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Blankenrath/Haserich

Als der Gassenhof noch eine Poststation war

Auf dem Esstisch von Helmut und Melitta Ahlert stapeln sich alte Dokumente. Stolz präsentiert der Senior eine stattliche Sammlung alter Postkarten. An die 100 Stück dürften es mittlerweile sein. „Einige sind allerdings doppelt“, sagt Ahlert. Doch das tut dem persönlichen Sammlerwert keinen Abbruch.

Sie verbringen einen Teil ihrer Mußestunden mit alten Postkarten aus der Heimat: Melitta und Helmut Ahlert. Foto: Ulrike Platten-Wirtz
Sie verbringen einen Teil ihrer Mußestunden mit alten Postkarten aus der Heimat: Melitta und Helmut Ahlert.
Foto: Ulrike Platten-Wirtz

Wann genau der 83-Jährige mit dem Sammeln angefangen hat, weiß er nicht mehr genau. „Früher ist mein Mann oft auf Flohmärkte gefahren“, sagt seine Frau Melitta. Inzwischen wird im Internet nach originellen Motiven gesucht und recherchiert. Dabei ist Tochter Ute ihren Eltern behilflich. Das älteste Dokument der Sammlung stammt von 1898, die meisten um 1900, einige auch aus den 50er-Jahren, als Postkarteschreiben noch in war. Doch nicht nur das Alter der Ansichtskarten ist wichtig, sondern vor allem müssen die Motive aus der Region sein. Die meisten Karten zeigen die Gegend um Blankenrath. Aber auch Ansichten von Haserich, dem Geburtsort des Rentners, und der Hanosiusmühle, die lange eine Gaststätte war, sind dabei.

Betrachter sind immer wieder von den bemerkenswerten Ansichten fasziniert, die heute kaum mehr einer kennt. „Dass der Gassenhof um 1900 eine Poststation war, von der aus mehrere Kutschen täglich mit wichtiger Fracht gestartet sind, weiß die Jugend heute nicht mehr“, sagt Ahlert. Eine Ausnahme macht Enkelin Jule. Wenn sie nach der Schule regelmäßig zum Mittagessen bei den Großeltern ist, muss sie sich Opas alte Geschichten anhören. „Das tut sie aber gern“, sagt ihre Mutter. Schließlich gibt es ja auch viel Interessantes zu erfahren. Denn Helmut Ahlert sammelt nicht nur die alten Ansichtskarten, sondern interessiert sich auch für die Geschichte der Ortschaften rund ums Kirchspiel. Bei seinen Recherchen hat er beispielsweise Dokumente gefunden, die belegen, wie die Straße durch seinen Heimatort Haserich gebaut wurde. Alte Fotos zeigen, dass die Kirche für den Straßenbau weichen musste, abgerissen und an anderer Stelle wiederaufgebaut wurde.

Die meisten der alten Dokumente – auch die Grüße auf den Ansichtskarten – sind in Sütterlin geschrieben. „Eigentlich müsste man das jetzt noch mal leserlich aufschreiben. Die jungen Leute kennen die altdeutsche Schrift ja gar nicht mehr“, sagen die Ahlerts unisono. Auch dass viele der Adressaten „Fräuleins“ waren, klingt heute ungewöhnlich, genau wie die Tatsache, dass sich entlang der Bundesstraße bei Panzweiler ein Reichsarbeitslager befand, was ein entsprechendes Foto auf der Vorderseite einer Ansichtskarte belegt.

Besonders fasziniert ist Helmut Ahlert aber von den Geburtsurkunden seiner Eltern, von denen er Kopien besitzt. Obwohl Helmut und Melitta Ahlert die Altertümchen in- und auswendig kennen, kramen sie die Unterlagen häufig hervor und schauen sich die alten Ansichten immer wieder an. „Man entdeckt immer wieder Neues auf den Bildern“, sagen sie. Auf manchen Fotos sind Menschen zu sehen. „Einige habe ich als Kind noch gekannt“, sagt Ahlert. Er erinnert sich nicht nur an die Namen und Hausnamen, sondern auch noch an die Geschichten, die früher erzählt wurden. Dieses Wissen soll kein gut gehüteter Schatz bleiben, sondern weitergegeben werden. Vielleicht haben Tochter und Enkelin ja Lust, das Hobby des Großvaters weiterzuführen.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

Cochem Zell
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