia Hermes möchten die RZ-Leser an ihrer spannenden Weltreise teilhaben lassen. Daher werden sie etwa alle drei Monate einen Text, Fotos und Videos an die Redaktion schicken und über ihre Erlebnisse berichten. Außerdem wird ab August die Internetseite  www.outthere.eu

freigeschaltet, wo die beiden Reisenden ihr ausführliches Reisetagebuch veröffentlichen und die verschiedenen Formen gelebter Utopien vorstellen. Lisa und Julia kündigen an: „Diese Website dient als multimediale Plattform, um dem Nutzer unsere Erlebnisse und Erfahrungen durch Fotos, Videos und Tonaufnahmen nahezubringen.

Cochem Zell
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