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    Cochem

    Interview: Wenn die Privatsphäre verletzt wird

    Wer beim Heimkehren eine ausgehebelte Tür und durchwühlte Schubladen vorfindet, kann eine schwere seelische Erschütterung erleben. Welche Folgen das Eindringen in die Privatsphäre hat, hängt von der persönlichen Lebensgeschichte des Einbruchsopfers ab. Die RZ hat mit der Leiterin der Lebensberatung Cochem, Diplom-Psychologin Ingrid Richter, gesprochen.

    Diplom-Psychologin Ingrid Richter leitet die Lebensberatung Cochem.
    Diplom-Psychologin Ingrid Richter leitet die Lebensberatung Cochem.
    Foto: Brigitte Meier

    Warum kann ein Wohnungseinbruch, der nicht einmal großen materiellen Schaden angerichtet hat, die Opfer dennoch stark belasten?

    Unsere eigene Wohnung ist ein wichtiger Lebensmittelpunkt und Schutzraum, der uns das wichtige Gefühl von Sicherheit gibt. Wenn Einbrecher diesen äußeren Schutzraum verletzen, wird auch unsere innere Sicherheit infrage gestellt. Das gewaltsame Eindringen in die Privatsphäre ist wie eine Schocksituation, die Ängste und Chaos auslöst.

    Wie äußert sich dieser Zustand?

    Das ist unterschiedlich und hängt von der Persönlichkeit ab und auch davon, welche Erfahrungen ein Mensch in seinem Leben bereits gemacht hat. Manche haben körperliche Symptome wie Herzklopfen, Schweißausbrüche, Kopf- oder Magenschmerzen. Andere leiden unter Schlaflosigkeit oder Albträumen und haben ständig Angst, dass sich ein Einbruch wiederholt. Viele haben Angst, wenn sie allein in ihrer Wohnung sind, selbst wenn es unwahrscheinlich ist, dass wieder etwas passiert. Das Schockerlebnis muss verarbeitet werden.

    Manche Opfer berichten von Ekelgefühlen.

    Diese Menschen erleben das Eindringen in ihre Wohnung tatsächlich als Verschmutzung ihrer Privatsphäre. Sie ertragen es nicht, dass fremde Hände ihre Kleidung oder gar Wäsche angefasst haben, das ist ja etwas sehr Intimes. Auch der Anblick von Erinnerungsstücken, die achtlos auf den Boden geworfen wurden, etwa von persönlichen Geschenken oder zerfledderte Fotoalben, kann einen Menschen sehr erschüttern.

    Was können Opfer tun, um das Erlebte zu verarbeiten?

    Auch das hängt von der persönlichen Lebensgeschichte ab und davon, wie tief die Verunsicherung ist. Gut ist es, aktiv zu werden, etwa sich von der Polizei über technische Sicherheitssysteme beraten zu lassen und diese dann auch anzuwenden. Vielen Opfern hilft, wenn sie mit der Familie, Freunden und Nachbarn immer wieder über ihre Ängste reden können. Manche fühlen sich erst wieder sicher, wenn sie in eine andere Wohnung umziehen.

    Das allein hilft aber nicht immer?

    In einigen Fällen ist auch eine Therapie notwendig, zum Beispiel wenn sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hat. Das kann unter anderem passieren, wenn der Betroffene bereits früher schlimme Erfahrungen gemacht hat, die unverarbeitet in der Seele schlummern und nach einem Wohnungseinbruch wieder hochkommen.

    Kommen viele Einbruchsopfer zu Ihnen in die Lebensberatung?

    Es kommt immer wieder vor. Es kann auch passieren, dass sich im Laufe der Gespräche herausstellt, dass ein unverarbeiteter Wohnungseinbruch Teil eines Gesamtproblems ist.

    Was raten Sie verunsicherten Einbruchsopfern?

    Wie allen Menschen mit länger andauernden Problemen rate ich zum Mut, sich professionelle Hilfe zu holen. Es gibt überhaupt keinen Grund, sich zu schämen. Ängste nach einem Wohnungseinbruch sind eine ganz normale Reaktion auf eine unnormale Situation. Und wie ein Mensch auf schlimme Erlebnisse reagiert, bestimmen seine persönlichen Prägungen und Vorerfahrungen. Bei den einen genügen Gespräche, bei anderen bedarf es einer Traumatherapie. In diesen Fällen vermittelt die Lebensberatung die Betroffenen an kompetente Fachleute weiter.

    Die Fragen stellte Brigitte Meier

    Polizei bietet Hilfe an: Signifikanter Anstieg der Wohnungseinbrüche Kriminalität: Einbrecher bringen Angst ins Haus
    Cochem Zell
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