40.000
Aus unserem Archiv
Cochem-Zell

Datenschutz: Kein Grund zur Panik

Kevin Rühle

Der 25. Mai dieses Jahres präsentierte sich wie der Jahrtausendwechsel. Doch während vor knapp 20 Jahren befürchtet wurde, dass Computer nur noch Zahlensalat ausspucken würden, herrschte nunmehr Panik, man dürfe sich nicht mal mehr eine Adresse notieren oder ein Foto auf Facebook posten, ohne eine heftige Geldstrafe zu riskieren. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurde am 25. Mai in ganz Europa wirksam, Juristen, Unternehmen und Vereine kämpfen seither mit der Interpretation der neuen Regeln. Der größte Verein im Kreis, der TuS Kaisersesch, ist guter Dinge, einen gangbaren Weg für sich gefunden zu haben.

Foto: Kevin Rühle

Gerd Michaely ist Vorsitzender des Sportvereins, in seinem Büro hat er Zugriff auf die Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen von knapp 1400 Mitgliedern. Dass dies eine große Verantwortung ist, wusste Michaely bereits lange bevor die einheitliche Verordnung nun wirksam wurde. Erst vor knapp vier Jahren hatte der Verein seine Strukturen auf die Vereinbarkeit mit dem deutschen Vorgänger der DSGVO abgeklopft, doch erst eine Serie zum Datenschutz in unserer Zeitung ließ den Kaisersescher aufhorchen: „Wir waren doch ein wenig überrascht.“ Michaely nutzt die freie Zeit über Pfingsten und nimmt sich die Verordnung im Original vor. „Da muss man schon jede Seite dreimal lesen, bevor man sie versteht“, erinnert sich der Vorsitzende des TuS.

Obwohl auch die Kaisersescher spät dran sind, gibt es genügend Vereine und Unternehmer, denen die ausführliche Beschäftigung mit der DSGVO noch bevorsteht. Knapp 30 Vereine aus dem Kreis besuchten daher jüngst eine Veranstaltung der Cochem-Zeller SPD, die den Juristen und Datenschutzexperten Dr. Rolf Meier zu einem Vortrag geladen hatte. „Es kursieren leider sehr viele Gerüchte, die unser Referent zum Glück aus dem Weg schaffen konnte“, sagt der Landtagsabgeordnete Benedikt Oster aus Binningen und benennt damit eines der größten Probleme mit der DSGVO.

Dass Panikmache fehl am Platz ist, davon ist auch Gerd Michaely überzeugt. „90 Prozent der Vorschriften galten ja schon vorher“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Trotzdem musste sich ein Arbeitskreis des Vereins etwa drei Wochen lang intensiv mit den Vorschriften auseinandersetzen. „Und ohne die Vorlagen und die Hilfe vom Sportbund hätte das noch viel länger gedauert“, lobt Michaely.

Vor allem die befürchteten Bußgelder treiben viele Vereine um. Doch hier gibt der Experte bei der Veranstaltung in Cochem Entwarnung: „Im Fokus der neuen Verordnung stehen nicht der Kegelklub oder der Schützenverein“, sagt Dr. Rolf Meier. „Intuitiv werden die meisten ohnehin schon vieles getan haben, was datenschutzrechtlich erforderlich ist. Ordner sind in Aktenschränken abgeschlossen, Computer sind passwortgeschützt, da fordert die neue Verordnung gar nicht viel Neues“, sagt der Experte. Auch sei es ein Missverständnis, dass Vereine nun einen Datenschutzbeauftragten benötigen. Dies sei häufig nicht der Fall.

In Kaisersesch sieht man dies anders. „Das mag für viele kleine Vereine gelten, doch wir werden einen Datenschutzbeauftragten benennen“, sagt Michaely. Der Grund: Neben dem Vorstand verarbeiten auch die Übungsleiter des Vereins regelmäßig Daten der Mitglieder. Listen für die verschiedenen Kurse werden angelegt, die Sportler sollen erreicht werden können, wenn mal ein Termin ausfällt. Damit wird aus Sicht des TuS Kaisersesch ein Datenschutzbeauftragter nötig, da in der Regel mehr als zehn Personen Daten regelmäßig verarbeiten.

