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    Landtagswahl: Direktkandidaten im RZ-Kreuzverhör

    Beleg für eine lebendige demokratische Kultur – das war die RZ-Podiumsdiskussion mit den fünf Cochem-Zeller Direktkandidaten für die Landtagswahl allemal. Leidenschaftlich, hitzig, doch die meiste Zeit über sachlich diskutierten Anke Beilstein (CDU), Thomas Knopp (Die Linke), Peter Minnebeck (Bündnis 90/Die Grünen), Heike Raab (SPD) und Miriam Wehner (FDP) am Dienstagabend miteinander sowie mit dem Publikum über Themen, die Menschen bewegen. Redakteurin Birgit Pielen führte vor fast 200 Zuhörern durch eine gut zwei Stunden währende Debatte. Auszüge, nach Themen sortiert.

    Die fünf Direktkandidaten stellten sich den Fragen der RZ-Redakteurin Birgit Pielen und des Publikums.
    Die fünf Direktkandidaten stellten sich den Fragen der RZ-Redakteurin Birgit Pielen und des Publikums.
    Foto: Andreas Walz

    Cochem - Beleg für eine lebendige demokratische Kultur – das war die RZ-Podiumsdiskussion mit den fünf Cochem-Zeller Direktkandidaten für die Landtagswahl allemal. Leidenschaftlich, hitzig, doch die meiste Zeit über sachlich diskutierten Anke Beilstein (CDU), Thomas Knopp (Die Linke), Peter Minnebeck (Bündnis 90/Die Grünen), Heike Raab (SPD) und Miriam Wehner (FDP) am Dienstagabend miteinander sowie mit dem Publikum über Themen, die Menschen bewegen. Redakteurin Birgit Pielen führte vor fast 200 Zuhörern durch eine gut zwei Stunden währende Debatte. Auszüge, nach Themen sortiert.

    (Kern-)Energiefragen: Vor dem Hintergrund der jüngsten Reaktorkatastrophe in Japan geht es gleich zu Beginn der Diskussion mächtig zur Sache. Der Grüne Minnebeck ärgert sich darüber, „dass es noch immer noch nicht Konsens geworden ist, dass wir heraus müssen aus diesem Teufelszeug“. Protestrufe im Publikum löst Christdemokratin Anke Beilstein mit einer ihrer Äußerungen zum Unglück in Fukushima aus. Das Geschehen dort ist für sie „eine Situation, mit der niemand rechnen konnte“. Sie vergleicht es von der Unvorhersehbarkeit her „mit dem 11. September 2001“, also den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York. Beide Äußerungen tragen der Christdemokratin viel Unmut ein – nicht nur vonseiten der Zuhörer im Saal. Empört kontert Heike Raab (SPD): „Wir haben immer gewusst, dass Kernkraftwerke gefährlich sind und dass es ein Restrisiko gibt.“ Selbst Miriam Wehner (FDP) fährt an dieser Stelle einen klar anderen Kurs als viele andere Liberale: „Ich bin selbst keine Befürworterin der Atomkraft.“ Für den „Eiertanz“ um längere Laufzeiten für die Kraftwerke, den CDU und FDP in Berlin derzeit aufführen, hat sie kein Verständnis. Was die übrigen Disputanten zum Thema beitragen, ist größtenteils erwartbar. Peter Minnebeck (Bündnis 90/Die Grünen) und Thomas Knopp (Die Linke) wollen so schnell wie möglich raus aus der Atomkraft. Knopp unterstreicht dabei, dass es für den schon jetzt vorhandenen Atommüll auf der ganzen Erde „absolut kein sicheres Endlager“ gibt. Sorgen des Publikums, die Nutzung erneuerbarer Energien lasse den Strompreis langfristig ins Unermessliche steigen, begegnet Minnebeck sachlich: Tendenziell werde der Preis auch dann steigen, wenn man die Atomkraft länger nutze. Gründe seien die nötige Nachrüstung der Reaktoren und längst überfällige Investitionen in den Ausbau des Stormnetzes. Beilstein verteidigt die Kernenergie dennoch als die „Brückentechnologie“ hin zu den erneuerbaren Energien.

