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Klotten

Schließung offiziell: Grundschule Klotten will kämpfen

Amelie Pryce wohnt nur wenige Schritte von der kleinsten Grundschule in Rheinland-Pfalz entfernt, hat vor wenigen Wochen ihr Zeugnis der vierten Klasse bekommen. Sie gehört wohl zu den letzten sieben Kindern, die die Alois-Thomas-Grundschule in Klotten besucht haben. Denn das Bildungsministerium und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) haben nun die Schließung der Grundschule verkündet. Das war befürchtet worden. Die Gemeinde akzeptiert diese Entscheidung allerdings nicht – und auch einige Eltern sind sauer.

Foto: Kevin Rühle

„Meine Tochter ist sehr gern in diese Schule gegangen, was will man mehr?“, sagt Nadine Pryce, Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule. Zwei ihrer drei Kinder sind, wie sie selbst, in Klotten zur Schule gegangen. Fiona, die Jüngste, sollte im kommenden Jahr folgen. „Meine Erfahrungen waren durchweg positiv. An Privatschulen bezahlt man viel Geld dafür, dass Kinder in so kleinen Gruppen unterrichtet werden“, sagt Pryce. Doch dieser Auffassung folgten in den vergangenen Jahren immer weniger Eltern aus Klotten. „Ein Großteil der Klottener Kinder besucht die Ganztagsschule in Cochem“, bestätigt Carmen Donhauser, Rektorin der Grundschulen Cochem und Klotten.

Foto: Kevin Rühle

Bei Ortsbürgermeister Dieter Lürtzener stand am Donnerstagmorgen das Telefon nicht mehr still. Die Nachricht, dass die Schule schließen wird, verbreitete sich rasend. Noch am Vorabend hatte der Gemeinderat beschlossen, dass er gegen eine mögliche Schließung rechtlich vorgehen will – obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine Entscheidung bekannt war. „Wir wollen behandelt werden wie alle anderen Grundschulen auch“, mahnt Lürtzener. Denn die Gemeinde Klotten, Träger der Grundschule, hat bereits vergangenes Jahr interveniert, noch bevor die Landesregierung die Überprüfung von mehr als 40 Grundschulen angekündigt hatte. Doch Klotten war schnell nicht mehr Teil dieses Prozesses. Auf Grundlage mehrerer Stellungnahmen hat das Ministerium nun die Schließung der Schulen angeordnet – „obwohl der Verbandsgemeinderat ja noch ein Konzept entwickeln wollte. Diese Möglichkeit wurde uns jetzt genommen“, sagt der Ortschef. Vor allem, weil „die Kita bis zum letzten Platz gefüllt ist“. In einer Sitzung haben vor Kurzem acht von elf Eltern von Kitakindern ihre Absicht erklärt, ihre Kleinen in Klotten unterrichten zu lassen, berichtet Nadine Pryce. „Das ist sehr ärgerlich. Endlich entscheiden sich wieder Eltern für die Schule im Dorf, und dann wird ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen“, sagt die Klottenerin. Auch Lürtzener hatte gehofft, dass die Talfahrt ein Ende findet. Denn vor etwa sieben Jahren besuchten noch mehr als 30 Kinder die Grundschule. „Die Lehrerauswahl war vor Jahren nicht immer glücklich, wir hatten ein Imageproblem“, erklärt er.

Foto: Kevin Rühle

Auch wenn sich die Gemeinde kämpferisch gibt, stehen die Chancen schlecht. Rektorin Donhauser kümmert sich bereits um die Schulbuchausleihe, schreibt einen Elternbrief, der die Abläufe erklären soll. Vieles war bereits für das kommende Schuljahr vorbereitet, was jetzt wieder geändert werden muss. „Die Entscheidung kam einfach viel zu spät“, ist auch Nadine Pryce überzeugt. Eltern und Kinder blieben nach Ende des Schuljahres verunsichert zurück. Gleichzeitig zu früh kommt die Entscheidung aus Sicht von Ortsbürgermeister Dieter Lürtzener. Denn es war absehbar, davon ist er überzeugt, dass die Schule wieder wachsen wird.

Von unserem Redakteur Kevin Rühle

Verständlich, aber schlecht gemacht

Dass die Klottener Grundschule geschlossen wird, war unumgänglich. Wie hätte das Land rechtfertigen sollen, dass weitaus größere Schulen schließen – und dies wird geschehen – und die kleinste Schule in Rheinland-Pfalz weitermachen darf wie bisher? Für Klotten ist dies ein Verlust, das ist klar. Kaum eine andere Gemeinde in der Region kümmert sich so intensiv um die eigene Schule, übernahm sogar selbst die Trägerschaft. Doch die Entscheidung hat nicht das Land getroffen, sondern viele Eltern aus Klotten. Das mag an dem Ganztagsangebot der Grundschule in Cochem liegen, aber nicht nur. Ob die Schließung pädagogisch sinnvoll ist? Da gehen die Meinungen von Eltern, Politikern und Lehrern auseinander. Sinnvoller wäre es auf jeden Fall gewesen, Eltern, Lehrer und Schüler vor Ferienbeginn zu informieren, denn die Entscheidung der ADD stand längst fest. Nachvollziehbar, dass so vielen Eltern jegliches Verständnis fehlt.

E-Mail: kevin.ruehle@ rhein-zeitung.net

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