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Ellenz

Krach am Moselufer: Ellenzer machen mobil gegen Schiffslärm

David Ditzer

Vom nächtlichen Generatorenlärm vieler Frachtschiffe und dazugehörigen Dieselabgasen, die die Luft verpesten und die Gesundheit gefährden, haben viele Ellenzer die Nase voll. Rund 30, unter ihnen Dietmar Schausten, Ortsbürgermeister der Doppelgemeinde Ellenz-Poltersdorf, kamen jetzt zu einer Versammlung der Interessengemeinschaft (IG) Schiffsliegestelle Ellenz ins alte Rathaus. Dabei wurde deutlich: Krach und Gestank gehen auf keine Kuhhaut mehr, doch dem zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) fehlt die rechtliche Grundlagen, um wirksam Abhilfe schaffen zu können – zumindest noch. Das Problem an sich ist eines, das auch in anderen Moselorten Ärger verursacht, der dort auch von Personenschiffen ausgeht.

Eine Unterschriftenliste mit mehr als 100 Unterschriften werden die IG Schiffsliegestelle Ellenz und Ortschef Dietmar Schausten ans Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Koblenz weiterleiten. Sie haben genug von nächtlichem Generatorenlärm und Dieselgestank.
Eine Unterschriftenliste mit mehr als 100 Unterschriften werden die IG Schiffsliegestelle Ellenz und Ortschef Dietmar Schausten ans Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Koblenz weiterleiten. Sie haben genug von nächtlichem Generatorenlärm und Dieselgestank.
Foto: David Ditzer

Rund 500 Meter lang ist die Liegestelle in Ellenz. Von Ende November 2011 bis August 2012 für rund 4 Millionen Euro ausgebaut, bescherte sie dem Ort ein neues Uferantlitz samt Radweg. Nur hieß es bei der Einweihung auch: Fünf Stromtankstellen ersparen Schiffern das Benutzen ihrer Dieselaggregate, das Lärm verursacht. So weit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus, wie im Ellenzer Rathaus deutlich wird. Jörg Fuhrmann vom Gasthaus Könen sagt: „Wir sind heute hier wegen der enormen Lärmbelästigungen, die von den Schiffen ausgehen – vor allem in der Nacht, wenn die Aggregate brummen.“

Nachts in erster Linie deshalb, weil die Liegestelle Ellenz von vielen Schiffsführern als Platz zur Einhaltung vorgeschriebener Ruhezeiten genutzt wird. Doch zu wenige machen dann von der Option Gebrauch, für die Stromversorgung ihres Schiffes eine der fünf Stromtankstellen anzuzapfen. Das laute, tiefe Brummen raubt sowohl Anwohnern der Moselweinstraße als auch Feriengästen den Schlaf.

Spricht man Schiffsführer auf den Lärm an und bittet um Ruhe, hört man immer wieder die gleichen Ausreden, die die Ellenzer im Rathaus wiedergeben: „Ich habe keinen Schlüssel für die Stromtankstelle“ oder „Die Stromstärke reicht nicht aus“. In der Tat ist es für die Schiffsbesatzungen mit einem gewissen Aufwand verbunden, sich die Stromtankstellen im Wortsinne zu erschließen. „Sie brauchen nämlich zwei Schlüssel“, erläutert Jörg Fuhrmann, der den Abend zusammen mit Elisabeth Kranz moderiert. „Einen, um den Stromkasten aufzuschließen, und einen Schlüssel, um letztlich Zugang zu Strom zu erlangen.“ Diese Schlüssel müssen sie sich entweder von der Schleuse Bruttig-Fankel oder der Schleuse St. Aldegund mitbringen und sie bei der jeweils anderen wieder zurückgeben.

