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Cochem-Zell

Ein eitriger Pickel ist kein Fall für den Notarzt

Brigitte Meier

Immer mehr Patienten mit weniger ernsthaften Erkrankungen ziehen eine schnelle Behandlung in den Notfallaufnahmen der Krankenhäuser dem Besuch einer niedergelassenen Praxis vor. Einige Kassenärztliche Vereinigungen (KV) haben daher ein sogenanntes Eintrittsgeld für die Notaufnahme ins Gespräch gebracht, um die Patienten mit Bagatellbeschwerden an die für sie zuständigen niedergelassenen Ärzte zu leiten.

Am Marienkrankenhaus in Cochem suchen häufig Patienten mit Beschwerden Hilfe, die von einem Haus- oder Facharzt behandelt werden sollten. Die zuletzt von der Kassenärztlichen Vereinigung vorgeschlagene Gebühr ist für die Cochem-Zeller Krankenhäuser kein Thema.  Foto: Kevin Rühle
Am Marienkrankenhaus in Cochem suchen häufig Patienten mit Beschwerden Hilfe, die von einem Haus- oder Facharzt behandelt werden sollten. Die zuletzt von der Kassenärztlichen Vereinigung vorgeschlagene Gebühr ist für die Cochem-Zeller Krankenhäuser kein Thema.
Foto: Kevin Rühle

Auch im Wartebereich der Notaufnahmen in den beiden Krankenhäusern im Kreis Cochem-Zell sitzen viele Patienten, etwa weil sie Fieber, Halsschmerzen, Verdauungsproblemen, Zeckenbisse und entzündete Pickel haben oder gar, weil ihnen die Medikamente ausgegangen sind. Doch weder in Cochem noch in Zell wird eine Gebühr für die Notaufnahme als Lösung des Problems angesehen. Aus dem Zeller Notfallzentrum des Klinikums Mittelmosel heißt es: „Es liegt nahe, dass die Behandlung von nicht notfallpflichtigen Patienten Ressourcen bindet, die anderweitig besser einzusetzen wären.“ Im Zeller Notfallzentrum werden jährlich rund 13.000 Patienten behandelt. Etwa jedes fünfte in diesem Rahmen vorgestellte Krankheitsbild war nicht als notfallpflichtig zu bewerten.

Weiter erklärt die Pressesprecherin des Klinikums Mittelmosel: „Wir sehen in diesem Zusammenhang mehrere Lösungsmöglichkeiten. Ein sogenanntes Eintrittsgeld, wie es in anderen Kliniken diskutiert wird, gehört aber nicht dazu.“ Zum einen würde diese zusätzliche Aufgabe weitere Ressourcen für die eigentliche Tätigkeit der Notfallversorgung beanspruchen. Zum anderen würde damit eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gefördert. Wahre Notfälle in einer schlechten finanziellen Situation würden womöglich nicht in die Notaufnahme kommen, aus Sorge dafür zahlen zu müssen. Das Klinikum verweist darauf, dass vor zwei Jahren in Zell eine prinzipielle Umstrukturierung erfolgt ist. So sei mit der Einrichtung getrennter Elektiv- und Notfallzentren erreicht worden, dass die unterschiedlichen Patientengruppen sinnvoller an die für sie zuständige Stelle geleitet werden könnten: „Hierdurch werden Wartezeiten spürbar verringert und organisatorische Abläufe optimiert, insbesondere für die Notfallpatienten.“

Zu einem „Eintrittsgeld“ für die Notaufnahme erklärt die Pressestelle des Marienkrankenhauses Cochem: „Grundsätzlich ist es schwierig, Barrieren zu errichten, die dazu führen könnten, dass Patienten dringend notwendige medizinische Behandlungen aus Scheu vor finanziellen Belastungen nicht durchführen lassen.“ Für medizinische Laien sei es nicht immer leicht, die Schwere von Symptomen oder der zugrunde liegenden Erkrankung einzuschätzen. Ob die Beschwerden akut im Sinne der Notfallverpflichtung seien, könne nur der Arzt beurteilen: „Dabei kann es vorkommen, dass sich die Einschätzung der Patienten nicht immer mit der des medizinischen Fachpersonals deckt.“

Auch im Marienkrankenhaus Cochem sorgen immer mehr „blinde Passagiere“ in der Notaufnahme für zusätzliche Arbeit. Doch damit müssen sowohl Patienten als auch Personal leben: „Unser medizinisches Personal ist geschult zu entscheiden, welche Verletzungen oder Erkrankungen eine höhere Dringlichkeit haben. Das kann für Patienten mit weniger schweren Erkrankungen und Verletzungen gegebenenfalls zu Wartezeiten führen.“ Fazit: „Jeder Patient, der in die Notaufnahme des Marienkrankenhauses kommt, wird auch behandelt.“

Ein möglicher Grund, warum immer mehr Patienten die Notfallaufnahme aufsuchen, ist nach Ansicht des Klinikums Mittelmosel möglicherweise auch das lange Warten auf Facharzttermine: „Das verunsichert den Patienten, der nicht sicher ist, ob er mit den Beschwerden überhaupt so lange warten darf.“ Eher bedenklich ist ein Grund, den viele Patienten, die häufig nach 18 Uhr oder am Wochenende in der Notaufnahme vorstellig werden, selbst angeben: Tagsüber unter der Woche hätten sie keine Zeit, zum Hausarzt zu gehen.

Ein Vorschlag des Klinikums Mittelmosel: „Langfristig sollte auch die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung geschult werden, um das Verständnis für die Dringlichkeit einer medizinischen Versorgung zu verstärken.“ So erhielten die Menschen auch mehr Sicherheit, ihre Beschwerden selbst besser einzuschätzen und eventuell auch Tipps zur Selbsthilfe: „Denn ein entzündeter Pickel gehört nicht in die Notfallmedizin.“

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

Vorortnahe medizinische Versorgung: Portalpraxis in Zell soll helfen

Weite Fahrtstrecken sind nach Ansicht des Klinikums Mittelmosel einer der Gründe für das verstärkte Aufsuchen des dortigen Notfallzentrums. Vor dem Hintergrund, dass es derzeit nur eine einzige Notdienstzentrale der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Kreis mit Sitz in Cochem gibt, entstehen für viele Patienten sehr weite Anfahrten. Um eine wohnortnahe medizinische Versorgung zu sichern, möchte das Klinikum Mittelmosel mit der Kassenärztlichen Vereinigung über eine Portalpraxis in Zell nachdenken.

Hier würde die Entscheidung über den weiteren Behandlungsweg getroffen, sei es allgemeinmedizinisch oder notfallmedizinisch. bme

Cochem Zell
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