Große Unsicherheit herrscht derzeit auch beim Thema Fotos. Dürfen Bilder von Vereinsveranstaltungen noch veröffentlicht werden? Geändert hat sich hier wenig, schon immer war hier das Einverständnis der fotografierten Personen nötig. „Aber natürlich gibt es Ausnahmen. Sind die Personen nur Beiwerk, zum Beispiel beim Fotografieren von Sehenswürdigkeiten, dann ist keine Einwilligung erforderlich. Auch auf Versammlungen und Veranstaltungen dürfen grundsätzlich Anwesende fotografiert werden“, sagt Experte Dr. Rolf Meier. In Kaisersesch wird diese Einwilligung jetzt auch schriftlich bei Neuanmeldungen im TuS abgefragt. Die Vereinsmitglieder können entscheiden, ob Bilder auf der Webseite des Vereins, auf Facebook, in der Presse oder TuS-Publikationen verwendet werden dürfen.

Neu erstellt hat der TuS ein sogenanntes Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und eine Datenschutzordnung. Im Verzeichnis wird vermerkt, welche Daten von wem verarbeitet werden – und auch, wann diese wieder gelöscht werden müssen. In der Datenschutzordnung wird in verständlichen Worten erklärt, warum Daten erhoben, ob diese weitergegeben und wie diese geschützt werden. Hier ist Detailarbeit gefragt. Mit der geleisteten Arbeit fühlt sich Gerd Michaely sicher. Er gibt zu bedenken, dass für kleinere Vereine der Aufwand möglicherweise nur schwer zu bewältigen sei. „Ich kann jetzt ruhig schlafen, aber das war bestimmt nicht das letzte Wort zum Thema Datenschutz“, sagt der Kaisersescher. Und man müsse sich klarmachen, dass die Behörden nicht in erster Linie die Vereine im Visier hätten. Würde hier kleinlich geurteilt, wäre das eine Katastrophe für Vereine. „Und das kann sich unsere Gesellschaft nicht leisten.“

Von unserem Redakteur Kevin Rühle

Diese Punkte hat der TuS Kaisersesch abgearbeitet

Erstellung einer Datenschutzordnung für den Verein

  • Erstellung einer Datenschutzerklärung für die Homepage
  • Der Aufnahmeantrag wurde überarbeitet
  • Informationspflichten: Mitglieder werden wie bei einer Mitgliederversammlung über Datenverarbeitung informiert
  • Erstellung eines Verzeichnisses der Verarbeitungstätigkeiten
  • Mitarbeiter müssen Verpflichtungserklärung zur Vertraulichkeit unterschreiben
  • Formulare für die Auskunftspflicht von Mitgliedern, Übungsleitern und Sponsoren erstellen
  • Datenschutzbeauftragten finden, fortbilden und benennen

Was man über die neue DSGVO wissen muss

Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist am 25. Mai in Kraft getreten. Alle Datensammler müssen jetzt darüber Auskunft geben können, welche personenbezogenen Daten wann, wo, wie, warum und von wem verarbeitet werden.

Darüber hinaus müssen sie deren sichere Verarbeitung gewährleisten. Zu unterscheiden sind sensible und nicht sensible Daten wie Name und E-Mail-Adresse. Strenge Regeln gelten vor allem für sensible Daten wie Gesundheits- oder biometrische Daten (Fingerabdruck, Irisscan). Auch Vereine unterliegen strengeren Dokumentationspflichten. Experten raten, nur jene Daten zu erheben, die für den berechtigten Zweck (die Daten dienen der eigentlichen Aufgabe) nötig sind und sie sobald wie möglich wieder zu löschen, wenn dieser Zweck nicht mehr besteht. Ob Ergebnislisten im Internet veröffentlicht werden können, ist weiterhin strittig. Bei Vereinsarchiven gebe es keine Bedenken, hier sei ein historischer Grund für das Aufbewahren vorhanden.
Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Mittwoch

4°C - 11°C
Donnerstag

3°C - 9°C
Freitag

2°C - 9°C
Samstag

0°C - 7°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach