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Ediger-Eller

Hochwasser: Aktionsplan soll weiterhelfen

Thomas Brost

Eine Rundumversorgung wird es in der arg betroffenen Gemeinde Ediger-Eller in puncto Hochwasserschutz nicht geben – zu teuer sind Spundwände und die Logistik drum herum. Aber: Ein Aktionsplan listet viele Dinge auf, auf die Bürger achten müssen, wenn das Wasser in den Keller und die Wohnung steigt. Eineinhalb Jahre lang haben sich engagierte Bürger mit dem Hochwasserschutz beschäftigt, jetzt ist das Ergebnis vorgestellt worden.

Ganz kritisch ist oftmals die Lage auf den Campingplätzen an der Mosel: Wie sind die Besitzer von Zelten und Wohnwagen zu erreichen?
Ganz kritisch ist oftmals die Lage auf den Campingplätzen an der Mosel: Wie sind die Besitzer von Zelten und Wohnwagen zu erreichen?
Foto: picture alliance / dpa

Der ganz große Wurf, wie viele sich dies in der emotionalen Auftaktveranstaltung im Februar 2016 erhofft hatten, ist es nicht geworden – das hatte sich offenbar herumgesprochen, denn zur Präsentation im Bürgerhaus kamen weniger als 40 Zuhörer. „Der technische Hochwasserschutz rechnet sich nicht, er ist nicht wirtschaftlich darstellbar“, sagte Wasserbau-Ingenieur Roland Boettcher, der den Prozess in Ediger-Eller federführend und im Auftrag des Landes begleitet hat. Bezogen ist seine Aussage auf ein Hochwasser, das alle drei Jahre eintritt.

Eine mobile Wand – sie hätte 1,10 oder 2,20 Meter über dem Niveau der Moselmauer sein können – würde nur einen kleinen Anteil der Hochwasserereignisse verhindern. Boettcher bezifferte die Kosten für eine Wand auf circa 3,48 Millionen Euro für Ediger, 2,28 Millionen Euro für Eller. Für eine Nutzen-Kosten-Kalkulation müsse die Schadenssumme für ein Hochwasser entgegengestellt werden. Sie läge für Ediger bei 0,89 Millionen, für Eller bei 0,38 Millionen Euro. Es bleibt beim Gedankenspiel.

Konkreter ist das, was an Vorsorge von privater Seite betrieben werden kann. Einen Aktionsplan, der viele wertvolle Informationen enthält, stellte Corinna Gall von der TU Kaiserslautern vor. „Unser Ziel ist es, die Bevölkerung über die Hochwassergefährdung zu informieren und ihr Maßnahmen zur Vorsorge mit an die Hand zu geben“, sagte Gall. Die Art der Vorsorge „müsse in den Gemeinden gelebt werden, damit der Plan funktioniert“. Der Aktionsplan richtet sich an alle Anrainer, insbesondere aber an neu Zugezogene und ältere Bürger. Er beantwortet Fragen wie: Ab welchem Pegelstand in Cochem oder Trier sind Gebäude betroffen? Der Aktionsplan enthält wichtige Telefonnummern, Infoseiten und einen Fragebogen. Wichtige Daten gab Wissenschaftlerin Gall preis: So kann die Versorgung mit Strom bis zu einem Pegelstand von 11,70 bis 12,00 Meter am Pegel Trier aufrechterhalten werden. Die Trinkwasserzufuhr wird, so Gall, „voraussichtlich nicht durch Hochwasser beeinträchtigt“. Der Grund: Die Gewinnungsquelle liegt zweieinhalb Kilometer von der Mosel entfernt im Ellerbachtal. Bei Abwasser sieht es anders aus, die leidgeprüften Moselaner wissen dies: Bei einem Pegelstand in Cochem von 6,40 Meter fällt der Abtransport aus, die Abwässer, die im Kanal sind, werden laut Gall „ungeklärt ins Hochwassergebiet entlastet“.

Wie kann der Verkehr abfließen in Richtung Eifel, wo müssen Wohnwagen vom Campingplatz abgestellt werden, wo die Privat-Pkw? Antworten enthält ebenfalls der Aktionsplan. Ortsbürgermeisterin Heidi Hennen-Servaty will aber mit Ortskundigen nochmals alle Straßen durchgehen, ehe der Plan auf der Webseite der Gemeinde veröffentlicht wird.

In der kurzen Diskussion flammte das Thema Hochwasserversicherung auf. In der Tat ist es so, dass Anrainer „hinter einer Linie derer, die vom Jahrhunderthochwasser 1993 betroffen waren, eine Police bekommen können“, sagte Beigeordneter Helmut Brück.

In der Bauvorsorge ist im privaten Bereich schon viel gemacht worden. Es wird jetzt in Ediger-Eller ein Prozess angeregt, um zu ermitteln, ob eine Bedarfsanalyse für Grundstücke mit Gebäuden vonnöten ist. Diese werde im Schnitt jeweils 800 Euro kosten, erläuterte Diplom-Ingenieur Boettcher. Davon bezahle das Land 90 Prozent. Die Gemeinde will in den nächsten Wochen den Fragebogen im Gemeindebüro zur Verfügung stellen, sagte die Ortschefin zu.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

Informationen aus dem Internet oder per Telefon

Im Schnitt steht die Mosel alle fünf Jahre 8,20 Meter hoch in Ediger-Eller – bei circa 7 Metern ist die B 49 überspült. Wenn das Wasser 30 Zentimeter hoch steht, kann man zwar mit dem Auto noch fahren. „Aber es ist nicht empfehlenswert, weil Hindernisse wie ein fehlender Gullydeckel nicht erkennbar sind“, betont Corinna Gall.

Wie man sich verhalten soll, lässt sich im Aktionsplan ablesen, der auf die Internetseite der Gemeinde www.ediger-eller.de eingestellt wird. Infos über Pegelstände von Trier und Cochem gibt es unter anderem auf www.hochwasser-rlp.de oder über die Smartphone-App „Meine Pegel“, ferner unter der Rufnummer 02671/194 29. red

Cochem Zell
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