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Cochem

Tops und Flops in der Debatte: Eine (subjektive) Einzelkritik

So ein Rededuell ist ein bisschen wie ein Fußballspiel: Die einen gehen aggressiv nach vorn und versenken einen Ball nach dem anderen im Tor. Die anderen verrennen sich. Wieder andere bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück oder spielen eigentlich in einer ganz anderen Liga. Eine – zugegeben von subjektiven Eindrücken der Redaktion geprägte – „Spielerkritik“.

Cochem – So ein Rededuell ist ein bisschen wie ein Fußballspiel: Die einen gehen aggressiv nach vorn und versenken einen Ball nach dem anderen im Tor. Die anderen verrennen sich. Wieder andere bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück oder spielen eigentlich in einer ganz anderen Liga. Eine – zugegeben von subjektiven Eindrücken der Redaktion geprägte – „Spielerkritik“.

Anke Beilstein: Die Aufsteigerin

Eine Wahlperiode im Landtag, das prägt: Die 44-Jährige CDU-Frau formuliert souverän, zeigt – vor allem im Duell mit Heike Raab – auch, dass sie sich auf Wahlkampfgebell versteht. Beim Thema Bildung nimmt sie ihre junge liberale Kollegin Miriam Wehner mütterlich unter ihre Fittiche: Die beiden tauschen sich abseits des Mikrofons ganz offensichtlich aus, der Jüngeren scheint das gar nicht unrecht zu sein. Nicht so recht ist es Beilstein dagegen, dass relativ ausführlich über Energiepolitik diskutiert wird – vielleicht auch, weil sie selbst bei dem Thema nicht besonders glücklich aussieht: Mit ihrer Äußerung, die Katastrophe in Japan habe niemand vorhersehen können, erntet sie auf dem Podium Kopfschütteln. Im Publikum wird sogar leise gebuht. Dass sie die Ereignisse in Japan mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vergleicht, macht es nicht besser.

Heike Raab: Die Kämpferin

Heike Raab (SPD) merkt man ihre große landespolitische Erfahrung ebenfalls an: Sie formuliert griffig, so, dass es hängen bleibt und auch beim Publikum ankommt. Für den Satz: „In erneuerbaren Energien steckt viel Power für die Wirtschaft“, erhält sie den ersten Szenenapplaus des Abends. Die 45-Jährige hat Spaß an der verbalen Auseinandersetzung, das sieht man ihr an. Das Kinn reckt sie oft entschlossen nach vorn. Wenn ihr Argumente – vor allem die ihrer CDU-Mitbewerberin Anke Beilstein – nicht passen, wird der Mund spitz. Gerade gegenüber Beilstein vergreift sich Raab allerdings auch einmal im Ton. Das bleibt aber ihr einziger Ausrutscher des Abends. Beim Thema Bildung bezieht sie sich auf das, „was die Landesregierung geleistet hat“, überlässt dann dem Grünen Peter Minnebeck das Feld.

Peter Minnebeck: Der Souveräne

Der 48-Jährige Grüne muss sich am häufigsten Attacken stellen. Allerdings kommen die in der Regel nicht von den Mitbewerbern auf dem Podium, sondern aus dem Publikum. Umso erstaunlicher, dass Minnebeck über weite Strecken gelassen bleibt und versucht, mit Argumenten und nicht mit Parolen zu punkten. Typische Grünen-Rhetorik wie „Wenn wir 25 Prozent der Lampen im Saal ausstellen, würde das kein Mensch merken und wir hätten 25 Prozent der Energie gespart“ bleibt die Ausnahme. Der Satz: „Wenn uns die Hochmoselbrücke nicht gefällt, können wir sie zur Not ja wieder sprengen“ darf wohl als flapsiger Ausrutscher durchgehen. Insgesamt wirkt der Berufsschullehrer absolut souverän – auch wenn einige Zuschauer ihn akustisch partout nicht verstehen (wollen). Das Konzept der Integrierten Gesamtschule erklärt er besser als Raab.

Thomas Knopp: Der Außenseiter

Reden zu schwingen, ist nicht die Sache des Direktkandidaten der Linken. Er hat sich zwar vorbereitet oder sich zumindest Notizen gemacht. Insgesamt wirkt er aber recht nervös, spricht stockend, manchmal sogar unverständlich. Man kann ihm diese „Schnodderigkeit“ als Authentizität zugutehalten. Allerdings kommen nur wenige Argumente tatsächlich rüber. Besonders gegen Ende der Diskussion schließt er sich häufig den Positionen Minnebecks an.

Miriam Wehner: Die Einsteigerin

Auch die 21 Jahre alte Miriam Wehner hat vergleichsweise wenige Redeanteile, fordert die vor allem gegen Ende der Diskussion aber immer häufiger ein. Wehner formuliert nicht ungeschickt, verhaspelt sich jedoch auch ein ums andere Mal. In Sachen Atomausstieg distanziert sie sich klar von den Positionen ihrer Partei, der FDP: „Ich bin selbst keine Befürworterin der Atomkraft.“ Am deutlichsten werden ihre Positionen noch beim Thema Bildung, womöglich weil sie hier in weiten Teilen mit denen von Anke Beilstein übereinstimmen. Die beiden Damen stimmen sich gerade bei diesem Thema auch abseits der Mikrofone ganz offensichtlich ab. Insgesamt gilt im Fall Wehner wohl: Dieses war der erste Streich – die nächste Wahl kommt bestimmt.

Cochem Zell
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