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    Cochem-Zell

    Übers Wild im Bild: Ein Jagdhorn kann das Handy ersetzen

    In Felswände geritzte oder gemalte Szenen in Höhlen belegen, dass die Jagd auf Tiere für die ersten Menschen Grundlage zum Überleben war. Und bereits in der Eiszeit haben die Jäger mit Tierhörnern Signale abgegeben, die zur Verständigung und Orientierung während der Jagd dienten, aber auch dazu, die Gegner im Revier mit lauten Tönen zu erschrecken. Die „Jagdmusikfreunde Wilde Endert“ dagegen blasen nur ins Horn, weil sie sich selbst und ihren Zuhörern eine musikalische Freude bereiten möchten.

    In der Jagdmusikszene des Kreises und der Region sind sie eine feste Größe: die Jagdmusikfreunde „Wilde Endert“.  Foto: privat
    In der Jagdmusikszene des Kreises und der Region sind sie eine feste Größe: die Jagdmusikfreunde „Wilde Endert“.
    Foto: privat

    Acht Männer und eine Frau treffen sich derzeit zweimal in der Woche zu Proben unter der Leitung von Franz-Josef („Josi“) Becker aus Masburg. Die außergewöhnliche Musikgruppe hat es im Laufe der Jahre zum Preisträger von renommierten Jagdmusikwettbewerben gebracht. Da fast alle Musiker der „Wilden Endert“ auch Jäger sind, haben die ungewöhnlichen Blasinstrumente für sie eine besondere Bedeutung. Alle Töne, die sie den schneckenförmig gewundenen Blechröhren entlocken, stellen auch einen Bezug zur traditionellen Jagd her.

    Becker, selbst passionierter Jäger, bedauert, dass Brauchtum der Jagd verloren geht: „Bei manchen Ritualen ist das nicht schlimm, weil die heute keiner mehr versteht, etwa uralte Vorschriften beim Aufbrechen des Wildes, die aus heutiger Sicht sinnlos sind.“ Doch die Tradition des Jagdhornblasens möchte der 60-Jährige beibehalten: „Wo ich dabei bin, wird auch geblasen. Und vielen jungen Jägern gefällt das.“ Zur Kommunikation hat heute jeder Jäger sein Handy in der Tasche. Doch Becker erinnert daran: „In vielen engen Waldtälern der Eifel, zum Beispiel im Martental, gibt es keinen Handyempfang. Allein zur eigenen Sicherheit habe ich deshalb immer ein Jagdhorn dabei. “

    Eine traditionelle Jagd wird durch bestimmte Hornsignale von der Begrüßung über den Aufbruch bis hin zum Verblasen am Ende begleitet. Letzteres ist Becker besonders wichtig, weil die Jäger so dem erlegten Wild die letzte Ehre erweisen. Die unterschiedlichen Jagdsignale werden meist auf dem Fürst-Pless-Horn in B geblasen (siehe Auslagerung). Ursprünglich waren die Tonfolgen nicht als Musik im künstlerischen Sinn gedacht, sondern hatten lediglich den praktischen Nutzen der Verständigung.

    Becker hat bereits als Kind die Musik geliebt und beim Cochemer Musikverein die klassische Ausbildung zum Trompeter gemacht. In der Jugendzeit verdrängten wie so oft andere Interessen das Musizieren. Erst als er mit 25 Jahren die Jägerprüfung machte, entdeckte er bei einem Jägerkollegen das Jagdhorn, blies aus Neugierde hinein und war sofort fasziniert von diesem Instrument. Als Trompeter hatte er die Technik des Hornblasens schnell raus, doch schon bald reichten ihm die Möglichkeiten des kleinen B-Horns, das nur fünf bis sechs Töne hervorbringt, nicht mehr aus. Zwar gewann Becker mit der Bläsergruppe Kaisersesch einige Wettbewerbe in der niedrigsten Klasse, doch er fühlte sich musikalisch unterfordert, sodass er im Jahr 2000 die eigene Bläsergruppe „Wilde Endert“ gründete.

    Wir haben geübt und geübt und 2003 mit zwölf Mann schließlich unsere erste Hubertusmesse gespielt.

    "Josi" Becker von den Jagdmusikfreunden "Wilde Endert"

    Um ihren hohen Anspruch zu erfüllen, Jagdmusikkonzerte zu geben, Hubertusmessen zu begleiten und sich bei Wettbewerben mit anderen Bläsern zu messen, schaffte die Gruppe die sogenannten Es-Hörner an, die immerhin 17 Naturtöne erzeugen können und „aufgewickelt“ länger als vier Meter sind. Becker erinnert sich: „Wir haben geübt und geübt und 2003 mit zwölf Mann schließlich unsere erste Hubertusmesse gespielt.“ Auf Anregung Beckers verbesserte die Gruppe ihre Bläserkunst in zahlreichen Kursen und Seminaren: „Bei Profis lernten wir die richtige Atemtechnik, den besten Ansatz der Lippen am Mundstück, die Funktion der Lippen und vieles mehr.“

    Die Bläser aus der Eifel lernen zudem die Vielfalt und Besonderheit der Jagdmusikliteratur kennen, etwa die französische Jagdmusik, die traditionell mit bis zu 17 Fanfaren und den ziemlich lauten Parforcehörnern eine besondere Stellung einnimmt. Die Jagdhornbläser mit „Josi“ Becker bereichern mittlerweile zahlreiche Hubertusmessen, Blasmusikkonzerte und private Feiern in der Region. Das Repertoire der „Wilden Endert“ umfasst etwa 120 Stücke. Kostproben ihres Könnens gibt die Gruppe am Sonntag auf Burg Pyrmont, wo sie um 10.30 Uhr einen Hubertus-Gottesdienst begleitet.

    Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

    Ins Horn gestoßen: Signale und Musik

    Jagdhörner sind in ihrer ursprünglichen Verwendung als Signalinstrument bei Gesellschaftsjagden im Einsatz. Das Standardinstrument des modernen Jägers ist das Fürst-Pless-Horn mit einer Länge von etwa 1,40 Metern, das fünf bis sechs Naturtöne hervorbringt. Naturhörner besitzen keine Ventile oder Klappen, sodass der Tonumfang eingeschränkt ist.

    Moderne Jagdhörner, die auch als Musikinstrumente eingesetzt werden, etwa das Es-Horn mit 17 Tönen und das französische Parforcehorn, das Jäger, die zu Pferd unterwegs sind, umgehängt tragen, gehören zu den Blechblasinstrumenten. bme

    Cochem Zell
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