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    Kreis Cochem-Zell

    Kriminalität: Einbrecher bringen Angst ins Haus

    Die Kripo Mayen, die auch für die Verbandsgemeinden Cochem, Kaisersesch und Ulmen zuständig ist, hat 2015 sinkende Einbruchszahlen verkündet. Ein Jahr später ist die Freude aber getrübt. Die Beamten sprechen nun von einem "signifikanten Anstieg".

    Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

    Im Januar 2015 hat die Kripo Mayen, die auch für die Verbandsgemeinden Cochem, Kaisersesch und Ulmen zuständig ist, sinkende Zahlen der Wohnungseinbrüche im Vergleich zu 2013 bekannt gegeben (die RZ berichtete). Doch ein Jahr später ist die Freude getrübt, denn Reinhard Börsch, Leiter der Polizeiinspektion Cochem, beklagt jetzt "einen signifikanten Anstieg" bei diesem Delikt. Genaue Zahlen für den Kreis Cochem-Zell möchte die PI Cochem nicht nennen. Bei der PI Zell, zuständig für die Verbandsgemeinde Zell, wurden 2014 insgesamt 25 Wohnungseinbrüche gezählt.

    Nüchterne Zahlen sagen nichts darüber aus, welches seelische Leid sich hinter der Statistik verbirgt. Unsere Zeitung sprach mit einigen Opfern der jüngsten Wohnungseinbrüche im Kreis und mit einer Psychologin und erfuhr, dass diese sogenannte Alltagskriminalität das Leben der Betroffenen empfindlich erschüttern kann. Es ist nichts mehr, wie es einmal war, berichtet eine Frau aus der Eifel.

    Eigentlich ist die 58-Jährige eine resolute Person, die Probleme unerschrocken anpackt. Sie ist also alles andere als ängstlich. Doch nachdem ausgerechnet an Heiligabend, während die Familie die Christmette besucht, die Täter durch das gewaltsam ausgehebelte Küchenfenster in ihr Haus eingedrungen sind, schließt sie sich in ihrem Schlafzimmer ein, wenn ihr Mann nicht zu Hause ist. Geklaut haben die Einbrecher Geld und Schmuck: "Das ist nicht das Schlimmste. Viel mehr entsetzt mich, dass die ganze Wohnung aussah wie ein Schlachtfeld. Alle Schränke waren durchwühlt, der Inhalt lag überall auf dem Boden herum." Die Dreistigkeit, mit der fremde Menschen ihre Kleidung und persönliche Wäsche angefasst haben, jagt ihr immer noch Ekelschauer über den Rücken: "Das ist kaum zu ertragen. Vor allem die Wäsche kann ich nicht mehr tragen, ich habe sie weggeworfen."

    Unsicherheit bleibt

    Die ganze Wohnung erscheint ihr ständig verschmutzt zu sein, "obwohl ich dauernd geputzt und gewaschen habe. Überall hatte ich Desinfektionslappen rumliegen". In den ersten Wochen nach dem Einbruch schläft sie sehr schlecht, und mehrmals am Tag kontrolliert sie Türen und Fenster im ganzen Haus. Inzwischen geht es ihr besser: "Ich habe alles doppelt und dreifach gesichert und verrammelt, hier kommt keiner mehr rein." Was geblieben ist, ist ein latentes Misstrauen gegenüber fremden Menschen in ihrer Straße und natürlich die unangenehme Erinnerung an ein verdorbenes Weihnachtsfest.

    Eine Großmutter (auch sie möchte zum Schutz ihrer Familie anonym bleiben) ist selbst kein Einbruchsopfer, aber sie leidet mit ihren Angehörigen, die Opfer einer Einbruchserie in einem Moselort sind. Vor allem die Kinder der Familie hat die Tat sehr verunsichert. Während die Bewohner des Hauses auf einer Geburtstagsfeier sind, durchsuchen die Täter nicht nur Bäder und Elternschlafzimmer gezielt nach Wertsachen, sondern machen auch vor den Kinderzimmern nicht halt. Die Großmutter klagt: "Mein Enkel hatte ein grünes Sparschwein, das zertrümmert auf dem Boden lag. Die Münzen waren noch da, die Scheine haben sie geklaut." Der beraubte Junge habe aber nicht um das Geld geweint, sondern um das Sparschwein: "Er hatte sich extra die Farbe Grün ausgesucht, weil diese Hoffnung bedeutet. Ich glaube, er fühlt sich, als hätte man ihm die Hoffnung geraubt. Das ist doch schrecklich!"

    Sehr traurig sind die Kinder auch, weil die Einbrecher ihre Taufkettchen an sich genommen haben. Die Oma erklärt: "Diese Kettchen haben keinen besonders großen Wert, aber für die Kinder bedeuten sie viel. Es sind sehr persönliche Geschenke ihrer Paten, und sie sind mit ihren Namen versehen." Während ein Mädchen aus der Familie seit dem Einbruch sehr ängstlich ist, drückt ein Junge seine seelische Verletzung mit forscher Abwehr aus, erklärt die Großmutter: "Etwa, wenn es ums Spenden geht, sagt er: ,Uns haben sie schon ausgeraubt, wir brauchen nichts zu geben.‘ Solche Sprüche passen gar nicht zu ihm."

    Die besorgte Frau wünscht sich, dass die Bürger in kleinen Orten Augen und Ohren offen halten und ein wenig aufeinander aufpassen: "Wenn man weiß, dass die Nachbarn nicht zu Hause sind, kann man doch das Haus ein wenig beobachten."

    Beratung und Prävention der Polizei

    • Polizeipräsidium Koblenz Zentrale Prävention/Sachbereich 15 Moselring 10 - 12 56068 Koblenz Rheinland-Pfalz, Telefon: 0261/103-0 (Zentrale) Telefax: (02 61) 1 03-28 70
    • Polizeipräsidium Trier Zentrale Prävention/Sachbereich 15 Salvianstraße 9 54290 Trier Rheinland-Pfalz
      Telefon: 0651/9779-0 (Zentrale) Telefax: (06 51) 9779-1259

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