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Blankenrath/Zell

Schüler erhalten Einblicke in jüdische Geschichte

Draußen ist es ungemütlich kalt, als sich die Klasse 10 der Realschule plus mit Klassenlehrerin Irina Heger und Religionslehrer Willi Müller-Schulte auf den Weg nach Zell macht. Dort erwartet sie Rolf Sandig in der alten Synagoge, die ganz unscheinbar und versteckt hinter den Mauern des Schlosses liegt. Im ehemaligen Gotteshaus in der Jakobstraße fallen Schriftrolle, Gedenktafel, siebenarmiger Leuchter, Sternenhimmel und Steine mit eingravierten Namen ins Auge.

Blankenrather Schüler besuchten unlängst unter anderem den jüdischen Friedhof in Bullay.
Blankenrather Schüler besuchten unlängst unter anderem den jüdischen Friedhof in Bullay.
Foto: Realschule plus Blankenrath

Sandig erklärt den Schülern die Geschichte der Synagoge, wie im Jahre 1849 für 300 preußische Taler dem damaligen Landrat Alexander Moritz ein Gebäudeteil des Zeller Schlosses abgekauft wurde, um darin eine Synagoge zu errichten. Unter der Bedingung, dass die etwa 40 jüdischen Gemeindemitglieder nicht über den Schlosshof ihr Gotteshaus betreten durften, sondern von außen über die Jakobstraße, damit die christliche Bevölkerung nicht belästigt werde.

Trotz aller Probleme wuchs die Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts immer stärker, sodass es Überlegungen gab, eine neue Synagoge zu bauen. Nach dem Ersten Weltkrieg fehlte jedoch das Geld dafür und – der Traum von einem neuen Bethaus zerplatzte. Allerdings wurde die bestehende Synagoge um eine Empore für Frauen erweitert. In dieser Zeit wurde auch die Gedenktafel für die gefallenen Soldaten der jüdischen Gemeinde angebracht.

In der Zeit des Nationalsozialismus wanderten viele Juden aus Zell in die USA, nach Südamerika und nach Palästina aus. In der sogenannten Reichspogromnacht im November 1938 wurde auch die Zeller Synagoge geplündert. Jedoch wurden die wertvollen Kultgegenstände (etwa Menora, Ewiges Licht, Toraschilder) durch die Polizei vorher entfernt. Da die Synagoge im Schlossbereich lag, wurde sie auch nicht angezündet. So endete am 10. November 1938 die Geschichte der Zeller Synagogengemeinde.

Ab 1940 begannen die Nazis mit der Deportation der verbliebenen jüdischen Bevölkerung. Männer, Frauen und Kinder wurden in die größeren Städte Trier, Koblenz und Köln gebracht, um sie von dort aus in die Vernichtungslager im Osten zu schicken. 34 Menschen dieser Gemeinde verloren im Holocaust ihr Leben.

Nach dem Besuch in der Synagoge fuhr die Klasse zum jüdischen Friedhof nach Bullay, wo mehr als 50 überwiegend in hebräischer Sprache beschriftete Grabsteine zu sehen sind. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1831. Der jüngste Stein bezeichnet die Grabstätte von Johanna Wolf aus Merl, die 1937 starb. Kleine Kieselsteine auf den Grabsteinen sind als „Gruß“ an die Verstorbenen zu verstehen. Der Friedhof gehört der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz.

Vor etwa drei Jahren hat der Kölner Künstler Gunter Demnig „Stolpersteine“ zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus unter anderem in Zell und Bullay verlegt. Die Steine sind vor Häusern zu sehen, in denen die Opfer gelebt hatten. Die jüdische Bevölkerung gehörte zur Lebensgemeinschaft der Orte und nahm rege am Vereinsleben teil. Mit der Machtübernahme Hitlers wurden diese Menschen systematisch aus dem öffentlichen Leben herausgedrängt, später deportiert und in Konzentrationslagern umgebracht.

Der Klassenausflug blieb den Schülern als Mahnung in Erinnerung und gleichzeitig als Aufruf, sich gegen Fremdenhass und Rassismus einzusetzen.

Cochem Zell
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