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Cochem-Zell

Echte Doktoren zum Fall Guttenberg

Wer einen Doktortitel hat, hat oft hart und jahrelang daran gearbeitet, ihn zu bekommen. Was denken Menschen aus dem Kreis Cochem-Zell, die sich dieser akademischen Herausforderung gestellt haben, zur aktuellen Diskussion um die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg? Die Rhein-Zeitung hat nachgefragt.

Dr. phil. Gerhard Buff, Diplom-Pädagoge, Kaisersesch: Vier Jahre hat Gerhard Buff an seiner Doktorarbeit geschrieben. Ihr Thema: „Schulanfang – ein neuralgischer Punkt im Bildungssystem“. Auch er hat Fachliteratur hinzugezogen, denn: „Das Vergleichen und Auswerten, um zu eigenen Ergebnissen zu kommen, ist der Nachweis, dass man in der Lage ist, wissenschaftlich zu arbeiten.“ Was ihn am Fall Guttenberg schockiert, ist, „dass die Bewerter die ihnen vorgelegte Arbeit offensichtlich gar nicht gelesen haben“. Das werfe „ein schreckliches Bild“ auf die Uni Bayreuth, an der Guttenberg seine Dissertation abgelegt hat, und entwerte den deutschen Doktortitel. Der Verteidigungsminister brauche den Titel nicht, aber: „Von einem Politiker, der seine eigenen Aussagen zu Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit ad absurdum führt, möchte ich nicht regiert werden.“

Dr. rer. nat. Elke Koller, Leienkaul: Eine Dissertation in Naturwissenschaften, die aus Plagiaten besteht, ist gar nicht möglich, findet Elke Koller: „Hier sind Ergebnisse aus eigenen Experimenten gefragt.“ Für ihre 1975 erschienene Arbeit aus dem Bereich der pharmakologischen Forschung hat sie über fünf Jahre hinweg viele Stunden im Labor verbracht. Dazu gehörten auch ein ausgiebiges Studium der Fachliteratur und der Vergleich ihrer Experimente mit anderen wissenschaftlichen Aussagen. Sie kann sich vorstellen, dass einem Autoren bei der Angabe von Quellen Fehler unterlaufen können, aber: „Wenn bereits die Einleitung, die ja die Zusammenfassung der eigenen Erkenntnisse sein sollte, bereits abgeschrieben wurde, ist das verwunderlich.“

Dr. theol. Volker Malburg, Pfarrer in Kaisersesch: Zum konkreten Fall möchte Malburg nicht Stellung nehmen: „Dazu müsste man promovierter Jurist sein und die ganze Arbeit gelesen haben.“ Darüber, dass die Quellen von Zitaten in Fußnoten angegeben werden müssen, brauche man aber nicht zu diskutieren. Wenn der Verteidigungsminister das tatsächlich unterlassen habe, sei es natürlich nicht in Ordnung. Der katholische Pfarrer erwartet, dass die Vorwürfe geklärt werden. Malburg hat an seiner Dissertation, die 492 Seiten umfasst, sechs Jahre gearbeitet. Sie ist 2010 auch als Buch unter dem Titel „Glauben lernen?!“ erschienen.

Dr. oec. publ. Madeleine Durand-Noll, Cochem, Unternehmensberaterin: Die Volkswirtin Madeleine Durand-Noll hat ihre Promotion Ende der 80er-Jahre abgelegt. Ihr Thema: „Langfristigen Sicherungszielen vs. kurzfristigen politischen Interessenlagen“. Wie Guttenberg hat auch sie gut sieben Jahre für ihre Arbeit gebraucht. „Ich habe parallel dazu immer gearbeitet, zunächst an der Uni, später auch in der freien Wirtschaft“, sagt Durand-Noll. „Ich weiß, wie hart der Weg ist.“ Trotzdem sei die Arbeitsweise des heutigen Verteidigungsministers nicht zu entschuldigen: „Es ist unredlich, Zitate zu benutzen, ohne sie zu kennzeichnen.“

Dr. phil. Rainer Ningel, Hambuch, Professor an der Fachhochschule Koblenz: Ningel hat sich in seiner 1991 vorgelegten Doktorarbeit mit „Sozialer Unterstützung und Alkoholabhängigkeit“ auseinandergesetzt. Er hält den Fall Guttenberg für einen der größten Skandale der jüngeren Zeit: „Ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr ärgern soll, über Guttenberg selbst oder manche Verharmlosung.“ Die Hürden, die eine Doktorarbeit zu überwinden habe, seien eigentlich hoch: „Es gibt den Doktorvater, einen Zweitkorrektor und dann wird so eine Doktorarbeit noch einmal öffentlich ausgelegt.“ Haben in Bayreuth einige Leute beide Augen zugedrückt? Laut Ningel kann Guttenberg den Doktortitel nicht einfach zurückgeben: „Der kann ihm nur entzogen werden.“ Der Versuch, sich mit anderer Leute Arbeit zu schmücken, sei „eine fette, feiste Lüge und eine Frage der Ehre: Gerade ein Verteidigungsminister sollte die Ehre doch hochhalten“.

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