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Rekordverdächtig früh: Beginnt Weinlese diesmal schon im Sommer?

Volker Schmidt

Die Weinlese findet im Herbst statt – normalerweise. Dieses Jahr verläuft aber nicht normal. Und so könnte es passieren, dass einige frühe Sorten bereits Ende August gelesen werden. „Das ist eines der frühesten Jahre, die es je gegeben hat“, berichtet Gerd Knebel, der Geschäftsführer der Weinbauverbände Mittelrhein und Mosel. Doch was bedeutet dies? Die RZ hat sich mit dem Experten unterhalten.

Überall an der Mosel gibt es schon pralle Trauben zu sehen. Verglichen mit durchschnittlichen Jahren sind die Trauben ihrer Zeit in diesem Jahr weit voraus. Dadurch könnte sich auch die Lese nach vorne schieben. Foto: Sascha Ditscher
Überall an der Mosel gibt es schon pralle Trauben zu sehen. Verglichen mit durchschnittlichen Jahren sind die Trauben ihrer Zeit in diesem Jahr weit voraus. Dadurch könnte sich auch die Lese nach vorne schieben.
Foto: Sascha Ditscher

1 Wie ist die aktuelle Lage? „Wir liegen fast drei Wochen vor einem durchschnittlichen Jahr“, sagt Gerd Knebel. Und das sowohl am Mittelrhein als auch an der Terrassenmosel. „Die Rieslingtraube ist schon geschlossen“, sagt der Experte, „mit dem Pflanzenschutz kommt man an das Stielgerüst schon nicht mehr ran.“ Zum Teil haben die Winzer jetzt schon Arbeiten erledigt, die normalerweise erst Mitte Juli anstehen. Für die Winzer besonders erfreulich: „Im Moment sind die Trauben sehr gesund“, so Knebel. Schädlinge konnte man bislang weitgehend erfolgreich fernhalten. Die Zeichen für eine ertragreiche Ernte stehen also nicht schlecht. Eigentlich.

2 Was sind die Gründe für die rasche Vegetation? Grund für die rasche Vegetation ist das Wetter, das den Winzern bislang in die Karten gespielt hat. Durch das warme Frühjahr verschob sich die Blüte von Mitte Juni auf Ende Mai. „Schon da waren wir also zwei Wochen voraus“, sagt Knebel. Von den starken Regenfällen, die Ende des Frühjahrs zum Teil niedergingen, profitieren die Pflanzen in einigen Teilen der Region noch immer, da das Wasser tief in den Untergrund eindrang. Eine schneller voranschreitende Vegetation ist aber für Knebel kein Ausnahmefall, der so in den kommenden Jahren nicht mehr zu erwarten ist. „Die Winzer müssen flexibler werden“, sagt der Experte, der diesen Effekt auch der Klimaerwärmung zuschreibt.

3 Welche Folgen hat die verfrühte Vegetation? Grundsätzlich ist es erst mal nicht problematisch, dass die Pflanze in ihrer Entwicklung schon so weit fortgeschritten ist. Je früher man mit der Lese beginnen kann, desto größer sind die Chancen, dass man die Ernte in einer eher trockenen Phase einholen kann, erklärt Knebel. Allerdings: Ist es nicht trocken, könnte sich die Wärme negativ auswirken und Fäulnis begünstigen. Für endgültige Prognosen ist es aber jetzt noch zu früh. „Alles hängt von der Witterung ab“, sagt Knebel. Der Experte glaubt auch an eine frühere Lese. Unter Umständen könnten frühe Sorten wie Müller-Thurgau, die im Normalfall erst um den 20. September erntereif sind, bereits Ende August/Anfang September geerntet werden.

4 Welche Gefahren drohen? „Die Trockenheit könnte zur Gefahr werden. Alles andere sieht gut aus“, sagt Gerd Knebel. Gefährdet sind demnach vor allem die Gebiete, in denen es vorher nicht so viel geregnet hat – etwa am Mittelrhein zwischen Koblenz und Boppard oder auch an der Terrassenmosel. Etwas Regen würde der Region also nicht schaden. Zu viel würde dagegen die Gefahr von Krankheiten erhöhen. Etwas Sorgen bereiten den Winzern Holz zersetzende Pilzsorten. Deren Ausbreitung scheint in diesem Jahr wegen der anhaltenden Trockenheit etwas stärker zu sein als sonst, befürchtet Gerd Knebel.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt
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