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    Darscheid/Cochem-Zell

    Kreisbauernversammlung: Landwirte haben "die Schnauze voll"

    Themen, die für ihre Existenz wichtig sind, gibt es für die Bauern genug. Zum 1. April vergangenen Jahres lief etwa die Garantiemengenregelung aus. Die Milchmengensteuerung - oder auch Milchkontigentierung genannt - ist damit Geschichte, alle Schranken fallen, jeder produziert nun soviel er will.

    Die Bauern prognostizieren ein schwieriges Jahr 2016.  Fotos: Helmut Gassen
    Die Bauern prognostizieren ein schwieriges Jahr 2016. Fotos: Helmut Gassen
    Foto: Helmut Gassen

    Von unserem Mitarbeiter Helmut Gassen

    Dass dies den Preis der Milch in den Keller treibt, wissen alle, aber jeder versucht, die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bekommen - so der Tenor der Kreisbauernversammlung im Eifelort Darscheid, die die Kreisverbände Cochem-Zell und Daun des Bauern- und Winzerverbands Rheinland Nassau traditionell zu Beginn des Jahres veranstalten. Überschüsse sind so programmiert, die Preise für Milch sind stark gefallen, aktuell kostet der Liter rund 0,26 Cent. Keine guten Aussichten also für die Bauern mit ihren explodierenden Milchmengen. Ähnlich sieht es bei der Viehhaltung aus, auch dort sind die Preise im freien Fall. "Ich bekomme zurzeit 1,25 Euro pro Kilo Mastschwein, das ist beschämend", sagt Schweinehalter Marco Weber, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Daun. Die Kosten für die Bauern, egal, ob für Tiernahrung oder neue Maschinen, steigen weiter. Die Folge: Immer mehr Bauern geben auf. 2016 scheint kein gutes Jahr für die Landwirtschaft zu werden. "Wir wissen alle, dass dieses Jahr nicht einfach wird", sagt Marco Weber.

    Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, so gibt es bei der Kreisbauernversammlung mit rund 120 Besuchern viele Durchhalteparolen zu hören. "Wenn wir alle zusammenhalten und den Hintern zusammenkneifen, dann schaffen wir das Jahr 2016 - und es wird auch wieder besser kommen", sagt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. Horper resigniert: "Wir können für euch kämpfen, aber an den Märkten können wir nichts machen."

    Kritik ans chlechter Tierhaltung zurückgewiesen

    Auch MdB Peter Bleser (CDU), parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, macht den Bauern wenig Mut. "Wir haben globale Märkte, wir treffen auf internationale Märkte, wir können uns nicht dagegen abschotten", sagt Bleser. Auch er bittet die Bauern, nicht aufzugeben, denn "es werden auch wieder bessere Zeiten kommen". Doch nicht nur niedrige Preise verärgern die Landwirte, auch die Bürokratie, immer neue Anforderungen und Vorschriften sowie eine neue Düngeverordnung stellt ihnen Aufgaben, denen sie nicht gewachsen sind. "Ich habe die Schnauze voll. Das alles überfordert die Landwirte. In einer solchen Zeit wie jetzt müsste man bürokratische Hemmnisse aussetzen. Wie sollen wir junge Leute noch motivieren, ihrem Beruf nachzugehen, wenn immer mehr behördliche Anforderungen kommen", so Marco Weber wütend. Und noch ein Punkt ärgerte die Bauernfunktionäre: Gegen Diffamierungen bezüglich schlechter Tierhaltung bei den Landwirten verwahren sich Weber und auch Horper energisch. "Wir haben eine gesunde Landwirtschaft, den Tieren bei uns ging es noch nie so gut wie jetzt", sagte Weber. Peter Bleser ergänzte, dass "die Tierhaltung in Deutschland die freundlichste in der ganzen Welt ist".

    Der Lebensmittelchemiker und Sachbuchautor Udo Pollmer referierte unter dem Titel „Müssen wir alle ins Gras beißen“ über den Trend vegane Ernährung. „Vegan kann die Welt nicht retten“, sagte er. Gegen Werbeaktionen wie „Zu viel Wurst ist krebserregend“ oder „Klimasteuer auf Fleisch“ zog Pollmer ordentlich vom Leder. „Eine Studie, Wurst sei krebserregend, existiert überhaupt nicht. Was heute Basis vieler Behauptungen gegen Fleischkonsum ist, stimmt oft gar nicht “, so sein Fazit. Übrigens, am Ende der Kreisbauernversammlung gab es Bockwürstchen mit Brötchen für jeden.

    Cochem Zell
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