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Ulmen

Grabfelder in Ulmen entdeckt: Archäologen sind begeistert [mit Video]


Kevin Rühle

Ein neues Baugebiet, die Bagger rollen. Nicht ungewöhnlich. Doch auf der Hahnwiese, wo in Ulmen bald Wohnhäuser entstehen sollen, wurde in den vergangenen Wochen nicht für die Zukunft gegraben. Nahe der Bundesstraße, am Ortseingang in Richtung Alflen, haben Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) ein keltisch-römisches Gräberfeld gefunden und in den vergangenen Wochen ausgegraben. Die Erkenntnis: In Ulmen wohnten wohl reiche Leute.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Christian Weigele kratzt mit einer kleinen Kelle an schwarzer Erde. Ein Bagger hat die oberste Erdschicht auf einer Fläche von knapp 1500 Quadratmetern abgetragen, zum Vorschein kam ein gutes halbes Dutzend Aschegruben, die nun von den Mitarbeitern der GDKE freigelegt werden. Weigele ist gelernter Dachdecker und arbeitet nun als Grabungsarbeiter. „Es ist wirklich spannend, die Spuren der Vorzeit zu entdecken“, sagt der junge Mann. Die Spuren sind vermutlich die Überreste von Menschen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert, deren Körper in den Gruben verbrannt wurden – samt Beigaben. „Die Römer haben einen Polterabend für Tote veranstaltet und das Geschirr mit aufs Feuer geworfen“, erklärt Dr. Peter Henrich, Leiter der Außenstelle Koblenz der GDKE. Ein Kult, der zu dieser Zeit offenbar in Hunsrück und Eifel verbreitet war.

Vor Ort leitet Dr. Jennifer Schamper die Ausgrabungen. Sie legt einen riesigen Zollstock neben eine der Aschegruben, vermisst den Standort, macht ein Foto und eine Zeichnung. Wo gegraben werden musste, kann man in Ulmen mit dem bloßen Auge erkennen. Die Asche zeichnet sich deutlich von der lehmigen Erde ab. Das war während den Grabungen allerdings nicht so einfach, erklärt Schamper. Ständig stand Wasser in der Fläche, die unterschiedlichen Farben von Lehm und Ton erschwerten zudem die Suche. Ist die Stelle gefunden, wird diese freigelegt, es folgt ein Probeschnitt, der den Fund in der Mitte teilt. Was archäologisch wertvoll ist, wandert in kleine Plastiktüten. Die Funde werden dann bei der GDKE in Koblenz weiter untersucht. „Die Ergebnisse sind sehr, sehr gut“, freut sich Henrich. Gefunden wurden Bronzegefäße, Ölamphoren, ein Sieb und eine Kelle. „In Ulmen sitzt das Geld“, scherzt Henrich.

Ende vergangenen Jahres war für die Geologen noch nicht absehbar, was genau auf der Wiese zu finden ist. Nach einer geomagnetischen Prospektion – das Magnetfeld wird gemessen und daraus ein Abbild der Strukturen im Untergrund gewonnen – ging man davon aus, dass auf der Hahnwiese II, wie das neue Baugebiet genannt wird, vor Jahrhunderten eine römische Villa stand. Doch nach den ersten Erdbewegungen stellte sich heraus, dass unter der Grasnarbe sogenannte Grabgärten zu finden sind. Diese messen etwa 48 mal 30 Meter, die Aschegruben finden sich zwischen diesen Gräben, die Tiefe ist höchst unterschiedlich.

Stadtbürgermeister Thomas Kerpen besucht auch am letzten Tag der Ausgrabungen die Mitarbeiter der GDKE und erkundigt sich nach dem Stand der Dinge. Denn die Stadt muss die Grabungen bezahlen und hofft, dass anschließend gebaut werden kann. „Wir haben hier dann einen Freibrief“, sagt Kerpen mit nachdenklichem Blick auf eine der Aschegruben. Allerdings wird sich die GDKE in diesem Gebiet die Tiefbauarbeiten anschauen.

Mittlerweile haben die Archäologen alle Schätze aus dem knapp 2000 Jahre alten Friedhof geborgen. Diese werden in Koblenz gewaschen und hergerichtet – die RZ wird die Exponate aus der Eifel bald zeigen. Und Ulmen kann sich nun weiter um die Erschließung des Neubaugebietes kümmern. Welche Folgen die Funde für die Stadt und das geplante Baugebiet haben, berichten wir in einer der kommenden Ausgaben.

Von unserem Redakteur Kevin Rühle

Warum wir erst jetzt über die Funde berichten

Schon Ende vergangenen Jahres war klar, dass es Ausgrabungen in Ulmen geben wird. Dies diskutierte auch der Stadtrat, die Ratsmitglieder wurden fortlaufend über die Situation informiert. Die RZ ist nach einer Anfrage dem Wunsch der GDKE nachgekommen, zunächst keinen Artikel über die Entdeckung zu veröffentlichen.

Das Argument der Archäologen: Sobald in einer Zeitung über Funde berichtet wird, sind sogenannte Grabräuber nicht weit. Obwohl in den meisten Fällen der monetäre Wert alter Gefäße nicht sehr hoch ist, werden diese ausgegraben und verschwinden – zudem wird das Grabungsfeld beschädigt. „Es ist eher der Nervenkitzel als ein finanzieller Anreiz“, erklärt Dr. Peter Henrich, Leiter der GDKE in Koblenz. ker

Cochem Zell
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