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    Cochem-Zell

    Enorme Schäden: Wildschweine fühlen sich in Cochem-Zell sauwohl

    Wildschwein im Garten? Das kommt zwar nicht täglich vor, aber immer öfter auch im Kreis Cochem-Zell. Hier gibt es zurzeit vor allem einige Äcker, die aussehen, als hätte jemand mit dem Pflug völlig unkontrolliert seine Runden gedreht. Das waren Wildschweine auf der Suche nach Futter. Ärgerlich: Der anhaltend hohe Schwarzwildbestand im Kreis bereitet Landwirten, Winzern, aber auch den Jägern Kopfzerbrechen.

    So sieht Grünland aus, nachdem dort Wildschweine nach Futter gesucht haben: Hermann Kesseler vom Scholzehof zeigt die Schäden. Das Grünland muss nun aufwendig wiederhergerichtet werden. Einziger Trost: Der Schaden wird ersetzt.
    So sieht Grünland aus, nachdem dort Wildschweine nach Futter gesucht haben: Hermann Kesseler vom Scholzehof zeigt die Schäden. Das Grünland muss nun aufwendig wiederhergerichtet werden. Einziger Trost: Der Schaden wird ersetzt.
    Foto: Kevin Rühle

    Von unserer Redakteurin Petra Mix

    Vor allem bei den Drückjagden in den vergangenen Monaten wurden einige Stück Schwarzwild erlegt. Wie viele Tiere im Kreis unterwegs sind, zeigen die Abschusszahlen für das Jahr 2014/15: 3431 Stück Schwarzwild wurden laut Kreisverwaltung Cochem-Zell erlegt, im Jagdjahr davor waren es 2712 Stück. Eine deutliche Steigerung, doch die Population wächst.

    Die milden Temperaturen des Klimawandels führen bei Eichen und Buchen zu häufigen Mastjahren. Die Früchte, Eicheln und Bucheckern, sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Wildschweine. Der milde Winter trägt mit dazu bei, dass sich die Schwarzkittel sauwohl fühlen in den 155 Jagdbezirken an der Mosel, in den Seitentälern, in der Eifel und im Hunsrück. Die Schäden, die die Tiere anrichten, sind groß.

    Wenn die Wildschweine zum Beispiel ein Stück Grünland regelrecht umpflügen, dann ist der finanzielle Schaden oft vierstellig, manchmal sogar noch höher. Ärgerlich, auch wenn der Schaden in der Regel durch den Jäger beglichen wird, ist das allemal.

    Auf Grünfläche bei Lutzerath ganze Arbeit geleistet

    Dazu genügt ein Blick auf ein Stück Grünfläche nahe Lutzerath: Tiefe Löcher, alles umgegraben, die Wildschweine haben hier ganze Arbeit geleistet. Edwin und Hermann Kesseler vom Scholzhof in Lutzerath-Driesch wissen diese Situation von zwei Seiten zu bewerten, sind Landwirte und seit einigen Jahren auch Jäger. "Wir wollten wissen, wie das Jagen funktioniert, aber auch welche Rechte und Pflichten ein Jäger hat", betont Edwin Kesseler.

    Die Brüder haben, seitdem sie vor einigen Jahren den Jagdschein gemacht haben - zurzeit gibt es 612 Jagdscheinbesitzer im Kreis -, einen anderen Blick auf das Thema. Wie hoch die Schäden bei Grünland, im Weizen- oder Maisfeld sind, das wussten sie schon vorher nur allzu gut, doch jetzt kommt dazu, dass sie Einblick haben, was Jäger sollen, was sie dürfen. Und letztlich wissen sie auch, dass es nicht ganz einfach ist, ein Wildschwein vor die Büchse zu bekommen.

