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Wander-Projekt feiert Geburtstag: Traumpfadeleuchten für die Region

"Wir kommen wieder“, so sagten es Dutzende Wanderer, die bei der offiziellen Eröffnung der Traumpfade im April 2008 in Bendorf-Sayn dabei waren – und sie taten es in Scharen. Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren gibt es die 26 Traumpfade in der Region. Das zehnjährige Bestehen im Jahr 2018 feiert die Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (Remet) gemeinsam mit den Kommunen im Kreis Mayen-Koblenz und vielen weiteren Akteuren mit einem vielfältigen Festprogramm.

So wurden am Wochenende bei der Aktion „Leuchtende Pfade“ unter anderem sieben Sehenswürdigkeiten entlang einzelner Traumpfade in der Region illuminiert. Und am 3. Oktober wird beim RZ-Wandertag unter anderem der Traumpfad Saynsteig erwandert.

Doch wie haben sich die Premiumwanderwege überhaupt entwickelt? Wir haben mit dem stellvertretenden Geschäftsführer der Remet, Michael Schwippert, über die Entwicklung der Traumpfade gesprochen.

Gewandert wurde im Kreis auch schon vor 2008. Warum hat man sich seinerzeit dazu entschlossen, die Traumpfade aus der Taufe zu heben?

2008 haben wir die ersten elf Traumpfade eröffnet, mit der Planung dafür haben wir aber schon 2005 begonnen. Wir haben damals beschlossen, rund 1 Million Euro in das Thema Wandern zu stecken, was sicherlich damals von manchen belächelt worden ist, weil es überraschend war, so viel Geld in das Wandern zu stecken. Seinerzeit hat unter anderem der neu eröffnete Rheinsteig in der Region den Anstoß gegeben. Es war die Zeit, in der das Wandern das verstaubte Image abgelegt hat und neu erfunden wurde. Wir waren mit der Remet einer der Ersten, die dieses Thema mit Rainer Brämer, dem Wanderpapst schlechthin, neu aufgestellt haben. Er hat immer schon gesagt, dass Rundwege die Zukunft sind. So waren wir die erste Region in ganz Deutschland und Europa, die diese Rundwege unter einer gemeinsamen Dachmarke, den Traumpfaden, angeboten hat.

Wie wurden die Pfade seit ihrer Entstehung vor zehn Jahren überhaupt angenommen?

Sie wurden hervorragend angenommen. Wir haben aktuell ungefähr 350.000 Wanderer pro Jahr auf unseren Wegen. Messbar haben wir 450.000 unterschiedliche Besucher auf unserer Homepage sowie rund 30.000 Fans auf Facebook. Außerdem haben wir vor zehn Jahren mit 600.000 Übernachtungen angefangen, vergangenes Jahr waren es dann schon 880.000. Das ist schon eine beträchtliche Steigerung, und das alles ohne Camper. Die Zahlen kommen noch obendrauf. Für dieses Jahr haben wir für das erste Halbjahr weitere 6,7 Prozent mehr Übernachtungen. Wenn das so bleibt und wir die Zahlen hochrechnen, dann kommen wir auf 940.000 Übernachtungen dieses Jahr, sodass wir nächstes Jahr gegebenenfalls die Million erreichen könnten. Das ist eine gigantische Steigerung.

Sind die Traumpfade denn allein für diese Steigerung der Übernachtungszahlen verantwortlich?

Die Steigerung hat sicherlich mehrere Gründe. In den vergangenen zehn Jahren sind mehrere touristische Projekte, beispielsweise der Geysir in Andernach oder die Sayner Hütte in Bendorf-Sayn, entstanden. Ich denke, ein Großteil dieser Steigerung ist auf die Traumpfade zurückzuführen. Diese Rückmeldung wird uns zumindest von unseren Gastgebern im Kreis gegeben. Wir haben unzählige Hotels, die mittlerweile eine Auslastung von bis zu 80 Prozent nur mit Wanderern haben, wo vor zehn Jahren kaum jemand gewandert ist. Die Wanderer kommen heute aus allen Teilen Deutschlands und bleiben auch mehrere Tage in der Region, zum Teil bis zu einer Woche. Wer hätte das vor zehn, fünfzehn Jahren gedacht, dass Leute für eine Woche zum Wandern in den Kreis Mayen-Koblenz kommen?

An welche Klientel richtet sich das Angebot der Traumpfade überhaupt?

