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Cochem-Zell

Alles niest: Wie die Grippewelle durch Cochem-Zell rollt

Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Fieber: Zum Finale des Winters läuft der Betrieb in vielen Arztpraxen im Kreis Cochem-Zell sowie auch in den Krankenhäusern an der Kapazitätsgrenze. Im Februar 2018 ist es deutlich schlimmer als in den Vorjahren. Dazu kommt, dass neben den relativ schnell auskurierbaren grippalen Infekten die "echte" Grippe, die Influenza, grassiert. Damit bestätigt sich ein bundesweiter Trend.

Bei der echten Grippe sind meist zwei Wochen Bettruhe erforderlich.
Bei der echten Grippe sind meist zwei Wochen Bettruhe erforderlich.
Foto: picture alliance

So ist die Lage in den Krankenhäusern

"Wir haben zurzeit ein erhöhtes Aufkommen an Patienten, die Symptome schwerer Erkältungserkrankungen aufweisen. Hierbei handelt es sich häufig um grippale Infekte, die deutlich milder verlaufen als die Grippe und dennoch behandelt werden müssen", teilt das Cochemer Marienkrankenhaus auf Anfrage mit. Bestätigt wurden dort bisher fünf Fälle von Influenza. Diese Zahl sei zwar höher als in den vergangenen Jahren, liege aber dennoch im niedrigen Bereich – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass das Robert-Koch-Institut Rheinland-Pfalz als Influenzarisikoregion ausgewiesen hat. "Auch unter unseren Mitarbeitern sind einige von der Erkältungs-/Grippewelle betroffen. Gerade bei einem erhöhten Aufkommen infektiöser Erkrankungen ist es nicht unüblich, dass ein höherer Krankenstand zu verzeichnen ist", heißt es vonseiten des Krankenhauses. Man sei jenen Mitarbeitern sehr dankbar, die mit einem erhöhten Engagement dazu beitragen, die Ausfälle im Kollegium auszugleichen.

Auch im Zeller Krankenhaus ist die Grippewelle spürbar. "In diesem Jahr zeigt sich die Influenza besonders heftig; im Klinikum Mittelmosel zählt sie insbesondere in den vergangenen zwei Wochen zu den täglichen Diagnosen", teilt das Krankenhaus mit. Auch das Personal sei hiervon betroffen. "Um die qualifizierte Gesundheitsversorgung im Klinikum Mittelmosel – insbesondere für die Notfallversorgung – zu sichern, stellen Dienst- und Bettenbelegungsplanung eine Herausforderung dar", schreibt die Pressestelle des Klinikums.

Wie reagieren Arbeitgeber im Kreis auf die Lage?

Doch nicht nur die beiden Krankenhäuser des Kreises sind mit Krankmeldungen ihres Personals konfrontiert, auch andernorts machen sich die Ausfälle bemerkbar. In der Kindertagesstätte in Ernst wurde vergangene Woche eine Notfallgruppe eingerichtet. Liane Posteuka, die Abwesenheitsvertretung der Kita, war gemeinsam mit einer Praktikantin die einzige Stammpersonalkraft vor Ort. Vier Kolleginnen waren krank. "Wir haben deshalb zwei Springerkräfte von der Katholischen Kita gGmbH aus Trier zur Unterstützung bekommen. Außerdem waren uns einige Eltern behilflich. Diejenigen, die die Möglichkeit dazu hatten, haben ihre Kinder zu Hause behalten und selbst betreut", erklärt Posteuka. Eine solche krankheitsbedingte Extremsituation hat die Erzieherin bisher noch nicht erlebt.

Ein ähnliches Bild zeichnet auch das Bildungs- und Pflegeheim St. Martin Düngenheim, Kaisersesch und Ulmen – einer der größten Arbeitgeber des Landkreises. 25 Prozent des Personalstandes war im Januar zum Teil arbeitsunfähig. In Zahlen: 239 von insgesamt 947 Beschäftigten. Wobei sich diese Zahl auch wieder dadurch relativiert, weil nicht jeder Ausfall gleich lang dauerte. Im Winter sei das aber normal, da sei der Krankenstand allgemein immer höher. "Kompensiert werden die Ausfälle durch Kollegen, meist im Rahmen von Überstunden", teilt St. Martin mit.

"Klar, wir haben damit auch ein Problem, vor allem vergangene Woche waren zehn von insgesamt 70 Lehrern krank", sagt Burkhard Karrenbrock, kommissarischer Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Zell. Leider sei auch Unterrichtsausfall dann nicht mehr zu verhindern, denn es sei schwer, Vertretungslehrer zu finden. Auch an der IGS versuchen laut Karrenbrock die gesunden Kollegen die krankheitsbedingten Ausfälle so gut es geht zu kompensieren.

Die Kreisverwaltung ist ebenso stark von der derzeitigen Krankheitswelle betroffen. Insbesondere sei dies laut Website bei den publikumsintensiven Bereichen, wie den Bürgerdiensten, der Kfz-Zulassung oder der Führerscheinstelle der Fall. "Eine Kompensation des sehr hohen Krankenstandes ist nicht möglich", teilt die Kreisverwaltung mit. Die Besucher der Verwaltung müssen sich dadurch auf lange Wartezeiten einstellen. Sofern nicht zwingend in dieser und der kommenden Woche erforderlich, sollte ein Besuch möglichst verschoben werden.

Und wie schätzt das Gesundheitsamt die Situation ein?

Die Aktivität der Influenza sei zurzeit bundesweit und auch im Landkreis Cochem-Zell deutlich gestiegen. Folgendes sollte daher von den Bürgern beachtet werden: 1. Um eine weitere Verbreitung zu vermeiden, sollte der Kontakt zu anderen Menschen möglichst eingeschränkt werden, insbesondere zu Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren sowie Senioren und Menschen mit geschwächter Immunabwehr oder mit Grunderkrankungen. 2. Zuhause bleiben und Bettruhe einhalten. 3. Für eine regelmäßige Durchlüftung des Raumes sorgen. 4. Man sollte sich an einen Arzt wenden, wenn starke Krankheitszeichen auftreten oder sich erneut verschlimmern.

Wenn die Influenza nicht schnell beziehungsweise nicht gut auskuriert wird, können zudem Komplikationen auftreten – wie zum Beispiel Lungenentzündungen, bei Kindern Mittelohrentzündungen, selten Entzündungen des Gehirns oder des Herzmuskels.

Christoph Bröder

Cochem Zell
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