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Bullay

St. Martin aus Bullay: Wieso Richard Mittler seit 50 Jahren die Rolle des römischen Soldaten mimt

Die Botschaft des heiligen Martin in die heutige Zeit zu übersetzen, das ist für Richard Mittler ein wichtiges Anliegen. Der Bullayer mimt seit mehr als 50 Jahren den römischen Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte.

Die kostbare Holzskulptur ist ein Geschenk der Gemeinden, für die Richard Mittler seit vielen Jahren als St. Martin im Einsatz ist.
Die kostbare Holzskulptur ist ein Geschenk der Gemeinden, für die Richard Mittler seit vielen Jahren als St. Martin im Einsatz ist.
Foto: upw

An zehn Tagen reitet er auch in diesem Jahr in elf Gemeinden als Martin durch die Straßen. Der Reiter und bekennende Pferdefreund sagt: „Ich habe sicher schon rund 450-mal als Martin auf dem Pferd gesessen und Brezeln an Kinder verteilt.“ Für Mittler, der in den nächsten Tagen seinen 70. Geburtstag feiert, bedeutet die Rolle des Martin aber mehr als nur das. „Ich trete mit den Kindern in direkten Kontakt, rede mit ihnen, erzähle von Martin im übertragenen Sinn“, sagt er.

Was genau er an welchem Martinsfeuer erzählen wird, weiß Richard Mittler noch nicht. „Es kommt auch immer auf die Situation an“, sagt er. Berichtet hat er schon vom freundschaftlichen Umgang miteinander, von Handys, Computerspielen und vielem mehr. Die Botschaft, die der 70-Jährige im Gepäck hat, ist immer dieselbe: anderen in Liebe und Freundschaft zu begegnen. „Das verstehen auch die Kleinsten schon“, sagt er.

Um die richtigen Worte als Martin zu finden, sitzt Mittler am liebsten im Wintergarten seines Wohnhauses in Bullay und denkt nach. Hinter ihm an der Wand hängt eine wertvolle Holzstatue, die den heiligen Martin hoch zu Ross zeigt. Ein Geschenk der Gemeinden, für die der Bullayer seit vielen Jahren ehrenamtlich tätig ist. Der Wintergarten gehört zu den Lieblingsplätzen Mittlers. Von hier aus hat er eine herrliche Aussicht auf die Mosel und seinen eigenen Garten. Neben Pferden und dem Reitsport ist auch das Gärtnern ein beliebtes Hobby des 69-Jährigen.

In diesem Jahr ist Mittler elfmal als St. Martin unterwegs.
In diesem Jahr ist Mittler elfmal als St. Martin unterwegs.
Foto: privat

Mittler besitzt drei eigene Pferde. Eines davon, der 21-jährige Wallach Nico, ist in den Martinszügen immer mit dabei. Auch die vierjährige Stute Lucy ist trainiert und könnte notfalls als „Martinspferd“ einspringen. Seinen ersten Vierbeiner hat Mittler bereits als 15-Jähriger bekommen. „Mein Vater war als Getränkehändler in Pünderich, wo ein Zirkus mit Pferden gastierte“, sagt er. Der Vater, der eigentlich kein besonderer Pferdeliebhaber gewesen sei, habe seinem Sohn eines dieser Pferde gekauft. Obwohl das Glück mit dem wilden Hengst nicht von langer Dauer war, veränderte das Pferd Mittlers Leben. Er begann zu reiten, wurde später Spring- und Militaryreiter, war 21 Jahre lang Vorsitzender des Zucht-, Reit- und Fahrvereins Kastellaun.

An die Rolle des Martin kam er durch eigene Initiative. „Schon als Jugendlicher störte es mich, dass der St. Martin in Bullay mit dem Traktor vorfuhr“, sagt Mittler. Kurzum beschloss er, selbst tätig zu werden. Von einem Mann aus Düren, der in Bullay eine Pferdezucht hatte, lieh er sich Anita aus, eine starke und geduldige Stute. „Den Helm hat Burgbesitzer Rademacher mir geliehen. Der war zwar nicht römisch, aber schön“, bemerkt Mittler.

Ausgerüstet mit Umhang und Pferdedecke, trat er als 15-Jähriger seinen ersten Einsatz als St. Martin in Bullay an. Inzwischen gehört Mittler zu den gefragtesten Martin-Darstellern der Region. Der Aufwand, den er betreiben muss, um das Pferd mit Anhänger in eine Ortschaft zu kutschieren, ist dem 69-Jährigen nicht zu hoch. „Die Aufgabe macht mir Spaß, sonst würde ich es nicht machen“, sagt er. Leuchtende Kinderaugen am brennenden Feuer gehören für ihn zu den schönsten Erlebnissen. Manchmal bekommt „Martin“ auch selbst gemalte Bilder geschenkt, auf denen Pferd und Reiter zu erahnen sind.

Die Rolle des Martin hat Mittlers Leben in gewisser Weise bestimmt. „Ich habe mich schon intensiv mit der Geschichte des römischen Soldaten beschäftigt“, sagt er. Ob es Zufall ist, dass sein Sohn auch Martin heißt? Unterstützt wird Richard Mittler in seiner Aufgabe von Tochter Anna-Lena, die sich inzwischen auch um die Pflege der Pferde kümmert. „Das ist viel mehr Arbeit, als man denkt“, sagt er. Zu den wichtigsten Terminen im November gehört für Richard Mittler die Kirmes in Briedel. „Die hat von jeher Priorität. Denn der heilige Martin ist Schutzpatron der Briedeler Pfarrkirche.“ Am heutigen Samstag in Briedel zu reiten, das hat Richard Mittler sich deshalb fest in seinem Kalender notiert.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

Die Geschichte von St. Martin

Um den heiligen Martin ranken sich einige Legenden. Die wohl bekannteste ist die der Mantelteilung: Martin von Tours wurde in den Jahren 317 oder 318 in Savaria, dem heutigen Ungarn, geboren. Mit 15 Jahren trat er in die römische Armee ein.

Mit 18 Jahren war er als Offizier im französischen Amiens stationiert. An einem kalten Wintertag begegnete Martin am Stadttor einem armen, unbekleideten Mann. Mit seinem Schwert teilte Martin seinen Mantel in zwei Teile und gab dem Bettler eine Hälfte. Die Beschädigung militärischen Eigentums brachte ihn für drei Tage ins Gefängnis. St. Martin ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Sein Namenstag ist der 11. November. upw

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