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Forst/Eifel

Forster: "Zufriedene Mitarbeiter gehen nicht"

David Ditzer

Urs Lehnert aus dem Eifeldorf Forst sagt zu einem allgegenwärtigen Wirtschaftsthema wie dem Fachkräftemangel auch Sätze wie: „Zufriedene Mitarbeiter gehen nicht einfach weg aus einem Betrieb.“ Klar, rein von der Kopfzahl der Erwerbsfähigen her, beschert die soziale Altersstruktur dem Standort Deutschland zunehmend Probleme. Deshalb ist es so wichtig, dass es Unternehmen gelingt, hoch qualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen und sie dann langfristig an sich binden. Unter anderem dabei, dass dies gelingt, will der 39-Jährige helfen. Deshalb hat Lehnert sich selbstständig gemacht – als Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Personalwirtschaft.

Urs Lehnert aus dem Eifeldorf Forst hat sich als Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Personalwirtschaft vor Kurzem selbstständig gemacht. Er sieht in diesem Segment viel Entwicklungspotenzial. Foto: Katharina Berg
Urs Lehnert aus dem Eifeldorf Forst hat sich als Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Personalwirtschaft vor Kurzem selbstständig gemacht. Er sieht in diesem Segment viel Entwicklungspotenzial.
Foto: Katharina Berg

Das Ziel eines guten Personalmanagements ist aus Urs Lehnerts Sicht klar: Es geht darum, die richtige Frau oder den richtigen Mann zur richtigen Zeit auf die zur jeweiligen Persönlichkeit und den jeweiligen Talenten passende Position zu setzen. Das nötige Instrumentarium dazu sind zum Beispiel aussagekräftige Stellenanzeigen oder effiziente Einstellungstests. Unternehmen dazu zu verhelfen, „ist nicht billig“, räumt Lehnert ein. „Aber Fehlbesetzungen kosten einen Betrieb letztlich mehr.“

Der Forster spricht aus Erfahrung. Acht Jahre lang war der gelernte Bürokaufmann und Personalfachkaufmann im Personalwesen für die Bundeswehr tätig. An der Hochschule in Koblenz hat er den „Master of Science Major Human Resources Management“ gemacht. Und nach der Bundeswehrzeit trieb er beim Kommunikationsriesen Deutsche Telekom einen Mordsumbau mit voran: Er verschlankte die Personalabteilung um satte 1000 Stellen.

Dabei ist der Eifler sich wohl bewusst, dass nicht zuletzt derlei Aktion zum schlechten Ruf beitragen, der Unternehmensberatern oft anhaftet. Aber er betont: „Der Hälfte der Leute zu kündigen, ist nicht unser Ziel. Ziel ist es, ein Unternehmen erfolgreicher zu machen.“ Ein Personalabbau sei in manchen Fällen jedoch der einzige Weg, in überschaubarer Zeit wieder an Geld zu kommen.

Lehnert hat in seinem Berufsleben schon viel gesehen. Der 39-Jährige ist zwar in der Eifel geboren und aufgewachsen. Doch da seine Mutter aus der Schweiz stammt, besitzt er die doppelte Staatsbürgerschaft – und ging 2013 ins alpine Nachbarland. Unter anderem betreute er für den Isolationsspezialisten Von Roll die Ausbildung. Doch der Frankenschock (im Januar 2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf, weshalb der Franken sich schlagartig um fast 20 Prozent verteuerte) und der Tod seines Vaters führten dazu, dass Lehnert wieder nach Deutschland zurückkehrte. Vom Vater erbte er auch die in Forst ansässige Sprisol GmbH (siehe Zusatztext).

Nur ein Produkt zu verkaufen, war Lehnert allerdings „zu langweilig“. „Personalwirtschaft ist zurzeit überall Thema“, sagt er. Und in dieses sein Spezialgebiet wollte er auch jobmäßig hinein. Also rief er zum 1. September dieses Jahres die Lehnert HR Consulting ins Leben. Zu seinen ersten Kunden zählt ein Metallbaubetrieb aus dem Rheingau-Taunus-Kreis, dem sozusagen der eigene Erfolg zum Stolperstein wurde. „Die sind in einem Jahr von 6 auf 16 Mitarbeiter gewachsen“, erzählt Lehnert. Und zunehmend kam Sand ins Getriebe. Auf der Suche nach Ursache und Abhilfe bat die Unternehmensleitung Lehnert um Hilfe.

In solchen Fällen nimmt der Eifler erst einmal die Situation im Betrieb unter die Lupe. „Es mir darum, dass die Betriebe Rädchen gezeigt bekommen, an denen sie drehen können“, damit sich für sie etwas zum Positiven wendet, so Lehnert. „Ich will ihnen helfen, erfolgreicher zu werden und mehr Geld zu verdienen.“ Im konkreten Fall ist erst einmal eine Verbesserung betriebsinterner Abläufe und vor allem der Kommunikation angesagt. Dabei sei es wichtig, schrittweise vorzugehen: „Wenn ich einen Laden direkt komplett auf den Kopf stelle, mache ich ihn kaputt“, unterstreicht Lehnert.

Für Großkonzerne will der junge Eifler, der auch Mitglied in der Arge Kaisersescher Gewerbetreibender und Dozent an der Unternehmerschule Cochem-Zell ist, sein Fachwissen nicht mehr einsetzen. „Das ist einfach nicht meine Welt. Dort weiß die linke Hand oft nicht, was die rechte tut.“ Gezielt möchte Lehnert daher kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) unter die Arme greifen, die spüren, es hakt irgendwo. Personalmarketing, Videostellenanzeigen, Teambuilding oder Organisationsberatung sind Beispiele für Leistungen, die Lehnert anbietet.

In den Augen des Eiflers ist es logisch, dass wachsende Mittelständler mitunter an ihre Grenzen kommen. Allein wenn er sich anschaue, was nötig sei, um einen Handwerksbetrieb mit drei oder vier Mitarbeitern zu führen, könne er jedem, der das allein hinbekomme, nur Respekt zollen. „Wenn wir nur die Hälfte an Verwaltungsvorschriften hätten, dann hätten wir mehr Fachkräfte“, ist Lehnert überzeugt.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sein Rat in KMU durchaus gefragt ist. Je nachdem, wie es sich entwickele, werde er sich überlegen müssen, ob er sein Angebot zusammenstreiche oder Mitarbeiter suche. Schließlich soll Lehnert HR Consulting keinesfalls Opfer des eigenen Erfolgs werden.

Kontakt: Urs Lehnert, Molziger Straße 11, Forst (Eifel), Tel. 02672/906 92 86, mobil 0172/783 20 59, E-Mail info@ urs-lehnert.de

Von unserem Redakteur David Ditzer

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