40.000
Aus unserem Archiv
Klotten

Einwohnerversammlung: Klottener sagen Ja zu einem Dorfladen


Petra Mix

Klotten wünscht sich einen Dorfladen. Und alles deutet darauf hin, dass dieser Wunsch auch in Erfüllung gehen wird. Seit mehr als einem Jahr gibt es keinen Lebensmittelladen mehr im Ort. Mit dieser Situation sind viele Menschen unzufrieden.

„Oose Lade“ in Greimersburg läuft seit fast sechs Jahren erfolgreich. Es geht nicht nur ums Einkaufen, sondern auch um das Miteinander. In der kleinen Gemeinde sind alle Generationen in dem Laden anzutreffen. Das wünscht sich Klotten auch.
„Oose Lade“ in Greimersburg läuft seit fast sechs Jahren erfolgreich. Es geht nicht nur ums Einkaufen, sondern auch um das Miteinander. In der kleinen Gemeinde sind alle Generationen in dem Laden anzutreffen. Das wünscht sich Klotten auch.
Foto: Archiv Kevin Rühle

Die große Beteiligung an der Einwohnerversammlung, die guten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die gute Prognose für die Wirtschaftlichkeit: Am Ende der Veranstaltung im Gemeindehaus, wo sogar Stühle nachgestellt werden mussten, haben sich 19 Klottener dafür entschieden, eventuell in dem Arbeitskreis mitzuarbeiten, weitere 59 können sich vorstellen, die Initiative zu unterstützen. Klottens Ortsbürgermeister Dieter Lürtzener, kurz vor der Versammlung noch etwas skeptisch, wie viele Menschen tatsächlich kommen werden, ist begeistert. „Na, das ist doch eine prima Grundlage.“

Wenn später die Listen die Runde machen, berichtet Lürtzener von seinem Besuch Anfang der Woche im Dorfladen in der Nachbarschaft, in Greimersburg. Ein Erfolgsmodell, seit fast sechs Jahren. Auch in Illerich und Bremm gibt es Dorfläden, die Gevenicher denken drüber nach, ebenfalls einen einzurichten.

Ende 2016 hatte der letzte Lebensmittelladen – zurzeit gibt es noch eine Bäckerei – das Licht ausgemacht und die Türen für alle Zeiten geschlossen. Werner Boos hatte den Laden viele Jahre geführt. Er war mehr als nur ein Kaufmann gewesen, vor allem für die älteren Kunden war er eine Art „Mädchen für alles“, hat kleine Reparaturen erledigt. Und zugehört. Ein Faktor, der bei allem ein wichtige Rolle spielt, wie Markus Gietzen, Berater bei M.Punkt RLP betont.

Das Dorfladenberatungsprojekt M.Punkt RLP bietet Beratungs- und Hilfeleistungen für Kommunen an, die sich dafür interessieren, einen Dorfladen zu eröffnen. Gietzen hat die Machbarkeitsstudie erstellt und die Bürgerbefragung ausgewertet, arbeitet schon seit einiger Zeit eng mit dem Klottener Gemeinderat zusammen. Lürtzener legt Wert darauf, dass noch kein fertiges Konzept in der Schublade liegt, der Arbeitskreis soll es ausarbeiten. Die Raumfrage ist ebenfalls noch nicht geklärt. Wird der Laden in die Klottener Schule kommen? Bis Dezember noch hatte die Gemeinde sich die Option freigehalten, gegen die Entscheidung, die Zwergschule zu schließen, Klage einzureichen. Diese Idee ist nun vom Tisch. Das Gebäude, Eigentum der Gemeinde, stünde rein theoretisch zur Verfügung. „Die unklare Situation wegen der Schule“, erklärt Lürtzener, „hat mit dazu beigetragen, dass wir so lange gewartet haben.“ Die Schließung der Schule hatte die Klottener getroffen, nach dem Ende des Lebensmittelladens kurz davor war das für viele ein massiver Einschnitt. Wenn die Klottener auch, wie Markus Gietzen betont, verglichen mit anderen Orten, die sich für einen Dorfladen interessieren, einen sehr hohen Altersdurchschnitt haben, so geht er dennoch davon aus, dass auch junge Menschen den Laden nutzen werden.

Volles Haus bei der Einwohnerversammlung in Klotten: Das Interesse der Bürger an einem Dorfladen zeigt sich auch hier.
Volles Haus bei der Einwohnerversammlung in Klotten: Das Interesse der Bürger an einem Dorfladen zeigt sich auch hier.
Foto: privat

595 Fragebögen waren im Ort verteilt worden, 300 gültig ausgefüllte kamen zurück. Die hohe Rücklaufquote von 50,4 Prozent ist ebenfalls ein Indiz für das hohe Interesse an einem Dorfladen. Die überdurchschnittlich hohen Werte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Machbarkeitsstudie. 69 Prozent finden die Einkaufssituation derzeit nicht gut, 46 Prozent der Haushalte empfinden die Einkaufssituation als schwierig, 63 Prozent der Haushalte sagen, es wäre wesentlich leichter, wenn es einen Dorfladen gäbe. Und ebenso viele würden dort auch regelmäßig einkaufen. „Das ist ganz wichtig, denn es braucht Stammkunden, die regelmäßig kommen, und auch größere Einkäufe hier erledigen.“

Frische, regionale Produkte – auch das machen die bereits bestehenden Dorfläden im Kreis schon vor – kommen gut an, werden immer öfter verlangt. Zusätzlich Dienstleistungen wie Post, Toto-Lotto, die Annahmestelle für die Reinigung, gehören ebenso dazu. Und werden von 49 Prozent der Bürger vermisst, genau so vielen übrigens fehlt ein Hausarzt im Ort. Unterm Strich könnten in Klotten vier bis fünf 450-Euro-Kräfte in dem Laden beschäftigt werden, dazu kommen Ehrenamtliche, die sauber machen oder Regale einräumen. So ähnlich läuft es in Greimersburg. Dazu eine kleine Sitzecke im Laden. „Ganz wichtig, für manche sogar wichtiger als der Einkauf“, betont Markus Gietzen. „Am besten fahrt ihr alle in den nächsten Tagen mal vorbei.“ Dieter Lürtzener ist sichtlich begeistert vom Greimersburger „Oose Lade“. Er möchte den Initiator und früheren Ortsbürgermeister Paul Lauxen jetzt so schnell wie möglich mit dem Arbeitskreis zusammenbringen.

Von unserer Redakteurin Petra Mix

Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Mittwoch

15°C - 31°C
Donnerstag

17°C - 29°C
Freitag

9°C - 22°C
Samstag

10°C - 18°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach