40.000
Aus unserem Archiv
Cochem-Zell

Kunden greifen automatisch zur Plastiktüte: So gehen Händler im Kreis mit Müllvermeidung um

Annika Könntgen

Fünf Millionen Tonnen Plastik landen pro Jahr allein in Deutschland im Müll, laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Dass das ein großes Problem für die Umwelt ist, weiß jeder. Gerade im Lebensmittelgeschäft, beispielsweise in der Obst- und Gemüseabteilung, werden zahllose Plastiktüten verbraucht. Doch was wird im Kreis Cochem-Zell für Nachhaltigkeit und Reduzierung von Plastikmüll getan? Wie bewusst gehen Märkte und Kunden mit dem Thema um?

Bereits seit Ende März bietet der Globus-Markt in Zell alternativ zu Kunsstofftüten Mehrwegbeutel aus Polyester in der Obst- und Gemüseabteilung an. Auch in anderen Lebensmittelgeschäften wird viel dafür getan, den Plastikmüll zu reduzieren.
Bereits seit Ende März bietet der Globus-Markt in Zell alternativ zu Kunsstofftüten Mehrwegbeutel aus Polyester in der Obst- und Gemüseabteilung an. Auch in anderen Lebensmittelgeschäften wird viel dafür getan, den Plastikmüll zu reduzieren.
Foto: Globus

Globus, Zell: Bereits im März führte der Globus-Markt Zell wiederverwendbare Polyester-Beutel in seiner Obst- und Gemüseabteilung ein. Ziel war es, eine umweltfreundliche Alternative zu Einweg-Kunststofftüten zu schaffen. „Loses und empfindliches Obst und Gemüse soll natürlich sauber und sicher nach Hause transportiert werden“, sagt Antonio Reuß, Geschäftsleiter des Globus in Zell. Die Beutel haben ein Fassungsvermögen von fünf Litern und können bei Bedarf gewaschen werden. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, teilt der Teamleiter der Obst- und Gemüseabteilung mit.

Rewe XL Hundertmark, Cochem: Auch Rewe testet in einigen Filialen Mehrwegbeutel in der Obst- und Gemüseabteilung. In Cochem gibt es dieses Angebot jedoch nicht. Immerhin: Es gibt neben den typischen Knotenbeuteln auch Papiertüten und fast alles kann man auch lose kaufen. Trotzdem ist Rewe um Nachhaltigkeit und die Reduzierung von Plastikmüll bemüht und testet viele verschiedene Initiativen. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „Natural Branding“. Der Hintergrund: Bioware muss von anderer Ware unterschieden werden können. Um hierfür zusätzliche Umverpackungen zu vermeiden, wird beispielsweise an Avocados getestet, die nötigen Informationen mithilfe eines Lichtstrahls oberflächlich in die Schale der Frucht einzugravieren. Der Haltbarkeit und dem Geschmack schadet diese Methode nicht. Diese natürlich markierten Avocados kann man auch im Rewe-Markt in Cochem kaufen.

Bioladen „Wilder Wein“, Ernst: Im Gegensatz zu vielen Supermärkten ist das Obst und Gemüse hier nicht in Plastik verpackt, sondern fast ausschließlich lose. Darauf legt Geschäftsführerin Maria Thelen-Marx auch viel Wert. Sie bemüht sich, so wenig Plastikmüll in ihrem Geschäft zu produzieren wie möglich. Zwar gibt es noch Plastiktüten, um loses Obst und Gemüse einzupacken, „Das sind aber nur noch Restbestände. Wenn die weg sind, gibt es keine mehr“, erklärt Thelen-Marx. Sie setzt darauf, dass ihre Kunden selber Taschen und Gefäße für den Transport ihrer Einkäufe mitbringen. Sollte jemand doch nichts dabei haben, steht aber auch immer etwas bereit, zum Beispiel Pergamenttüten oder die Kartons, in denen die Ware für den Bioladen geliefert wurde. Trotzdem lässt sich auch hier Plastikmüll nicht ganz vermeiden. Es fällt auf, dass gerade Körner, Kerne und Samen kaum in Papier verpackt sind. „Das liegt daran, dass nur wenige Firmen das anbieten. Kunden kaufen Produkte eher, wenn sie sie sehen können. Papierverpackungen sind auch anfälliger für Schädlinge, deswegen werden sie nur selten verwendet“, erklärt Maria Thelen-Marx.

Wochenmarkt Cochem, Gemüsestand „Waldhof“, Alflen: In nur wenigen Minuten werden an dem Stand Dutzende Plastiktüten an die Kunden ausgegeben. Eine Kundin verlässt den Stand mit vier Plastiktüten und das, obwohl sie eine eigene Tasche dabei hat. Der Grund: Jedes Gemüse soll nämlich einen eigenen Beutel bekommen. Wenn es nach Chef Hans-Werner Hillesheim ginge, sähe das ganz anders aus. Er ärgert sich selber, dass an seinem Stand so viel Verpackungsmüll anfällt. „Teilweise sind Dinge doppelt verpackt. Das verstehe ich nicht“, erklärt Hillesheim. „Diese Produkte kommen aber oft aus dem Großhandel, da gibt es kaum Auswahlmöglichkeit.“ Sofern vorhanden wird regionale Bioware deswegen bevorzugt. Viele Kunden bringen bereits eigene Taschen oder Körbe mit. Manche sogar die Plastiktüten vom vorigen Einkauf auf dem Markt. Soweit möglich werden auch Papier- statt Plastiktüten gereicht. „Zum Beispiel bei Salat geht das aber nicht, der würde zusammengedrückt werden.“ Auch feuchte Lebensmittel sind problematisch. Die würden sonst die Tüten aufweichen.

Das sagen Kunden: Sarah Schäfer (27) hat schon seit mehr als zwei Jahren keine Plastiktüten mehr im Haus. Sie versucht bewusst mit dem Thema Nachhaltigkeit umzugehen und benutzt deshalb für ihr Obst und Gemüse Papiertüten. In eine Tüte kommt alles rein, was sie braucht. Die Tüten werden auch nicht nur für den Transport benutzt: Daheim werden sie für den Biomüll verwendet. Das spart den zusätzlichen Kauf von Biomülltüten. Nicht jeder Kunde ist beim Einkauf so bewusst. Dass aber bereits kleine Hinweise schon viel bewirken, das zeigt eine andere Kundin. Sie greift wie selbstverständlich zu abgepackten Äpfeln und Birnen, obwohl die Möglichkeit besteht, das Obst auch lose zu kaufen. Darauf aufmerksam gemacht antwortet sie: „Das ist mir gar nicht aufgefallen. Das ist man so gewohnt und dann achtet man nicht mehr darauf.“ Sie legt die verpackten Äpfel wieder weg – und holt sich stattdessen vier lose.

Von unserer Mitarbeiterin Annika Könntgen

25 Minuten in Gebrauch

In Deutschland werden pro Jahr circa 3,6 Milliarden Plastiktüten verbraucht, so der BUND. Die durchschnittliche Gebrauchsdauer einer Plastiktüte beträgt aber gerade einmal 25 Minuten.

Für die Umwelt ist das umso belastender: Die Tüten können nicht biologisch abgebaut werden und setzen bei der Verbrennung klimaschädliche Stoffe frei.

Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Dienstag

10°C - 25°C
Mittwoch

11°C - 23°C
Donnerstag

10°C - 21°C
Freitag

9°C - 19°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach