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Cochem-Zell

Beim Ankommen im fremden Land helfen – wie Cochem-Zeller sich für Flüchtlinge engagieren

Den Bildern von Menschen auf der Flucht kann sich niemand entziehen, und sie lassen auch kaum jemanden kalt. Wer möchte angesichts weinender Kinder und verzweifelter Eltern, erschöpfter Überlebender aus gekenterten Booten und völlig überfüllter Aufnahmelager nicht sofort etwas tun? Dazu gibt es reichlich Gelegenheit, denn auch im Kreis Cochem-Zell sind viele ehrenamtliche Initiativen, die in ihr Engagement nun auch die Flüchtlinge einschließen. Andere Gruppen haben sich aufgrund der akuten Notlage gebildet.

Hedwig Schulte aus Leienkaul arbeitet seit drei Jahren ehrenamtlich bei der Cochemer Tafel: "Ich mache das gerne, das ist mein Hobby." Foto: Kevin Rühle
Hedwig Schulte aus Leienkaul arbeitet seit drei Jahren ehrenamtlich bei der Cochemer Tafel: "Ich mache das gerne, das ist mein Hobby."
Foto: Kevin Rühle

Von Brigitte Meier

Die Verbandsgemeinden (VG) Cochem, Kaisersesch, Ulmen und Zell haben sich mit den Pfarreiengemeinschaften zusammengetan, um die Hilfen für Flüchtlinge zu organisieren, und die Kreisverwaltung Cochem-Zell hat eine Koordinierungsstelle eingerichtet (siehe Kasten). Sobald die Flüchtlinge registriert sind und ihnen eine Wohnung zugewiesen wurde, sind sie auf sich selbst gestellt. Und damit wären sie überfordert, wenn nicht Ehrenamtliche sich ihrer annähmen.

Als Beispiel wird hier das Engagement in der VG Kaisersesch vorgestellt. In den übrigen Verbandsgemeinden ist die Hilfsbereitschaft der Menschen ebenso groß. Insgesamt leben derzeit rund 100 Flüchtlinge aus elf Ländern in der VG Kaisersesch. Hiltrud Weiler aus Düngenheim, die als Pfarreienratsvorsitzende der Pfarreiengemeinschaft Kaisersesch mit Diakon Michael Przesang die Initiative "Von Mensch zu Mensch" leitet, erklärt: "Es sind vor allem die alltäglichen Dinge des Lebens, bei denen wir die Menschen unterstützen."

In der VG Kaisersesch engagieren sich 30 bis 35 Personen in Betreuungs-, Begleit- und Fahrdiensten, etwa zu Ärzten und Behörden, zur Cochemer Tafel und zur Kleiderkammer. Sie geben den Flüchtlingen persönliche Zuwendung, nehmen sie mit zu Veranstaltungen und Festen, damit sie Kontakte knüpfen können. Insbesondere Begleitdienste zu den Behörden sind sehr wichtig, denn das Besorgen der notwendigen Dokumente ist für die Flüchtlinge mitunter lebensnotwendig. Hiltrud Weiler berichtet: "Das ist nicht immer einfach, denn sie verstehen oft nicht, warum sie ,in Deutschland für alles Papiere brauchen‘."

Die Grundlage für Selbstständigkeit und Integration ist die deutsche Sprache. In allen Verbandsgemeinden unterrichten meist Lehrer im Ruhestand Deutsch. In der VG Kaisersesch kümmern sich mehr als 15 Personen um die sprachliche Förderung, entweder im Mehrgenerationenhaus oder auch dezentral in Orten, wo Flüchtlinge leben. Im MGH ist das unter anderem Wolfgang Palm, der seit gut vier Jahren Flüchtlingen die deutsche Sprache vermittelt. Er betont: "Dabei haben wir nicht die perfekte Grammatik als Ziel. Vielmehr geht es uns auch darum, den Kursteilnehmern eine sprachliche Grundlage für das Alltagsleben zu geben." Ebenso wichtig ist Palm aber auch, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, mit ihnen über ihre Situation und andere Themen zu sprechen: "Ich möchte ihnen helfen, hier anzukommen." Palm ist gespannt, wie viele neue Teilnehmer nach den Sommerferien im September in seinen Kurs kommen: "Das weiß man nie, aber alle sind bei uns willkommen."