Die Klientel ist sehr breit gefasst. Wir haben jetzt versucht, mit dem Thema Traumpfädchen da noch eins draufzusetzen und diese Traumpfade-Klientel noch etwas auszubauen. Wir haben festgestellt, dass manchen die Traumpfade zu schwer oder zu lang sind. Und so haben wir diese Spazierwanderwege angeboten, die Traumpfädchen, um beispielsweise älteren Menschen oder Familien mit Kindern das Wandern zu ermöglichen. Oder aber Leuten, die am An- oder Abreisetag eine kleinere Wanderung machen wollen. Traumpfade und Traumpfädchen bieten gemeinsam für jeden etwas. An manchen Orten gibt es ja sogar Traumpfad und Traumpfädchen. Es gibt Veranstalter, die Wanderungen in der Region anbieten, und die Teilnehmer können sich dann entscheiden, ob sie die große Tour, beispielsweise den Wacholderweg, oder das kleine Traumpfädchen, den Wacholderblick, wandern möchten.

Allein kann die Remet die Traumpfade nicht in Schuss halten. Wie wichtig sind in diesem Zuge die Wegepaten?

Die Wegepaten sind entscheidend in dem ganzen Konzept. Ohne die fast 40 Wegepaten, die auf den Traumpfaden und Traumpfädchen ehrenamtlich für uns arbeiten, wäre dieser ganze Erfolg nicht machbar gewesen. Dieses ehrenamtliche Engagement, das die Leute teilweise seit zehn Jahren leisten, ist mehr als großartig. Nicht vergessen, darf man aber auch die Kommunen, die die Wege herrichten, Treppenstufen ausbessern oder Wege freischneiden.

Mittlerweile gibt es insgesamt 26 Traumpfade in der Eifel sowie an Rhein und Mosel. Seit vergangenem Jahr sind außerdem nach und nach noch zehn Traumpfädchen hinzugekommen. Gibt es damit nunmehr nicht ein Überangebot an Wanderwegen im Kreis Mayen-Koblenz?

Ein Überangebot gibt es auf keinen Fall. Es gab eine große Nachfrage nach Wanderwegen. Die 26 Traumpfade wollten wir von Anfang an so umsetzen. Das haben wir dann auch in drei Stufen so getan. Es kamen sehr viele Wanderer auf uns zu, die gefragt haben, wann die nächsten Traumpfade und Wege kommen. Da sind wir froh, dass wir jetzt mit den Traumpfädchen ein neues Produkt anbieten können, was hervorragend anläuft. Die Traumpfade sind gigantisch angelaufen, aber die Traumpfädchen lassen erkennen, dass es noch besser wird und noch mehr Wanderer unterwegs sind. Die Parkplätze sind noch voller, und von den Gastgebern bekommen wir ein noch besseres Feedback.

Wie soll es in den nächsten Jahren mit den Traumpfaden weitergehen?

Wir wollen die Nachhaltigkeit sicherstellen. Den Wanderern versprechen wir, dass wir wirklich tolle Wege haben, sie sich nicht verlaufen und die Qualität stimmt. Das müssen wir in den nächsten Jahren gemeinsam mit unseren Traumpfade-Wegepaten und den Kommunen sicherstellen. Wir würden außerdem die Wertschöpfungskette gern noch ausbauen – Stichwort: regionale Produkte. Wir haben sehr viele Wanderer, die beispielsweise aus dem Ruhrgebiet in unsere Region kommen. Ich denke, dass man da noch Mehrwerte generieren kann, wenn sie eine Tagestour hierhin machen. Warum sollen sie am Ort nicht beispielsweise noch Honig, Kartoffeln oder Obst mitnehmen. Damit wollen wir eine stärkere Verknüpfung zu landwirtschaftlichen Direktvermarktern herstellen. Eine andere Wertschöpfungsmaßnahme ist sicherlich das Thema Wohnmobile, was wir auch noch angehen werden. Wir haben mit Niesmann und Bischoff einen der größten Wohnmobilproduzenten Deutschlands hier im Landkreis, wo ohnehin viele Wohnmobile hinfahren. Außerdem haben wir eine Vielzahl von Stellplätzen, zum Beispiel in Andernach am Rhein. Da wollen wir stärker die Verknüpfung suchen zwischen den Wanderern und den Wohnmobilisten.

Das Gespräch führte Andreas Egenolf

Die weiteren Wanderungen und Aktionen zum zehnten Geburtstag der Traumpfade gibt es im Internet unter der Adresse ku-rz.de/traumpfade10

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