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Cochem

Miegel: Das Ende der Wohlstandsexplosion

300 Gäste beim Empfang des Wirtschaftsforums Cochem-Zell, das gab's noch nie! Unternehmer, Kommunalpolitiker, Handwerker und Bankchefs ließen sich inspirieren, denn der Gastredner traf mit seinem Thema den Nerv der Zeit: Der Soziologe Meinhard Miegel prognostiziert ein Ende des Wirtschaftswachstums. Vielleicht haben die Unternehmer im Kreis auch dieses diffuse Gefühl, dass sich Grundlegendes ändern wird. Aber was kommt dann? Wie geht's weiter?

Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel mit Vertretern des Wirtschaftsforums Cochem-Zell (von links): Arne Houben, Madeleine Durand-Noll und Eberhard Noll vom IHK-Büro Cochem (rechts). 
Foto: Kevin Rühle
Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel mit Vertretern des Wirtschaftsforums Cochem-Zell (von links): Arne Houben, Madeleine Durand-Noll und Eberhard Noll vom IHK-Büro Cochem (rechts).
Foto: Kevin Rühle – Kevin Ruehle

Cochem – 300 Gäste beim Empfang des Wirtschaftsforums Cochem-Zell, das gab's noch nie! Unternehmer, Kommunalpolitiker, Handwerker und Bankchefs ließen sich inspirieren, denn der Gastredner traf mit seinem Thema den Nerv der Zeit: Der Soziologe Meinhard Miegel prognostiziert ein Ende des Wirtschaftswachstums. Vielleicht haben die Unternehmer im Kreis auch dieses diffuse Gefühl, dass sich Grundlegendes ändern wird. Aber was kommt dann? Wie geht's weiter?

Als Miegel zu reden beginnt, wird es ganz still im Cochemer Kapuzinerkloster. Zuvor hat Madeleine Durand-Noll vom Wirtschaftsforum appelliert, "an diesem Abend ein klein wenig innezuhalten."

Miegel spricht eindringlich, wählt die Worte wohl. "Jedes Glücksversprechen hat ein Verfallsdatum", sagt er und meint konkret: das Glücksversprechen, dass wirtschaftliches Wachstum und materielle Wohlstandsmehrung zu mehr Lebenszufriedenheit führen. Auch wenn manche Regierungserklärung Glauben machen wollte, Deutschland könne ohne Wachstum nicht überleben, Arbeitsplätze, Bildung und Sozialsysteme seien gefährdet, wird ein Umdenken stattfinden müssen. Und zwar grundlegend.

Wenn das Hirn als einzig verfügbarer Rohstoff bleibt

Neben der Schuldenproblematik der europäischen Staaten zeigen sich die Schattenseiten des Raubbaus, der mit der Industrialisierung eingesetzt hat. Rohstoffe sind nicht mehr ohne Weiteres verfügbar, die Preise für den Verbraucher werden sich enorm erhöhen. "Der einzige Rohstoff, den wir haben, sind unsere Hirne", sagt Miegel.

Seit den 70er-Jahren und der ersten Ölkrise wird nicht mehr vorhandenes Wachstum der Wirtschaft durch Staatsschulden angekurbelt. "Diese Strategie ist jetzt am Ende", erklärt der Wissenschaftler. "Ich konnte mir vor zwei, drei Jahren selbst nicht vorstellen, wie schnell das bröckelt."

Inzwischen versuche auch die Politik, dem Strudel von Wachstumsmehrung und Wohlstandsspirale zu entkommen. Ohnehin werde ein Drittel aller Güter nur produziert und konsumiert, "um den Nachbarn auszustechen." Neid als Wirtschaftsfaktor? Wie auch immer: Miegel verweist auf die erste Regierungserklärung der derzeitigen Koalition. Noch in diesem Jahrzehnt müsse eine Art des Wirtschaftens gefunden werden, die nicht die Grundlagen ihres eigenen Erfolges zerstöre, heißt es da.

Die Veränderungen werden schmerzhaft sein

Bedeutet das umgekehrt, dass die jetzige Wirtschaftsform zerstörerisch wirkt? Wie wirkt sich das auf die Definition unseres Wohlstands aus? Die Einschnitte werden "außerordentlich schmerzhaft" sein. Und: "Die Politik muss uns den Weg weisen, und wir müssen ihn mitgehen."

Von unserer Redakteurin Birgit Pielen

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