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Cochem

Was es im Schwimmbad zu meistern gilt: Unfälle geschehen oft durch Leichtsinn

Annika Könntgen

Wenn sich die Wolken am frühen Nachmittag verziehen und die Temperaturen steigen, freut das vor allem Jugendliche: Sie kommen nach der Schule ins Cochemer Freibad, um sich abzukühlen und mit Freunden zu treffen. Ums Schwimmen geht es den meisten allerdings nicht. Das große Schwimmerbecken zieht kaum Badegäste an, die Schüler treffen sich im Nichtschwimmerbecken zum Rutschen, Spielen und Planschen. Unüblich ist das nicht, verrät Schwimmmeister Reiner Zenz: „Das bewusste Bahnenschwimmen hat mit den Jahren nachgelassen.“ Kann das daran liegen, dass Kinder heutzutage nicht mehr richtig schwimmen können? Macht sich das auch im Schwimmbadalltag sichtbar? Und wie oft muss der Schwimmmeister im Cochemer Bad als Retter ran?

Reiner Zenz, Schwimmmeister im Moselbad Cochem, weiß: Unfälle passieren hauptsächlich durch Leichtsinn und Übermut der Badegäste. Foto: Kevin Rühle
Reiner Zenz, Schwimmmeister im Moselbad Cochem, weiß: Unfälle passieren hauptsächlich durch Leichtsinn und Übermut der Badegäste.
Foto: Kevin Rühle

Klar sei, dass sich das Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen geändert habe, vor allem in Hinsicht auf Technik und Social Media. Zusätzlich seien viel mehr Kinder in einer Ganztagsschule. „Da bleibt das Schwimmen hintendran“, sagt Zenz.

Allgemein fehle es aber vor allem an der Initiative der Eltern und an deren Zeit. Um sich sicher im Wasser bewegen zu können, reicht ein einfacher Schwimmkurs nicht aus. Doris Heland, Schwimmkursleiterin im Moselbad, erklärt: „Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Kinder vorher schon an das Wasser gewöhnen.“ Man müsse bereits vor dem Kurs mit den Kindern regelmäßig ins Schwimmbad gehen, um sie an die Situation zu gewöhnen und ihnen mögliche Ängste zu nehmen. Aber auch während und nach dem Schwimmkurs sei die Mithilfe der Eltern wichtig. „Es ist immer gut, wenn die Eltern mit ihren Kindern nach einer Einheit noch bleiben zum Toben und Rutschen“, sagt Heland. Damit das Schwimmen auch trotzdem ein Spaß für die Schwimmschüler bleibt. „Und nach den Kursen muss das Gelernte durch regelmäßige Schwimmbadbesuche gefestigt werden“, erklärt die Schwimmlehrerin, die auch in Düngenheim und Brohl Schwimmkurse anbietet.

Doch gerade daran fehlt es. Kaum Familien mit Kleinkindern sind im Freibad zu sehen. „Früher kamen wesentlich mehr“, sagt Reiner Zenz. Ob das allerdings daran liege, dass die Kinder nicht schwimmen könnten, die Eltern keine Zeit hätten oder es einfach insgesamt weniger Kinder gebe, das könne er als Schwimmmeister nicht beurteilen. Aus diesem Grund macht sich die Problematik im Schwimmbad auch nur wenig bemerkbar. „Die Kinder, die hierhin kommen, können schwimmen. Die anderen sehe ich ja nicht. Deswegen kann man gar nicht sagen, wie viele Kinder schwimmen können und wie viele nicht“, erklärt der Schwimmmeister.

Ohnehin muss Zenz im Cochemer Bad nur selten als Retter ran. Die Unfälle im Schwimmbad haben kaum etwas mit Ertrinken zu tun: „Wenn ich eingreifen muss, dann weil Badegäste sich leichtsinnig und risikoreich verhalten.“ Das fällt besonders auf, wenn man sich im Nichtschwimmerbecken umschaut: An der Rutsche halten die Kinder nur viel zu geringe Abstände ein, obwohl dabei die Verletzungsgefahr steigt. Dann muss auch der Schwimmmeister eingreifen und die Jugendlichen direkt darauf ansprechen. Nur wenige Meter neben der Rutsche, ebenfalls im Nichtschwimmerbecken, sitzen und stehen Jugendliche auf den Schultern ihrer Freunde. Ein Sturz lässt sich nicht immer vermeiden

Trotzdem: Unsichere Badegäste gibt es immer wieder. Eine Altersbegrenzung gibt es dabei nicht. „Mal sind es übermütige Kleinkinder, mal Erwachsene, die zu stolz sind, um im Nichtschwimmerbecken zu bleiben“, sagt Reiner Zenz. Woher diese Unsicherheiten stammen, lässt sich nicht immer sagen. Annika Könntgen

Cochem Zell
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