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Ediger-Eller

Projekt für drei Generationen: Fässer binden wie zu alten Küferzeiten

Philipp Wirtz

Ein Weinfass aus Eichenholz, handgefertigt wie vor 70 Jahren – inzwischen eine Rarität. Familie Kranz aus Ediger-Eller hat der alten Handwerkskunst in einem Familienprojekt jetzt wieder neues Leben eingehaucht und unter Anleitung des Großvaters ein eigenes Weinfass hergestellt.

Der Großvater liefert die Anweisungen, die Enkelkinder und Sohn Marc Kranz packen mit an – so kann ein Holzfass getreu alter Handwerkskunst entstehen. Küfer Andreas Kranz hat in seinem Leben Hunderte Fässer gebunden. Foto: Philipp Wirtz
Der Großvater liefert die Anweisungen, die Enkelkinder und Sohn Marc Kranz packen mit an – so kann ein Holzfass getreu alter Handwerkskunst entstehen. Küfer Andreas Kranz hat in seinem Leben Hunderte Fässer gebunden.
Foto: Philipp Wirtz

Den Anstoß dazu haben die Kinder gegeben, die unbedingt einmal gemeinsam mit ihrem Opa ein Weinfass haben bauen wollen, erklärt ihr Vater Marc Kranz. Andreas Kranz, der Großvater, war früher hauptberuflich Küfer und hat in seinem Leben schon Hunderte solcher Fässer gebunden.

Inzwischen hat die Sehkraft des 83-Jährigen jedoch so stark nachgelassen, dass er nicht mehr alle Arbeitsschritte eigenhändig ausführen kann. Dafür steht er seinem Sohn sowie seinen beiden Enkeln Christopher (13) und Ben (10) mit seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung zur Seite. „Wir sind jetzt seine Augen und Ohren. Mein Vater erklärt uns die einzelnen Arbeitsabläufe, ,und wir versuchen, sie Schritt für Schritt genau so umzusetzen, wie er es erklärt“, beschreibt Marc Kranz die Vorgehensweise. Die einzelnen Arbeitsschritte haben sie in kleinen Videosequenzen festgehalten. „Alles an dem Fass ist echte Handarbeit. Von den Brettern bis hin zu den Ringen, die das Fass zusammenhalten, stellen wir alles selbst her“, sagt Kranz erfreut.

Ihr Fass soll einmal ein Fassungsvermögen von 100 Litern haben. Dazu benötigt die Familie insgesamt 21 Bretter aus Eichenholz, die Dauben. Zunächst muss das Holz gelagert werden, damit die Feuchtigkeit entweichen kann, sonst könne es passieren, dass das Fass später undicht werde, wie Kranz betont. Sechs Jahre haben die Bretter in der Werkstatt des Großvaters geruht, bis sie mit Kreissäge und Hobel passgenau in Form gebracht wurden.

„Mir haben die Holzarbeiten mit dem Anzeichnen am meisten Spaß gemacht“, betont Ben und strahlt. Auch sein Bruder Christoph bekräftigt, dass das Arbeiten mit der Hobelmaschine aus den 1950er Jahren ihm am meisten Freude bereitet habe. „Ganz am Anfang habe ich noch gelernt, die Dauben von Hand zu hobeln, das war eine echte Knochenarbeit“, erinnert sich Großvater Andreas. Ein ganz entscheidender Schritt während des viertägigen Entstehungsprozesses ist das sogenannte Wärmen. Dazu hat die Familie am Moselufer ein kleines Feuer gemacht, über dem die Dauben immer wieder erhitzt werden, damit sie so leichter in Form gebracht werden können. Um zu verhindern, dass das Fass dabei abbrennt und das Holz flexibel bleibt, muss das Fassinnere immer wieder mit Wasser benetzt werden. Sobald das Holz warm genug ist, kann es mit dem Fasszug wieder ein Stück weiter in Form gebracht werden. „Maschinell geht das heute natürlich viel schneller. Die Fässer werden in Dampfkammern mit Hydraulikpressen innerhalb von 30 Minuten in Form gebracht. Hier braucht man schon Geduld“, erklärt Kranz.

Und so bleibt während des aufwendigen Herstellungsprozesses auch noch die Zeit, das gemeinsame Zusammensein bei einem Glas Moselwein zu genießen.

Von unserem Mitarbeiter Philipp Wirtz

Cochem Zell
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