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Mendig

Stolpersteine in Mendig erinnern an die Opfer der Nazis

Auf dem Gehweg der Heidenstockstraße erinnert nun eine beschriftete Messingplatte an das Schicksal von Martin Mayer. Der Mendiger floh 1939 vor den Nationalsozialisten nach Holland. Vier Jahre später wurde er nach Polen deportiert.

Der Künstler Gunter Demnig (3. von rechts) hat in Mendig 22 Stolpersteine zum Gedanken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.
Der Künstler Gunter Demnig (3. von rechts) hat in Mendig 22 Stolpersteine zum Gedanken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.
Foto: Andreas Walz

Von unserem Mitarbeiter Carsten Männlein

Martin Mayer wurde ermordet. Der Mendiger floh 1939 vor den Nationalsozialisten nach Holland. Vier Jahre später wurde er nach Polen deportiert. Mayer starb 1943 in einer Gaskammer des Vernichtungslagers Sobibor. Auf dem Gehweg der Heidenstockstraße erinnert nun eine beschriftete Messingplatte an Martin Mayers Schicksal.

Insgesamt 22 dieser sogenannten Stolpersteine sollen in der Stadt Mendig die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachhalten. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat die Gedenktafeln am letzten freiwillig gewählten Wohnsitz der Opfer eingesetzt. Das Projekt "Stolpersteine" gilt als größtes dezentrales Mahnmal der Welt. Seit mehr als 20 Jahren werden Betonsteine von Demnig mit einer individuell beschrifteten Messingplatte versehen. Rund 47 000 Stolpersteine hat der Künstler bereits verlegt.

Vor mehr als einem Jahr begannen im Mendiger Stadtrat die Planungen. Dem Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen folgte der Rat einstimmig. Ein Arbeitskreis forschte nach Mendiger Opfern und konnte Anfang des Jahres eine Liste mit mehr als 30 Namen vorstellen. Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel erinnert sich: "Wir haben Zeitzeugen befragt, Nachkommen gesucht und Unterlagen ausgewertet. Es war eine spannende Zeit." Bei den Recherchen habe ihn die Rohheit und Unmenschlichkeit der Täter besonders bewegt. "Man beschäftigt sich noch einmal mit den einzelnen Schicksalen. Nach den Treffen mit dem Arbeitskreis geht man still und betroffen nach Hause", erzählt Ammel.

Marion Retterath und Leo Heinen sind ebenfalls Mitglieder der Arbeitsgruppe. Die beiden Lehrer nahmen mit einem Teil ihrer Schüler an der Verlegung der Stolpersteine teil. "Uns war wichtig, die Schulen einzubinden. Im Unterricht haben wir über das Thema gesprochen. Wir hoffen, dass die Idee weitergeführt wird", sagte Heinen und wies darauf hin, dass die Gedenksteine nicht nur an jüdische Opfer erinnern. Ebenfalls wird an verfolgte Sinti und Roma gedacht. Zwei Steine rufen dem Betrachter die Leistungen von Pfarrer Joseph Bechtel und Kaplan Peter Schlicker ins Gedächtnis. Bis zuletzt widersetzten sich die beiden Geistlichen den Nationalsozialisten.

Die Stolpersteine stoßen nicht überall auf Zustimmung. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, übte mehrmals Kritik. Laut Knobloch würde das Andenken an die Opfer nochmals entwürdigt und sprichwörtlich mit Füßen getreten.

Dieser Auffassung kann sich Joseph Pasternak nicht anschließen. Pasternak ist Kantor der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz. Er nahm in Mendig an der Verlegung teil. "Ich finde die Stolpersteine sehr schön und eindrucksvoll. Sie sind kein Grab, sondern ein Denkmal", betonte Pasternak. Mittlerweile sei diese Art des Gedenkens und Mahnens zu einem Ritual geworden. Pasternak fügte hinzu: "Am Ende geht es beim Erinnern weniger um das Wie als um das Ob."

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