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Cochem

Repair-Café: lieber reparieren als wegwerfen

Ulrike Platten-Wirtz

Die alte Nähmaschine von Elfriede Gelhausen transportiert nicht mehr richtig, beim Dörrautomat von Dorothee Jobelius wird die nötige Temperatur nicht erreicht, und die Stehlampe von Rudolf Stolz braucht einen neuen Schalter. Dies sind nur drei der Problemfälle, mit denen die Mitarbeiter des Repair-Cafés konfrontiert werden. Unter dem Motto „Reparieren statt wegschmeißen“ haben Vertreter von Caritas, Lebensberatung, Dekanat und Katholischer Erwachsenenbildung vor rund vier Jahren die Initiative ins Leben gerufen (die RZ berichtete).

Elektro-Maschinenbauer Hans Peter Berressem aus Urmersbach (links) und Hobbynäherin Waltraud Barz-Kaufmann (rechts) versuchen gemeinsam die defekte Nähmaschine von Elfriede Gelhausen wieder ans Laufen zu kriegen. Fotos: Ulrike Platten-Wirtz
Elektro-Maschinenbauer Hans Peter Berressem aus Urmersbach (links) und Hobbynäherin Waltraud Barz-Kaufmann (rechts) versuchen gemeinsam die defekte Nähmaschine von Elfriede Gelhausen wieder ans Laufen zu kriegen. Fotos: Ulrike Platten-Wirtz
Foto: Platten-Wirtz

„Damals ging es um das Thema Armut und wie man praktische Hilfe anbieten könnte“, erklärt Dekanatsreferent Rudolf Zavelberg. Seitdem ist das Repair-Café jeden dritten Samstag im Monat für vier Stunden lang geöffnet. Im März ist man von der Jahnstraße in die Berufsbildende Schule in die Cochemer Ravenéstraße umgezogen. Wer will, kann dorthin etwas zum Reparieren vorbeibringen oder auch einfach nur auf einen Kaffee reinschauen. Am Samstag sorgt Brigitte Buschmann für die Bewirtung der „Kunden“, während ein Dreierteam an handwerklich begabten Ehrenamtlern Hand anlegt.

Einer von ihnen ist Edmund Schmitt aus Ellenz-Poltersdorf. Der 69-Jährige ist seit fünf Jahren pensioniert. „Ich habe jetzt mehr zu tun als früher, als ich noch berufstätig war“, sagt er augenzwinkernd. Die Arbeit im Repair-Café macht ihm Spaß. Deshalb hat er sich sofort angesprochen gefühlt, als die Initiative bei der Gründung vor vier Jahren Mitarbeiter suchte. „Seitdem bin ich dabei und habe noch nie gefehlt“, sagt er stolz. Schmitt hat sich vorgenommen, den Dörrautomaten wieder flottzumachen. Und tatsächlich kann Dorothee Jobelius, die Besitzerin, kaum eine Stunde später ein funktionstüchtiges Haushaltsgerät mit nach Hause nehmen.

Im Repair-Café sind insgesamt 14 Männer und Frauen ehrenamtlich tätig. Nicht jeder ist handwerklich so fit wie Schmitt. Drei Frauen kümmern sich beispielsweise um die Bewirtung, das heißt, es wird Kuchen gebacken und Kaffee gekocht. Man setzt sich mit denen, die auf einen freien Mitarbeiter warten müssen, an einen Tisch. „Oft entstehen hier richtig gute Gespräche“, sagt Brigitte Buschmann. In der Zeit von 10 bis 13 Uhr kommen in der Regel rund 10 bis 15 Kunden mit defekten Geräten.

„Zu 80 Prozent sind es Elektrogeräte, die die Leute vorbeibringen. Es gibt aber auch Exoten, beispielsweise Hutformer“, sagt Zavelberg. Kaffeemaschinen gehören wohl zu den anfälligsten Geräten im Haushalt. „Auf alle Fälle kommt das am häufigsten vor“, weiß Schmitt. Der gelernte Elektriker hat sich bereits auf ein paar bekannte Marken spezialisiert. „Es ist immer dasselbe Teil, das kaputtgeht“, sagt er. Der 69-Jährige vermutet so etwas wie geplante Obsoleszenz vonseiten der Hersteller, was so viel bedeutet, wie die absichtliche Zerstörung nach einer gewissen Zeit. Aber das lässt sich natürlich nicht beweisen.

Für die Reparatur des Dörrautomaten fehlt Schmitt noch Lötzinn. Sein Kollege Hans Peter Berressem kann aushelfen. „Werkzeug und Material bringen wir auch von zu Hause mit. Als Heimwerker weiß man am besten, was gebraucht wird“, sagt er.

Die Stehlampe von Rudolf Stolz ist schon zum zweiten Mal im Repair-Café. Der Schalter funktioniert zwar, aber nur, wenn er zweimal hintereinander betätigt wird. „Das ist zwar nicht schlimm, aber stört ein bisschen“, sagt er. Einer der Ehrenamtler hatte ihm versprochen, den Fehler zu beheben. Da der an diesem Samstag keinen Dienst hat, nimmt Stolz die Lampe wieder mit. Er will im nächsten Monat wiederkommen.

Als schwieriger Fall stellt sich die alte Singer von Elfriede Gelhausen heraus. Waltraud Barz-Kaufmann hat die Nähmaschine schon ganz auseinandergenommen, gereinigt und wieder zusammengesetzt. „Meist liegt es daran, dass die Teile verstaubt sind“, sagt sie. Aber diesmal greift die Theorie nicht. Das leise Summern der Maschine klingt gut, aber leider klappt das Transportieren des Stoffs immer nicht nicht. Barz-Kaufmann empfiehlt einen Experten aus der Eifel, den sie vom Stoffmarkt kennt. Da hat sich der Besuch für Elfriede Gelhausen doch noch gelohnt. Auch ein Tipp kann hilfreich sein. Neben der Reparatur von kaputten Geräten, hilft man im Repair-Café auch mit Ausbesserungs- und Flickarbeiten weiter. „Eigentlich sollen wir ja Hilfe zur Selbsthilfe geben“, sagt Barz-Kaufmann. Aber ältere Leute kommen mit Nadel und Faden oft nicht mehr so gut klar.

Während die Reparateure alle beschäftigt sind, sitzen Dorothee Jobelius und Brigitte Buschmann mit weiteren wartenden Kunden am Tisch und unterhalten sich. Dabei gibt es Kaffee und Kuchen. Im Gespräch merken die vier merken gar nicht, dass sie schon dran sind. Nachdem Elfriede Gelhausen ihre Singer eingepackt hat, um den Experten um Rat zu fragen, ist der Platz am Tisch von Waltraud Barz-Kaufmann frei geworden. Die nächste Nähmaschine soll mit Hilfe von Ehrenamtlern in Gang gesetzt werden. Diesmal mit Erfolg.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz
Cochem Zell
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