    Großprojekte in der Region/Bürgerbeteiligung: Auf den bei Zell geplanten Ferienpark „Marina Weingarten“ angesprochen, stellt sich für Beilstein die Frage, wie viel Kulturlandschaft man für solche touristischen Großprojekte opfern darf. Sie sagt: „Wir müssen von dieser Kulturlandschaft auch angemessen leben können.“ Ferienparks wie die Marina oder das Golfresort Ediger-Eller bescherten der Region Arbeitsplätze und zusätzliche Touristen. Und „das auch im Winter“, wie Genossin Raab in seltener Eintracht mit ihrer CDU-Rivalin ergänzt. Im Übrigen verweisen die beiden wie auch Wehner darauf, dass das Marina-Projekt auf demokratisch gefällten Entscheidungen der Kommunen basiere. Daran seien die Bürger beteiligt worden und würden es auch künftig. Knopp und Minnebeck dagegen fürchten eine touristische Gesamtentwicklung in Richtung Massentourismus. Knopp: „Ich finde, dass wir etwas wie das Golfresort nicht brauchen, weil Cochem-Zell alles hat, was man für Tourismus braucht.“

    Bildung/Schulen: Auch dieses Thema bewerten sowohl die Kandidaten als auch das Publikum sehr unterschiedlich. Für die einen ist „die Einheitsschule“ die Bildungsbremse schlechthin, für die anderen gehört das dreigliedrige Schulsystem in die Mottenkiste.

    Wehner findet: „Das Schulsystem hat lange gut funktioniert, doch jetzt ist es nach vielen unübersichtlichen Reformen ein einziger Irrgarten.“ Die Studentin kritisiert, alle Kinder würden trotz unterschiedlicher Talente „über einen Kamm geschoren“. Sie möchte das Gymnasium verfassungsmäßig verankert sehen, will zurück zu „soliden Haupt- und Realschulen“.
    Auch Beilstein plädiert fürs dreigliedrige System. Sie verweist darauf, dass nicht alle jungen Leute studieren müssen: „Für mich fängt der Mensch nicht beim Abitur an.“ Vielmehr müsse die berufsorientierte Schulbildung mit Praxistagen gestärkt werden. Mehr Vielfalt in der Schule lautet ihr Credo: „Wir möchten nicht allen Schülern das Gleiche anbieten, sondern jedem einzelnen das für ihn Richtige.“

    Minnebeck kontert: „Die Integrierte Gesamtschule (IGS) setzt doch genau diese Vielfalt um, die von der CDU gefordert wird.“ Schüler mit unterschiedlichen Talenten würden unter einem Dach unterrichtet, aber je nach Leistungsstand und Talent in Kursen und kleinen Gruppen individuell gefördert. Unterschiedliche Abschlüsse seien möglich. Er kritisiert, dass in Deutschland immer noch die Herkunft die Bildungschancen bestimmt: „Das Gymnasium allein bietet keine Vielfalt, sondern fördert soziale Auslese.“
    Für Raab hat die Landesregierung in der Bildungspolitik „gehalten, was sie versprochen“ hat: Ganztagsschulen seien eingerichtet worden, die die Talente der Kinder auf vielfältige Weise fördern. Außerdem wolle niemand die Gymnasien abschaffen. Es seien vielmehr zehn neue hinzugekommen. Zum Aus der Hauptschulen erklärt Raab: „Da ist doch niemand mehr hingegangen.“ Schließlich verweist sie auf den gebührenfreien Kindergarten in Rheinland-Pfalz.
    Für die gemeinsames Lernen bis zum zehnten Schuljahr macht sich auch Knopp stark und fordert kleinere Klassen. Gegen die Beibehaltung die Dreigliedrigkeit spricht für ihn auch, dass in Ländern mit diesem Schulsystem mehr Kinder mit Migrationshintergrund eine Förderschule besuchen als in Ländern mit Gesamtschulen. Brigitte Meier/David Ditzer

    Tops und Flops in der Debatte: Eine (subjektive) EinzelkritikDas sagen die Zuhörer zur Diskussion
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