In einem Beschwerdeschreiben an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Koblenz kritisierte die IG Schiffsliegestelle Ellenz auch dieses umständliche Verfahren. Tobias Schmidt, stellvertretender Leiter des WSA, teilt in einem Antwortbrief vom 2. Juli mit, die Schlüsselausgabe „entspricht nicht mehr dem neuesten Stand der Technik. Hier wird die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes deutlich nacharbeiten müssen.“ Beim Bau der Liegestelle sei dieses Verfahren jedoch die einzige Möglichkeit gewesen, „allen Schiffsführern später die Möglichkeit des Stromanschluss zu geben“. Schmidt weiter: „Auch mit den Stromkosten von nur 5 Euro pro Nacht sollte ein Anreiz zur Nutzung geschaffen werden. Die Kosten für den tatsächlichen Stromverbrauch liegen deutlich drüber.“

Ein monetärer Anreiz also – zwingen können weder WSA noch die bei Beschwerden zuständige Wasserschutzpolizei die Binnenschiffer, die Stromtankstellen zu nutzen. Dazu fehlt bislang die nötige Grundlage in der Moselschifffahrtspolizeiverordnung (MoselSchPV). Allerdings hat die internationale Moselkommission in einer Plenarsitzung im Mai beschlossen, das Gebotszeichen B.12 (Gebot zur Nutzung von Landstromanschlüssen) auch an der Mosel einzuführen. Am Rhein existiert es schon.

Das Tafelzeichen, auf dem ein Stecker abgebildet ist, erlaubt es, die Nutzung von Landstromanschlüssen verpflichtend anzuordnen. Allein: Es kommt an der Mosel erst zum 1. Dezember 2019.

Bis dahin wäre den Ellenzern auch geholfen, wenn die Technik zur Nutzung der Stromtankstellen schon einmal vereinfacht würde. WSA-Chef Schmidt sichert im erwähnten Brief zu, man werde sich damit „vor Dezember 2019 noch mal intensiv beschäftigen“. Auf RZ-Nachfrage ließ sich diese Aussage zunächst einmal nicht weiter präzisieren, weil Schmidt derzeit im Urlaub ist.

Die IG Liegestelle Ellenz wird die Sache allerdings weiter mit Nachdruck verfolgen. Sie werden dem WSA eine Liste mit mehr als 100 Unterschriften zusenden – von Ellenzern, die sich vom Generatorenlärm belästigt fühlen. Diese wohnen an der Moselweinstraße, aber auch an Nebenstraßen. Das Landesumweltministerium (und Lokalpolitiker) hat die IG ebenfalls eingeschaltet. Außer dem Krach ist auch der Dieselgestank eine Last – und eine Gesundheitsgefahr. Je nach Leistung des Aggregats gehen zwischen sechs und elf Liter Diesel pro Stunde drauf, so ein IG-Mitglied. Unter Lärm und Abgasen leiden auch in anderen Moselorten Anwohner von Liegestellen für Personenschiffe. Zell oder Traben-Trarbach sind nur zwei Beispiele. Die Gründe für die Misere sind unterschiedlich. Was alle Anwohner einen dürfte: die Sehnsucht nach Nachtruhe.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Das Landesumweltministerium will nachhaken

In Paragraf 1.04 der Moselschifffahrtspolizeiverordnung heißt es nur, Schiffsführer müssten alles unternehmen, um „jede vermeidbare Beeinträchtigung der Umwelt zu verhindern“. Als Rechtsgrundlage um eine Nutzung von Landstromstellen anzuordnen reicht dies nach Auffassung des Wasserstraßen- und Schifffahrsamts (WSA) nicht. Jedes Schiff, das ein Attest nach Rheinschifffahrtsuntersuchungsordnung besitzt, darf bordeigene Stromaggregate nutzen.

Trotzdem will das Landesumweltministerium in Rücksprache mit WSA prüfen lassen, ob nicht schon vor Dezember 2019 eine Nutzung der Stromtankstellen in Ellenz angeordnet werden kann, teilte das Ministerium der IG mit. dad

Cochem Zell
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