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Mayen

St. Martin: Haflinger-Pony Blitz leistet Schwerstarbeit beim Umzug in Mayen

Dieses Pferd ist eigentlich ein alter Hase: Schon seit 15 Jahren reitet Blitz, so heißt das Haflinger-Pony, beim Martinsumzug auf dem Bernardshof vornweg. Das sieht zwar alles routiniert aus, aber dennoch bedeutet es für Blitz immer Schwerstarbeit.

Roswitha Gottschalk schlüpft in die Rolle des St. Martin. Während des Lichterumzuges zum Martinsfeuer wird sie von Pferdewirtschaftsmeisterin Melanie Sigl aus Sicherheitsgründen begleitet.
Roswitha Gottschalk schlüpft in die Rolle des St. Martin. Während des Lichterumzuges zum Martinsfeuer wird sie von Pferdewirtschaftsmeisterin Melanie Sigl aus Sicherheitsgründen begleitet.
Foto: Elvira Bell

Nun sieht man sie wieder mit ihren Fackeln und die traditionellen Lieder singend durch die Straßen ziehen. Für die Kinder hat Sankt Martin nichts von seinem Reiz verloren. Die Lieder erzählen die Geschichte von St. Martin, der mit seinem Pferd durch Schnee und Wind ritt und als Schutzpatron der Armen seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt hat.

Auch im Jugendhilfezentrum Bernardshof in Mayen wird alljährlich die Erinnerung an Martins Tat – als Sinnbild der Barmherzigkeit und Nächstenliebe – lebendig gehalten. Nach einem Impuls in der Kapelle setzt sich am Mittwoch vom Haupthaus der Einrichtung der Martinszug zum Feuer in Bewegung. Seit vier Jahren stellt Roswitha Gottschalk den hilfsbereiten Heiligen dar. „Für mich persönlich ist es etwas ganz Besonderes, wenn ich mit der Musikkapelle und den singenden Kindern, Jugendlichen, Eltern, Mitarbeitern und deren Familien den Zug mit dem Pferd anführen darf“, sagt die 53-Jährige. Sie ist im Bernardshof als pädagogische Kraft tätig und kümmert sich um behinderte Jugendliche.

Obwohl Blitz ein Pony mit seinem sehr ausgeglichenen guten Gemüt ist, bedeutet der Martinsumzug für ihn – er reitet beim Umzug seit 15 Jahren vornweg – eine außergewöhnliche Stresssituation. „Dunkelheit, die flackernden Lichter der Laternen, laute Musik, Menschenmengen und Feuer – das sind alles Faktoren, die bei Pferden zu Unruhe, Nervosität und Angstzuständen, eventuell mit Fluchtreaktionen oder sonstigen Verhaltensweisen führen können“, weiß Gottschalk.

Deshalb weisen sie und ihr Reitanlagenteam in jedem Jahr ihre Kollegen auf mögliche Gefahren hin. „Es ist wichtig, Abstand vom Pferd zu halten. Das Tier verhält sich in einer solchen Ausnahmesituation nicht so, wie wir es sonst kennen.“

Für den Tag selbst bekommt das 21-jährige Haflinger Pony seine Mähne, das Fell und den Schweif ganz besonders fein gestriegelt. Zudem werden seine Hufe gefettet. Da es sich bei dem Therapiepony nicht um einen Schimmel handelt, trägt es weiße Gamaschen, um herrschaftlich auszusehen. Zudem hat Blitz unter dem Sattel an St. Martin eine weiße Decke. Und auch Roswitha Gottschalk macht sich chic. Obwohl es ein neues Gewand gibt, trägt sie lieber den alten roten, mit Goldnähten verzierten, Umhang. Und das hat einen Grund: Genau diesen Umhang hat schon ihr Mann Alex mehr als 20 Jahre beim Martinsumzug im Bernardshof getragen. Nach dessen Tod setzt Roswitha Gottschalk in seinem Sinne die Tradition fort – für sie ist St. Martin auch deshalb ein sehr emotionaler Moment.

Wie für sie ist es auch für Regina Freisberg wichtig, die Martinstradition aufrechtzuerhalten. Freisberg ist die Direktorin des Jugendhilfezentrums. Gerade in einer schnelllebigen Zeit, die von Reizüberflutungen und vom Zerfall der Familien geprägt sei, wäre es wichtig, dass Bräuche und Traditionen lebendig bleiben, betont sie. „Gelebte Bräuche vermitteln das Gefühl und Verwurzelung. Rituale sind beharrlich und ändern sich nur selten. Sie erzeugen somit ein Gefühl der Verlässlichkeit und Regelmäßigkeit und geben jungen Menschen Halt“, ist sie überzeugt. Vor allem in der Fremde, außerhalb der eigenen Familie, bestehe bei Kindern und Jugendlichen oft das Bedürfnis, sich auf vertraute Traditionen zurückzubesinnen. „St. Martin als der Inbegriff des helfenden Menschen passt wie kein zweiter Heiliger zum Jugendhilfezentrum Bernardshof“, so die Direktorin.

Und deshalb dürfte der alte Hase Blitz lange noch mit St. Martin unterwegs sein. Zum alten Eisen zählt er noch nicht.

Von unserer Mitarbeiterin Elvira Bell

Mayener Einrichtungen gehören zu den Orten des Teilens

Wenn sich am Mitwoch, 8. November, der Martinszug auf dem Bernardshof in Bewegung setzt, gibt es einen weiteren Grund zu feiern: Der Mayener Zuweg zum Martinusweg ist fertiggestellt. Die Zuwegung beginnt in Mayen und geht in Trier in den Hauptweg über. Anlässlich der Fertiggestellung wird der Diakon an diesem Tag um 16.30 Uhr in der Kapelle des Jugendhilfezentrums das Schild „Ort des Teilens“ allen Mitgliedern des Netzwerks „Augenhöhe – Begegnung pur“ überreichen. Das Netzwerk Augenhöhe orientiert sich an der Haltung des Martin von Tours: Er hat gegeben, was er gut teilen konnte. An den Orten des Teilens ist jeder eingeladen, bei einem Glas Wasser, einer Tasse Tee oder Kaffee miteinander Zeit, Aufmerksamkeit, Leid, Geschichten und Glück zu teilen. Die entsprechenden Einrichtungen stehen allen Menschen offen, die Begegnung mit anderen Menschen suchen. In Mayen gehören unter anderem dazu das Altenzentrum St. Johannes, die Kleiderkammer der AWO, der Offene Treff des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums und der Bernardshof. Der Martinusweg verbindet den Geburtsort des Sankt Martin, Szombathely in Ungarn, mit seiner Grablege in Tours in Frankreich.

Infos zum Martinusweg gibt es unter: www. caritas.de/martinusweg

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