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Cochem/Kaisersesch

Verein ermöglicht Unterricht: Endlich Zeit zum Geigenspiel

Im Instrumentenkoffer, den Maya Garyeen auf dem Rücken trägt, ist keine Gitarre, wie man bei einer jungen Frau vermuten könnte. Vielmehr schält die 24-Jährige eine Violine aus den schützenden Abpolsterungen des tragbaren Kastens. Maya, die dem Bürgerkrieg in Syrien entkam, erhält Geigenunterricht in der Kreismusikschule Cochem-Zell. Ermöglicht wird dies durch die Unterstützung des Kaisersescher Sozialvereins Durchblick.

Marie Oettmeier erklärt Schülerinnen aus Syrien die Noten. Durchblick mit Heidi Wagener ermöglicht den Unterricht (2. und 4. von links).  Foto: B.Meier
Marie Oettmeier erklärt Schülerinnen aus Syrien die Noten. Durchblick mit Heidi Wagener ermöglicht den Unterricht (2. und 4. von links).
Foto: B.Meier

Insgesamt sponsert der Verein 18 Schülern den Unterricht, darunter eine Band aus gehandicapten Musikern, und einige Flüchtlinge, erklärt Heidi Wagener: „Die Anträge zur Kostenübernahme für Schüler mit geringem Einkommen stellt in der Regel die Kreismusikschule. Durchblick hat ja das Ziel, Kindern und Jugendlichen die Teilhabe an Bildung und Kultur zu ermöglichen, sodass wir Musikunterricht sehr gern fördern.“
Geigenlehrerin Marie Oettmeier unterrichtet nicht nur Maya Garyeem, sondern auch Midia Akkash. Die 23-Jährige hat in Syrien das Abitur gemach, hat gerade ihre Deutschprüfungen erfolgreich abgelegt und bereitet sich auf ein Studium vor. Sie erzählt: „Ich wollte schon in Syrien Geige spielen lernen, hatte aber wegen der Schule keine Zeit. Dann sind wir vor dem Krieg geflohen.“ Midia freut sich, dass sich nun ihr Traum vom Geigenspiel erfüllt.
Maya dagegen ist keine Anfängerin, denn sie hat in Syrien bereits drei Jahre Violine gespielt, berichtet sie: „Dann habe ich aufgehört und viel verlernt. Aber jetzt im Unterricht und beim Üben kommt es wieder zurück.“ Zwar ist ihr die Technik im Umgang mit Saiten und Bogen vertraut, doch ihr Gehör muss sich an die europäische Musik gewöhnen. Marie Oettmeier erklärt einen Unterschied zur arabischen Musik: „Wir haben das Ganztonsystem, während die arabische Musik auf dem Viertel- oder Dreivierteltonsystem basiert.“
Maya und Midia äußern hin und wieder den Wunsch, Musik aus ihrer Heimat zu spielen. Daher beschäftigt sich Marie Oettmeier nun auch mit den für sie fremden Tönen und hat zu einem arabischen Lied die zweite Stimme geschrieben. Die Musiklehrerin lacht: „So lerne ich auch noch etwas dazu.“ Umlernen müssen ihre syrischen Schülerinnen auch beim Notenlesen, denn in ihrem Land gilt die italienische Tonbezeichnung, also do, re, mi, fa, sol für c, d, e, f, g...
So oder so, wer der Violine statt schräger Kratzgeräusche wohlklingende Töne entlocken will, muss fleißig üben, bis er „den Bogen raushat“. Maya und Midia kommen einmal in der Woche zum Unterricht und üben zu Hause auf den Instrumenten, die ihnen die Musikschule zur Verfügung stellt. Auch die Kosten für den Klavierunterricht der 15-jährigen Sufa Mohamad übernimmt der Verein Durchblick. Brigitte Meier

Nähere Infos: www.durchblick-kaisersesch.de

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