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Ernst

Infostand der Polizei in Ernst: Zu viele Fahrradhelm-Muffel unterwegs


Annika Könntgen

Erst vor einigen Tagen ist auf der B 49 zwischen Treis-Karden und Pommern eine Frau bei einem Fahrradunfall schwer verletzt worden – am Arm und auch am Kopf. Sie hatte leider keinen Fahrradhelm getragen. Denn eine Helmpflicht für Fahrradfahrer gibt es nicht. Immer wieder passieren Unfälle, wie der auf der B 49. Es ist einer von 15 Unfällen mit Beteiligung von Radfahrern, die es bereits in diesem Jahr im Dienstgebiet der Polizeiinspektionen Cochem und Zell gegeben hat. Im vergangenen Jahr ereigneten sich insgesamt 51 Verkehrsunfälle, in die Fahrradfahrer involviert waren. Dabei wurden 22 Personen schwer verletzt, 25 leicht. Eine Aussage darüber, ob die Beteiligten einen Helm trugen oder nicht, lässt sich nicht machen.

Holländische Touristen informieren sich bei Wolfgang Behrens, 2. von links, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Cochem-Zell, und Polizeioberkommissarin Bianca Schuhmacher (rechts). In den Niederlanden trägt fast niemand einen Fahrradhelm. Foto: Annika Könntgen
Holländische Touristen informieren sich bei Wolfgang Behrens, 2. von links, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Cochem-Zell, und Polizeioberkommissarin Bianca Schuhmacher (rechts). In den Niederlanden trägt fast niemand einen Fahrradhelm.
Foto: Annika Könntgen

Der Helm jedenfalls kann im Falle eines Unfalls aber den Kopf schützen, Verletzungen verhindern oder deren Ausmaß verringern. Trotzdem trägt eine erschreckende Anzahl an Radfahrern keinen Fahrradhelm. Die Polizei setzt auf Prävention: Polizeioberkommissarin Bianca Schuhmacher von der Polizeidienststelle Cochem und Wolfgang Behrens von der Kreisverkehrswacht hatten vorige Woche auf einem viel befahrenen Fahrradweg in Ernst einen Infostand aufgebaut. Das Motto: „Stopp! Radfahren nur mit Helm.“

Knöllchen gibt es keine, immerhin herrscht in Deutschland keine Helmpflicht. Der Stand diente ausschließlich der Prävention. „Schon wenn ich mit Kindern arbeite, erkläre ich immer, wie wichtig ein Helm ist“, sagt Schuhmacher. Auch im Gespräch mit Nicht-Helmträgern betont die Polizistin immer wieder: „Wenn der Kopf einmal kaputt ist, lässt er sich nur schwer wieder reparieren.“ Obwohl der Infostand eindeutig gekennzeichnet ist, mit einem Miniatur-Stoppschild, fahren viele Leute einfach weiter oder umfahren den Stand gezielt. Deswegen spricht Bianca Schuhmacher viele Radfahrer persönlich an. Die Leute, die tatsächlich anhalten, sind meist verständnisvoll. Ausreden finden sie aber immer wieder. Es sei zu heiß für einen Helm. Dieser mache die Frisur kaputt. Eigentlich trage man ja sonst immer Helm. Oder: „Wir fahren ja nur langsam und nur auf dem Fahrradweg.“ Dass aber auch dort Unfälle passieren können, zeigt der Unfall von der B 49.

„Es ist erschreckend, wie viele Leute ohne Helm unterwegs sind. Ich schätze, heute waren es locker 70 bis 80 Prozent“, sagt Bianca Schuhmacher. Dabei fallen einige Muster auf: Leute, die viel und oft Fahrrad fahren, tragen in der Regel Helm. Ebenso Kinder. „Eltern sollten als Vorbild auch einen Helm tragen. Sonst ist es kein Wunder, wenn die Kinder irgendwann denken: ‚Wenn Mama und Papa das nicht brauchen, dann brauche ich das auch nicht‘“, sagt Behrens.

Auch wird bei dem Infostand deutlich: Deutsche haben eher einen Helm auf als Ausländer. „Ich glaube, ich habe heute noch keinen Holländer mit Helm gesehen“, sagt Bianca Schuhmacher. Wenn man die Urlauber damit konfrontiert, ist die Antwort bei allen gleich: „Bei uns in Holland kennt man das nicht so.“ Behrens nennt eine weitere mögliche Erklärung: Viele Urlauber nehmen kein eigenes Fahrrad mit, sondern mieten sich eins. Ohne eigenes Zweirad packt aber auch niemand einen Helm ein.

Obwohl bei Radsport Schrauth in Cochem auch immer die Möglichkeit besteht, für 2 Euro am Tag einen Helm zu mieten, wird das kaum genutzt, sagt Inhaber Elmar Schrauth: „Weniger als zehn Prozent nehmen das Angebot wahr.“ Eine Zeit lang hat er die Kunden aktiv auf einen Helm aufmerksam gemacht, beispielsweise auch mit Plakaten. An der Akzeptanz hat das nichts verändert. Auch Schrauth hört immer wieder dieselben Ausreden. Da keine Helmpflicht in Deutschland herrscht, verzichten viele darauf. Oder man fahre ohnehin nur langsam, da brauche man keinen Helm. „Dabei passieren beim gemütlichen Fahren die meisten Unfälle. Wenn man sich zum Beispiel unterhält, ist man nicht konzentriert. Wenn ich schnell fahre, bin ich das normalerweise schon“, erklärt Schrauth.

Um mehr Leute und vor allem Erwachsene darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig ein Helm ist, wird es auch in Zukunft weitere Informationsstände der Polizei und Kreisverkehrswacht geben. Denn ob man nun regelmäßig oder nur gelegentlich Rad fährt, ob langsam oder schnell, auf Radweg oder Straße: Bei einem Unfall schützt ein gut sitzender Helm den Kopf und kann helfen, schwere Verletzungen zu vermeiden.

Von unserer Mitarbeiterin Annika Könntgen

Schutzausstattung ist empfehlenswert

Im Jahr 2017 ereigneten sich im Dienstgebiet der Polizeiin-spektion (PI) Zell 19 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern. Dabei gab es elf Schwer- und acht Leichtverletzte. 2018 wurden bisher lediglich fünf Unfälle aufgenommen, dabei wurden fünf Personen leicht verletzt. Bei den Verletztendaten gibt es keine Auffälligkeiten: Alle Altersgruppen beteiligt sind, allerdings ist eine leichte Zunahme älterer Verletzter festzustellen.

„Der Radverkehr nimmt stetig zu, erlebt seit Jahren einen Boom. Bei fast allen bekannt gewordenen Fällen gibt es Verletzte

und Schwerverletzte. Schutzausstattung ist also notwendig und empfehlenswert“, rät PI-Leiter Lothar Schneider.

Cochem Zell
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