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Cochem-Zell

Touristenziele: Kritik aus Netz perlt nicht ab

David Ditzer

Rasch veröffentlicht, meist anonym, oft kritisch: Wer heute Touristenattraktionen bewerten möchte, nutzt das Internet – und kaum mehr Gästebücher, von persönlichen Rückmeldungen ganz zu schweigen. Oder? Internetkritiken beachten die Betreiber von Sehenswürdigkeiten in Cochem-Zell und der Region sehr wohl. In manchen Fällen reagieren sie auch darauf, ja müssen reagieren.

Ob der Pommerner Martberg oder die Reichsburg Cochem, im Internet müssen Touristenattraktionen für sich werben. Viele nutzen den Kanal auch zur Interaktion mit Gästen.
Ob der Pommerner Martberg oder die Reichsburg Cochem, im Internet müssen Touristenattraktionen für sich werben. Viele nutzen den Kanal auch zur Interaktion mit Gästen.
Foto: Christoph Bröder

Dort, wo es möglich ist, nutzt die Reichsburg Cochem kritische Rückmeldungen, die sie über das Internet erhält, um Verbesserungen auf den Weg zu bringen. Geschäftsführer Theo Lechtenfeld sagt: „Wir versuchen, dem jeweils Monierten nachzugehen und es abzustellen.“ Allerdings nur dann, wenn es sich erkennbar um konstruktive Kritik handelt – und um ein Manko, dessen Beseitigung man in den eigenen Händen hat. „Wenn jemand schreibt, er habe erst eine Viertelstunde lang zur Burg hinauflaufen und dann auch noch 6 Euro Eintritt zahlen müssen, um hineinzukommen. Was soll man da schreiben?“, fragt Lechtenfeld. „Wir brauchen die Einnahmen, um die Burg erhalten zu können?“ Vergebene Liebesmüh.

Glücklicherweise erhalte das Cochemer Wahrzeichen jedoch via Internet meist ein positives Feedback, vor allem nach Veranstaltungen. Das erreicht die Burg-Verantwortlichen zum Beispiel über Facebook. Dort bringt es der Reichsburgauftritt auf 5300 „Gefällt mir“-Angaben und in der Bewertung durchschnittlich auf 4,6 von 5 Sternen (abgegebene Bewertungen: rund 900, alle Ergebnisse beziehen sich auf den Tag der RZ-Recherche). Die englischsprachige Facebook-Präsenz „Cochem Castle“ gefällt noch einmal 3000 Nutzern. Auf einer Bewertungsplattform des Internetkonzerns Google kommt die Reichsburg auf 4,5 Sterne bei rund 1700 Rezensionen.

Bei Google erzielt die Hängeseilbrücke Geierlay (Mörsdorf – Sosberg) 4,6 von fünf Sternen bei rund 1600 abgegebenen Stimmen. Wobei die Google-Seite dem Mörsdorfer Ortsbürgermeister Marcus Kirchhoff durchaus Verdruss beschert hat. Denn: „Dort steht seit dem Sturm neulich aus unerfindlichen Gründen, die Brücke sei nur von 6 bis 9 Uhr geöffnet.“ Folge: „Auf der Brücke, vor allem aber in der Restauration spüren wir einen Besucherrückgang.“ Und: „Es ist gar nicht so einfach, bei Google auf eine Änderung der Öffnungszeiten hinzuwirken.“

Ob der Pommerner Martberg oder die Reichsburg Cochem, im Internet müssen Touristenattraktionen für sich werben. Viele nutzen den Kanal auch zur Interaktion mit Gästen.
Ob der Pommerner Martberg oder die Reichsburg Cochem, im Internet müssen Touristenattraktionen für sich werben. Viele nutzen den Kanal auch zur Interaktion mit Gästen.
Foto: Kevin Ruehle

Mit dem Management dessen, was die Geierlay-Verantwortlichen und auch die Tourist-Info in Kastellaun übers Internet erreicht, sei man „heftig beschäftigt“, konstatiert Kirchhoff. Aber: „Man muss dem nachgehen, damit man auf diesen Kanälen mitpinkeln kann.“ Denn viele Menschen entscheiden nach einem Blick ins Netz, ob sich eine Reise zur Geierlay lohnt oder nicht. Der Facebook-Auftritt der Brücke kommt mit rund 11.000 „Gefällt mir“-Angaben und 4,6 Sternen (bei 344 Bewertungen) daher. Eigentlich hätte Kastellanin Angelika Nelius gar keinen Grund, sich über die Bewertungen im Internet zu ärgern. 4,5 von 5 Sternen geben Internetnutzer ihrer Burg Eltz durchschnittlich bei Google. Und doch: Sie sieht die Bewertungsmöglichkeit im Netz kritisch. „Wir schauen zwar ab und zu rein, aber das, was geschrieben wird, kann man nicht immer so ganz einordnen“, sagt sie. „Und so mancher Kommentar über die Burg Eltz im Internet ist einfach nur ein Absingen schmutziger Lieder.“

Es sind nur wenige negative Kommentare über die Burg Eltz im Netz zu lesen. Aber es gibt sie. Mal kritisiert ein anonymer Nutzer eine angeblich massiv kinderunfreundliche Führung, andere Besucher ärgern sich über den weiten Weg vom Parkplatz zur Burg. „Wir können aber ja nicht einfach den Wald wegsprengen, um andere Parkmöglichkeiten anzubieten“, sagt Nelius.

Kommunikation und, wo nötig, auch Interaktion mit potenziellen Gästen über das Internet ist aus Thomas Kalffs Sicht enorm wichtig, um die Vorzüge des Moselsteigs an die Frau und den Mann zu bringen. Der Stellvertretende Geschäftsführer der Mosellandtouristik fügt hinzu: „Wobei es auf Facebook meist so ist, dass wir Beiträge posten und die Community darauf reagiert.“ Dort hat der Steig überschaubare 4700 Fans. „Wobei wir recht viele Rückmeldungen aus der Community über die Plattform outdoorac-tive.com erhalten.“ Dort beschreiben Wanderer die Erfahrungen, die sie auf einzelnen Etappen des Steigs gesammelt haben. „Wenn uns eine Beschwerde erreicht, loggen sich die Kollegen mitunter auch ein und reagieren darauf.“ Meldungen über Defizite in Sachen Beschilderung erhalten die Moselsteig-Verantwortlichen in der Regel per Mail.

Die Webseite des Archäologieparks Martberg bei Pommern nutzen Gäste in der Regel (martberg-pommern.de), um sich einen ersten Überblick über Aktionen und Führung zu verschaffen. Die Führungen selbst buchen sie telefonisch oder per E-Mail über die Tourist-Info Karden. Manfred Rausch, Vorsitzender des Martberg-Vereins, sagt: „Rückmeldungen bekommen wir dann persönlich von den Teilnehmern. Die meisten finden es gut, dass so etwas wie die keltisch-römische Tempelanlage wiederaufgebaut wurde.“

Von David Ditzer und Raphael Markert

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