40.000
Aus unserem Archiv
Hambuch

"Homejer Jung" besiegt Hass 2.0 mit Liebessturm

Brigitte Meier

Sein Tourneeplan führt kreuz und quer durch ganz Deutschland und lässt kaum freie Tage zu. Der 29-jährige Liedermacher und Humorist Matthias Ningel aus Hambuch ist gefragt in großen Veranstaltungshallen und auf kleinen Musikbühnen. Unermüdlich klettert der „Homejer Jung“ auf der Karriereleiter nach oben. Und doch zweifeln viele Menschen am Ertrag des Künstlerberufs, behauptet er. Sie fragen ihn: „Kann man davon leben?“ Mit dieser sorgenvollen Frage betitelt Ningel sein neues Programm, das er als Vorpremiere bei der Dorfakademie Hambuch vorstellt.

Matthias Ningel hat bei der Dorfakademie Hambuch sein neues Programm „Kann man davon leben?“ vorgestellt.  Foto: Wolfgang Thielen
Matthias Ningel hat bei der Dorfakademie Hambuch sein neues Programm „Kann man davon leben?“ vorgestellt.
Foto: Wolfgang Thielen

Die Eintrittskarten für die Vorstellung in der Alten Probstei sind im Nu ausverkauft, und obwohl Ningel beim Eifeler Publikum den Heimatbonus verbuchen kann, gibt er alles. Er schont weder seine Stimme noch das Klavier, er singt und spricht nicht nur, sondern schreit und flüstert, röchelt und schmachtet, brüllt und kichert, kurz: Er arbeitet hart, schließlich muss er davon leben ...

Hat er in seinem Programm „Jugenddämmerung“ die Schmerzen des Erwachsenwerdens satirisch beschrieben, so widmet sich der 29-jährige Musikkabarettist nun den lebenswichtigen Fragen des Konsumenten, etwa: Welcher Kaffeeautomat soll es sein? Wo besuche ich das beste Seminar, das mich in die Bedienung der Kaffeemaschine einführt? Oder: Kann ich von Eisenhüttenstadt aus per Handy in Hamburg Kaffee kochen? Obwohl ich gar keinen Kaffee trinke? Hä? Wie sinnlos so mancher Einkauf ist, wird dem vor Vergnügen wiehernden Publikum klar.

Konsumzwang und Lifestyle haben es Ningel angetan, und besonders „die selbst ernannten Profis“ bekommen ihr Fett weg, also die, die sich auskennen, alles besser wissen, ob es sich um die angesagteste Grillpfanne oder andere Must-haves für ordentliche Konsumenten handelt, die, die „Kondome mit Trüffelgeschmack benutzen“.

Sogar ein Tabuthema spricht Ningel mutig an: die Beißschiene gegen das nächtliche Zähneknirschen, das er besonders häufig bei diesen selbst ernannten Profis beobachtet. Dieses verräterische Knirschen hört der Kabarettist immer wieder durch dünne Hotelwände hindurch. Denn bei seinen Tourneen muss Ningel in den unterschiedlichsten Häusern nächtigen, was angesichts von „ehemaliger Frotteebettwäsche in sogenannten traditionellen Familienhotels, die seit Adenauer nicht mehr renoviert wurden“, nicht immer ein Vergnügen ist.

Das Vergnügen ist dagegen bei Ningels Publikum in Hambuch. Das liebt ihn, nicht nur, weil er aus ihrem Dorf stammt, sondern weil er die Schwächen und Marotten der Mitmenschen erkennt und in treffende Verse fasst, spitz oder nachsichtig, aber auch satirisch böse, wenn es sein muss.

So bekommt etwa „Kaiser Nero 88“ eins auf die Finger, der in den sozialen Netzwerken hemmungslos einen „Shit Storm“ nach dem anderen auslöst. „Kaiser Nero 88 unter dem digitalen Zirkuszelt“, der glaubt, „so einfach ist die Welt“. Diesen Shit Storm möchte Ningel in Hambuch durch einen Love Storm vertreiben und schmettert, dass das Piano bebt: „Ein Sturm der Liebe weht heut durch die Probstei!“

Die Liebe, meist die unerfüllte, thematisiert Ningel natürlich auch. Das leidenschaftliche musikalische Werben um „Iloonaa“ lässt die Zuhörer dahinschmelzen, und sie leiden mit beim Lied übers Partyspiel Auszieh-Quiz, denn die Angebetete „behält die Bluse an“, weil sie einfach alles weiß.

Die Herzen fliegen Matthias Ningel zu. Das vorwiegend junge Publikum singt begeistert mit, wenn er ältere Songs bringt. Sie kennen jede Zeile auswendig und wünschen sich für die Zugabe ganz bestimmte Lieder, etwa „Ich bin der Beste im Yoga-Club“ oder „Knick, knack, blubb“. Und damit der junge Künstler „davon leben kann“, schenkt ihm die Dorfakademie einen gut gefüllten Fresskorb.

Im April tritt Ningel im Unterhaus Mainz mit der „echten“ Premiere des neuen Programms auf.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Dienstag

17°C - 28°C
Mittwoch

18°C - 31°C
Donnerstag

16°C - 30°C
Freitag

11°C - 21°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach