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    Mendig

    "Stolpersteine" sollen in Mendig an Opfer erinnern

    Auf Beschluss des Stadtrats im April vergangenen Jahres sollen in ganz Mendig "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt werden.

    Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel (Mitte) und Mitglieder des Arbeitskreises präsentierten eine ausgearbeitete Liste der potenziellen Personen, an die mit "Stolpersteinen" erinnert werden soll.
    Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel (Mitte) und Mitglieder des Arbeitskreises präsentierten eine ausgearbeitete Liste der potenziellen Personen, an die mit "Stolpersteinen" erinnert werden soll.
    Foto: Patrick Grosse

    Von unserem Mitarbeiter Patrick Grosse

    Es ist das Jahr 1938. In Niedermendig gibt es eine jüdische Gemeinde mit rund 80 Mitgliedern. Sie leben friedlich in unmittelbarer Nähe der örtlichen Synagoge. Im November des Jahres ändert sich ihre Situation schlagartig. Während der Reichspogromnacht zerstören die Nationalsozialisten die Mendiger Synagoge. Immer mehr Juden werden in Konzentrationslager deportiert. Auch andere Minderheiten wie Sinti und Roma oder Behinderte werden Opfer des Nationalsozialismus. Die Stadt Mendig möchte an die grausamen Taten erinnern und den deportierten Menschen wieder einen Namen geben. Auf Beschluss des Stadtrats im April vergangenen Jahres sollen in ganz Mendig "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt werden.

    Es handelt sich um Betonsteine, die in den Gehweg eingelassen werden. Auf der Oberseite befindet sich eine Messingtafel, die Informationen zum Schicksal der deportierten Person gibt. Nun stellte Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel das Projekt in den Ratsstuben vor. Rund 30 interessierte Bürger kamen, um sich über die Verlegung der Stolpersteine zu informieren. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, wo Opfer der NS-Zeit früher gelebt haben", erklärte Ammel. Die, die an den Mahnmalen vorbeilaufen, sollen an Verfolgung und Deportation erinnert werden.

    Am 12. Mai wird der Künstler Gunter Demnig nach Mendig kommen, um an sieben Standorten insgesamt 15 Steine zu verlegen. Die Stolpersteine werden am letzten freiwillig gewählten Wohnsitz der Opfer eingesetzt. Um diese Standorte herauszufinden, bildete sich im Stadtrat ein Arbeitskreis, der sich der Sache annahm. Das Ergebnis ist eine lange Liste mit 85 potenziellen Personen. Hans-Peter Ammel präsentierte ebenfalls eine Karte mit den damaligen Wohnungen der Verfolgten. "Hiermit möchten wir auch die Hauseigentümer informieren, damit die Verlegung für sie nicht überraschend kommt", ergänzte Ammel.

    Betroffen ist zum Beispiel die Hospitalstraße. Dort lebte die Familie Mayer. Martin Mayer kam im Jahr 1877 in Niedermendig zur Welt. Er war Jude und musste die Konfrontation mit den Nationalsozialisten befürchten. 1939 flüchtete Mayer daher nach Holland zu seiner Tochter Bella. 1943 starb der dann 66-Jährige im Vernichtungslager Sobibor*. Er gehört zur engeren Auswahl der ersten Steinverlegung.

    Der Familienname May hat eine ebenso große Häufung in der zusammengestellten Liste. Familie May ist in der Kirchstraße zu lokalisieren. Bertha May war jüdischen Ursprungs und wurde 1887 in Mendig geboren. Am Ende ihres Lebens musste die Frau mit einer Behinderung leben, weshalb sie im Pflegeheim Bendorf-Sayn untergebracht war. Auch sie wurde Opfer des NS-Regimes. Sie starb im März 1942 in Izbice in Polen.

    Auch Bertha May könnte im Mai ein Stolperstein gewidmet werden. Weitere betroffene Straßen sind der Kirchberg, die Bachstraße mit der Familie Löwenstein und die Thürer Straße, wo die Familie Lukas lebte.

    Insgesamt 14 Gebäude konnte der Arbeitskreis bisher ausfindig machen. Darüber hinaus will man mit einem Stein vor dem Pfarrheim an das Schicksal von Pfarrer Bechtel und Kaplan Schlicker erinnern. Beide widersetzten sich bis zuletzt den NS-Ideologien.

    Während der Vorstellung nahmen die Bürger das Projekt durchaus positiv auf. Zahlreiche private Sponsoren wollen sich daher an der Finanzierung beteiligen: "Wir haben mehr Sponsoren, als der Künstler Steine verlegen kann", sagte Ammel erfreut.

    Bei der Frage nach weiterreichenden Maßnahmen baten sich die Mendiger Schüler an, seien es beim Durchführen von Reparaturmaßnahmen oder dem Bereitstellen von weiterführenden Informationen. Der Arbeitskreis hat seine Arbeit aufgenommen und hofft, das Projekt auch nach der Verlegung im Mai weiter mit Leben zu füllen. Nach dem ersten Durchgang sind weitere Verlegungen in den kommenden Jahren geplant. Die Stadt Mendig erinnert so auf besondere Weise an eine schlimme Zeit ihrer Geschichte und will ihre Bürger im Umgang mit der Vergangenheit sensibilisieren.

    [Update:] In unserer gedruckten Ausgabe haben wir zur geografischen Einordnung die Formulierung "im polnischen Vernichtungslager Sobibor" benutzt und damit Gefühle polnischer Menschen verletzt. Wir bedauern das und bitten um Entschuldigung. Sobibor war ein deutsches KZ-Lager auf durch Nazi-Deutschland besetztem polnischen Gebiet. Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) kritisiert Formulierungen wie "polnische Konzentrationslager" als Unwörter, die falsche Vorstellungen von der Verantwortung für NS-Verbrechen suggerieriten.

     

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