Viele Flüchtlinge nehmen dankbar die Fahrdienste in Anspruch, die sie in die Kreisstadt bringen, wo sie in der Kleiderkammer und der Cochemer Tafel günstig einkaufen können. Erika Wiegand, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Cochem, sagt: "Natürlich ist die Nachfrage in den vergangenen Monaten stark gestiegen." Insbesondere junge Familien brauchen Erstlingsausstattungen, zum Beispiel Windeln, Babykleidung, Bettchen und Kinderwagen. Diese Dinge sind nicht immer auf Lager, und müssen manchmal kurzfristig besorgt werden. Ebenso ist die Nachfrage nach Bettwäsche, Handtüchern, Küchengeräten und Kleinmöbeln gewachsen, berichtet Erika Wiegand.

Auch die Arbeit bei der Cochemer Tafel hat stark zugenommen, sagt Karin Steffens: "Zum einen brauchen wir natürlich mehr Lebensmittel, zum anderen kaufen die Märkte und Fachgeschäfte weniger ein als früher, sodass auch weniger Waren für uns übrig bleiben." Und das große Lager mit haltbaren Nahrungsmitteln ist fast leer geräumt. Karin Steffens ist daher allen Spendern dankbar, die mit Geld oder haltbaren Lebensmitteln die Lücken auffüllen.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist nicht nur mehr, sondern auch anspruchsvoller geworden, müssen sie doch jede Woche mit vielen neuen Kunden rechnen: "Neulich hatten wir 35 Neue hier, meist junge alleinstehende Männer aus Afrika." Die Kommunikation läuft häufig "mit Händen und Füßen", erzählt Karin Steffens lachend: "Das ist manchmal ganz lustig und lockert sogar die Stimmung." Karin Steffens und ihre Mitarbeiter freuen sich auf weitere Ehrenamtliche: "Wer mitmachen möchte, kann sofort anfangen. Es gibt viel zu tun."

Willkommensnetz für Flüchtlinge im Kreis Cochem-Zell

Sprachkurse: Seit April bietet die Koordinierungsstelle kostenlose Deutschkurse an. In Kooperation mit der Kreisvolkshochschule hat sie in Blankenrath, Cochem, Kaisersesch, Ulmen und Zell insgesamt neun Anfänger- und Folgekurse organisiert. 47 Flüchtlinge haben die Kurse besucht. Das Angebot wird nach den Sommerferien ausgeweitet. Deutschunterricht bieten auch der Sozialdienst katholischer Frauen Cochem, die Kaisersescher Initiative „Von Mensch zu Mensch“ und die Katholische Erwachsenenbildung Mittelmosel an.

Lebensmittel: Cochemer Tafel.

Bekleidung, Hausrat, Kindersachen: Kleiderkammer Cochem, Kleiderkammer Zell, Mode-Oase in Treis-Karden, Simsalabim in Zell, Secondhandladen im Mehrgenerationenhaus Schieferland in Kaisersesch.


Initiative „Von Mensch zu Mensch“, Hiltrud Weiler, Telefon 02653/598 137 oder mobil 0151/108 401 151, per E-Mail an hiltrud.weiler@stmartin-dku.de.

Ansprechpartner: Koordinierung Asyl im Kreis Cochem-Zell, Jenny Schmitt, Telefon 02671/61 862, E-Mail: jenny.schmitt@cochem-zell.de, die Sozialämter der Verbandsgemeinden und die Pfarreiengemeinschaften. bme

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