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    Cochem

    Gedenkort soll an KZ-Außenlager Bruttig-Treis erinnern

    Es ist ein dunkles Kapitel der Cochem-Zeller Geschichte, das ehemalige KZ-Außenlager Bruttig-Treis. Zwischen März und September 1944 mussten hier polnische und sowjetische Kriegsgefangene, aber auch Zwangsarbeiter aus anderen europäischen Ländern, unter erniedrigenden und menschenunwürdigen Umständen in einem früheren Bahntunnel Zündkerzen für Flugzeuge herstellen, viele Menschen wurden ermordet. Bis heute existiert keine Gedenkstätte für dieses Lager, lediglich zwei Gedenksteine auf den Friedhöfen in Bruttig und in Treis erinnern an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Doch nun soll ein würdiger Gedenkort entstehen.

    In Bruttig gibt es bereits einen Gedenkstein für die Opfer, die das Arbeitslager nicht überlebt haben.  Archivfoto: Kevin Rühle
    In Bruttig gibt es bereits einen Gedenkstein für die Opfer, die das Arbeitslager nicht überlebt haben. Archiv
    Foto: Kevin Rühle

    „Wir haben die Aufgabe und die Verpflichtung, an diese schlimme Zeit zu erinnern“, unterstreicht Wolfgang Lambertz. Der Cochemer Stadtbürgermeister gehört ebenso wie sein Kollege aus Treis-Karden und andere Persönlichkeiten zu einer kleinen Arbeitsgruppe unter der Leitung von Kreis-Dezernentin Barbara Schatz-Fischer, die seit einigen Wochen überlegt, wie eine solche Erinnerung und eine würdige Gedenkarbeit aussehen könnten. Erste Ideen sind entstanden, erste Vorhaben auch schon auf den Weg gebracht.

    Auslöser war das Buch „Deckname Zeisig“ des Treis-Kardeners Guido Pringnitz, der im vergangenen Jahr auf mehr als 400 Seiten in mühevoller Arbeit Material, Quellen und Fotos zu dem ehemaligen KZ-Außenlager zusammengetragen hat und der auch der Arbeitsgruppe angehört. „Das hat das Thema nochmals deutlich ins Bewusstsein gerückt“, so Wolfgang Lambertz. Auch das bereits in den 1980er-Jahren erschienene Buch „Ich habe nur den Zaun gesehen“ von Ernst Heimes hatte schon wichtige Grundlagen für eine Gedenkarbeit geschaffen.

    Unterstützung erhält der Arbeitskreis von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB). „Wir helfen gern bei der Konzeption einer Gedenkarbeit, wir geben auch Impulse“, meint Irene Nehls, Referentin der LpB in der Gedenkstätte Osthofen bei Worms. Aber sie macht auch deutlich: „Die Arbeit muss dann vor Ort geschehen, wir können das alles nur begleiten.“

    Und hier sind bereits viele Projekte in Angriff genommen worden. So gibt es seit einiger Zeit zwei Ausstellungstafeln zum KZ-Außenlager Bruttig-Treis, die in der 2014 erstellten Ausstellung „Bientôt La Liberté Nous Reviendra“ („Freiheit – so nah, so fern“) über das Konzentrationslager Natzweiler im Elsass, zu dem das Außenlager an der Mosel gehörte, gefertigt wurden. An der Universität Trier gibt es im Fach Geschichte derzeit ein Promotionsprojekt über das ehemalige KZ-Außenlager, die Doktorandin Ksenia Stähle soll auch im Auftrag der Landeszentrale einen Beitrag für die „Blätter zur Landesgeschichte“ über Bruttig-Treis schreiben.

    „Daneben gibt es Überlegungen für einen Schüleraustausch mit Schulen im Elsass oder anderen Teilen Frankreichs im Rahmen der Gedenkarbeit“, sagt Irene Nehls. Für Barbara Schatz-Fischer von großer Bedeutung: „Die pädagogische Begleitung des Projektes halte ich für ganz wichtig“, betont sie. „Und im Oktober soll der renommierte Berliner Rechtsextremismusforscher Professor Dr. Wolfgang Benz in den Kreis Cochem-Zell für einen Vortrag kommen“, sagt Irene Nehls. Vorbild ist die Gedenkarbeit am ehemaligen „KZ-Außenlager Rebstock“ bei Marienthal zwischen Dernau und Ahrweiler im Ahrtal, so die LpB-Referentin.

    Unterstützt wird das Projekt maßgeblich vom Kreis, dem diese Gedenkarbeit sehr wichtig ist. „In unserem schönen Kreis geraten oftmals die nicht so schönen Zeiten unserer Vergangenheit in den Hintergrund. Daher ist es mir wichtig, Erinnerungsarbeit zum KZ-Außenlager Bruttig-Treis zu betrieben und zu unterstützen“, betont Landrat Manfred Schnur. Darum sei unter Koordination der Kreisverwaltung von ihm die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft initiiert worden, die sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt, sagt er. „Unser Ziel ist es, hier in der Region einen würdigen Ort für ein Gedenken an dieses schlimme Lager zu schaffen“, so Lambertz gegenüber der RZ.

    Von unserem Mitarbeiter Dieter Junker

    Zündkerzen für die Firma Bosch

    Das KZ Natzweiler-Struthof errichtete das Außenlager 1944 an den Enden des ungenutzten Eisenbahntunnels, der Bruttig und Treis verband. Im Tunnel sollten Häftlinge kriegsnotwendige Gerätschaften herstellen, so Zündkerzen für Flugzeugmotoren der Firma Bosch. Das Datum der Lagerauflösung konnte bisher nicht ermittelt werden.

    Die letzten Akten vom 29. September 1944 behandeln einen Transport von 1081 Häftlingen ins KZ Buchenwald. (Quelle: Kreisverwaltung Cochem-Zell)

    Cochem Zell
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