    Markus Thomas: "Jäger können nicht so viele Tiere schießen wie nötig"

    Dazu wiederum kann Markus Thomas, Kreisvorsitzender im Landesjagdverband, einiges erzählen. Wie klug die Wildschweine bei der Wahl ihrer Fressplätze sind, wie sie mit der Zeit die Scheu vor den Menschen verloren haben, sich immer öfter auch in Dörfer trauen, in Gärten zu finden sind. Und wie lange es dauert, bis ein Jäger ein Schwein dann letztlich zur Strecke gebracht hat. "Das kann schon einmal mehr als 25 Stunden in Anspruch nehmen und mehrerer Ansitze bedürfen." Ein Geduldsspiel.

    "Die Jäger können im Grunde gar nicht so viele Schweine schießen, wie sie eigentlich müssten. Denn das ist viel mehr als ein Hobby, das ist harte Arbeit", betont Markus Thomas im Gespräch mit der RZ. Dass die aktiven Jäger im Kreis nicht alle aus der Region, sondern eher von weiter herkommen, die Jagd dann nur am Wochenende ausüben können, das ist seiner Meinung nach mitunter schwierig.

    Thomas: "Genossenschaften sollten über Reviere hinaus aktiv werden"

    Sieht er eine Lösung für das Problem? "Zumindest wäre ratsam, dass die Jagdgenossenschaften über ihre Reviere hinaus aktiv werden. Wenn sich Jäger aus zwei bis drei Revieren sich zusammentäten, wäre das schon einmal ein Ansatz." 81 Jagdgenossenschaften gibt es in Cochem-Zell. Thomas fordert eine engere Verzahnung, um des Schwarzwildes Herr zu werden. Das Verhältnis zwischen Jägern und Landwirten ist demnach angespannt? "Im Grunde funktioniert das in Cochem-Zell gut, hier kennt man sich, vieles wird per Handschlag geregelt, dennoch gibt es auch immer wieder mal Spannungen, denn ganz klar: Wildschäden sind auch immer mit viel Ärger verbunden."

    Hans-Jürgen Sehn, Cochem-Zeller Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, kritisiert bei der Regulierung der Schäden den hohen bürokratischen Aufwand. Seiner Meinung nach ist die Gefahr sehr groß, dass die Schweine wieder zu den Stellen kommen, an denen gerade mit hohem Aufwand etwa Grünlandfläche wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wurde, und erneut zuschlagen.

    Bauernchef Sehn: "Bräuchten einen anderen Handlungsspielraum"

    Sehn sagt: "Die Schweine müssten noch stärker bejagt werden" Derzeit werden im Schnitt zwei bis drei Tiere pro 100 Hektar geschossen Allerdings ist der Besatz um ein Vielfaches höher, etwa fünf- bis zehn Mal so viel, wie es gut ist. "Wir bräuchten in der Bejagung einen anderen Handlungsspielraum, um auf ein Niveau zu kommen, mit dem alle gut leben können", fordert Sehn eine Lösung ein, um das Problem in den Griff zu bekommen.

    Landwirte können bei allem Ärger zumindest darauf bauen, dass der Schaden reguliert wird. Sind die Schweine zum Beispiel in den Brachen der Weinberge unterwegs, hat der Winzer nicht die gleichen Rechte auf Schadensersatz. Bei den Weinbergen handelt es sich um Sonderkulturen. Winzer haben das Nachsehen, müssen selbst dafür sorgen, dass die Wildschweine fernbleiben. Dass diese Schieflage für Zündstoff sorgt, ist nachvollziehbar. Aber im Wingert auf die Jagd zu gehen, ist auch keine Lösung.

    Unfälle mit Schwarzwild werden nicht separat erfasst

    Die Anzahl der Wildunfälle ist Cochem-Zell in den vergangenen Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau geblieben. Für 2015 weist die Statistik der Polizei Cochem 494 Fälle auf (2014: 479, 2013: 480) und 2012 waren es 564 Unfälle mit Wildbeteiligung. Allerdings ist anhand der Statistik nicht nachzuvollziehen, an wie vielen Unfällen Schwarzwild beteiligt war. Fest steht aber: „Ist das der Fall, liegt der Schaden an den Autos in der Regel ziemlich hoch“, erklärt Jörg Schnitzius, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Cochem. mix

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