40.000
Aus unserem Archiv
Cochem-Zell

Breitbandausbau: Warum das Netz übers Kupferkabel läuft

Kevin Rühle

Während in vielen europäischen Ländern ein Glasfaseranschluss im eigenen Haus keinen Exotenstatus mehr hat, ist die schnellste mögliche Verbindung zum Internet in Deutschland, vor allem für Privatleute, eine Seltenheit. Cochem-Zell hat es, zumindest im Vergleich zu anderen Kreisen, schon früh mit der Breitbandinfrastrukturgesellschaft (BIG) geschafft, dass in alle Gemeinden Glasfaserleitungen führen. In die Wohnhäuser der Cochem-Zeller führt allerdings immer noch das alte Kupferkabel der Telekom. Derzeit laufen die Vorbereitungen der zweiten Ausbaustufe des Breitbandsausbaus. Dies ist ein Versuch, zu ergründen, was sich in den kommenden Jahren ändert.

Richtig teuer beim Breitbandausbau sind die Tiefbauarbeiten. Aber auch wenn Leerrohre bereits liegen, bedeutet das nicht, dass dem eigenen Glasfaseranschluss nichts mehr im Wege steht.  Foto: Kevin Rühle
Richtig teuer beim Breitbandausbau sind die Tiefbauarbeiten. Aber auch wenn Leerrohre bereits liegen, bedeutet das nicht, dass dem eigenen Glasfaseranschluss nichts mehr im Wege steht.
Foto: Kevin Rühle

Warum dauert der Ausbau des Netzes so lange? Diese Frage dürften sich die meisten Kunden stellen, die auf eine schnelle Leitung hoffen. Eine Antwort der Beteiligten sind die Kosten. Teuer und aufwendig ist vor allem der Tiefbau. Müssen Straßen aufgerissen, Leerrohre verlegt und Kabel gezogen werden, wird es teuer. Bei der ersten Ausbaustufe in Cochem-Zell wurden etwa 18 Millionen Euro investiert, trotzdem gibt es noch immer unterversorgte Gebiete. Das soll sich jetzt ändern. Jeder Cochem-Zeller soll in den Genuss eines 50-Mbit-Anschlusses kommen können. Doch auch dieser setzt weiter auf das Kupferkabel, eine unumstritten veraltete Technologie.

Aktuell wechselt die Technik noch: In den Kabelverzweigern werden die Signale von Kupfer auf Licht gewandelt. Das sollte sich ändern.  Foto: Rühle
Aktuell wechselt die Technik noch: In den Kabelverzweigern werden die Signale von Kupfer auf Licht gewandelt. Das sollte sich ändern.
Foto: Rühle

Und wie bereitet sich Cochem-Zell auf das Gigabitnetz vor? Dank der BIG gibt es im Kreis in wenigen Gebieten zumindest die Möglichkeit, sich einen Glasfaseranschluss legen zu lassen. „Bei allen Neuerschließungsmaßnahmen beziehungsweise Erneuerungsmaßnahmen im Bereich der Wasserversorgung verlegt das Kreiswasserwerk seit einigen Jahren FTTH-Leerrohre (Glasfaser bis ins Haus) mit, die später, durch Einbringen einer Glasfaser und Anschluss an das Gesamtsystem, aktiv geschaltet werden können, sofern diese durch ein Telekommunikationsunternehmen angemietet werden“, heißt es aus der Kreisverwaltung. Bei 1100 Anschlüssen ist dies derzeit möglich. Wie viele Kunden tatsächlich schon dieses Angebot nutzen, ist nicht bekannt.

Es landen also immer noch Kupferkabel in der Erde. Warum? Die Glasfasertechnik ist deutlich teurer, erklärt die Deutsche Telekom. Zwar prüfe man bei jedem neuen Anschlussgebiet, ob sich Glasfaseranschlüsse wirtschaftlich lohnen, dies ist offenbar aus Sicht des Unternehmens nur selten der Fall. Es brauche genügend Abnehmer – und die aktuellen Angebote seien, zumindest für Privatkunden, mehr als ausreichend. Dabei bezieht sich die Telekom auf DSL-Anschlüsse, die Transferraten bis zu 250 Mbit pro Sekunde ermöglichen. Und: „Die Kunden entscheiden sich häufig für die kostengünstigere Alternative“, so ein Pressesprecher der Telekom. Und auch inexio, das an der BIG beteiligte Telekommunikationsunternehmen, bestätigt, dass die Kosten häufig einem direkten Glasfaseranschluss im Wege stehen. Denn auch wenn der Kabelverzweiger (KVz), also ein Technikkasten in der Nähe, bereits an ein Glasfasernetz angeschlossen ist, muss für die Hausanschlüsse dort zusätzliche Technik verbaut werden“, erklärt ein Mitarbeiter von inexio.

Die entscheidende Frage, ob bei einem neuen Hausanschluss auch eine Glasfaserleitung verlegt wird, lässt sich aktuell nicht allgemein beantworten. Zwar verlegt das Kreiswasserwerk grundsätzlich entsprechende Leerrohre – was löblich ist – allerdings müssen mögliche Anbieter später Miete zahlen, wenn diese genutzt werden sollten. Hinzu kommen die Kosten, dass die Kabel bei Bedarf tatsächlich verlegt werden. Eine große Hürde für die Technik bleibt also bestehen.

Und dadurch werden Entwicklungen unter Umständen verlangsamt. Es ist die Frage nach der Henne und dem Ei. Erst wenn Anwendungen für das ganz schnelle Netz angeboten, wollen Kunden diese auch nutzen. Wenn aber die Glasfasertechnik nicht genug Verbreitung findet, entstehen diese Angebote gar nicht. Sicher ist nur, dass der Datenhunger wächst. Laut dem Netzwerkausrüster Cisco werden jedes Jahr etwa 25 Prozent mehr Daten verschickt. Dass die schnellen Anschlüsse gebraucht werden, ist also absehbar.

Von unserem Redakteur Kevin Rühle

Die zweite Ausbaustufe im Kreis Cochem-Zell

Unverbindliche Angebote für die zweite Ausbaustufe der Breitbandinfrastruktur in Cochem-Zell wurden bis zum 4. Mai bei der Kreisverwaltung eingereicht und werden aktuell geprüft. „Der derzeitige Zeitplan sieht eine Auftragsvergabe im III.

Quartal 2018 vor“, sagt der Kreis. Dabei stellen die Telekommunikationsanbieter ihre Konzepte vor, um die weißen Flecken im Landkreis zu beheben. Ob dabei Glasfaseranschlüsse verlegt werden oder diese nur näher an die Haushalte rücken, wird sich noch zeigen. Gewerbegebiete und Institutionen wie Schulen erhalten auf jeden Fall einen direkten Glasfaseranschluss (FTTB). ker

Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Dienstag

17°C - 28°C
Mittwoch

18°C - 31°C
Donnerstag

16°C - 30°C
Freitag

11°C - 21°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach