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Rieden

So sieht Fotograf Haberscheidt Natur und Tiere: Einblicke ins Fotoarchiv

Manchmal dauert es eine ganze Woche, bis der Moment gekommen ist. Damals, beim Foto vom Eisvogel zum Beispiel. „Der ist sehr empfindlich“, erklärt Harald Haberscheidt. „Ein Eisvogel merkt sich sogar, wie die Umgebung aussieht.“ Und wenn ihm etwas komisch vorkommt, dann lässt er sich erst einmal nicht mehr blicken.

Aber Haberscheidt weiß, wie er Eisvögel vor die Linse bekommt. Aus seinem Beobachtungszelt heraus hat der Naturfotograf aus Rieden ganze Serien der scheuen Tiere geschossen. „Man muss ihnen die Zeit geben, sich an die veränderte Umgebung zu gewöhnen“, erklärt er. Deswegen wird meist erst einmal nur das Zelt aufgestellt – und stehen gelassen. „Erst nach einigen Tagen setzt man sich dann auf die Beobachtung.“

Seit etwa 15 Jahren fotografiert Haberscheidt regelmäßig Tiere und die Natur. Anfangs war es bloß ein Ausgleich für seinen stressigen Job als Vertriebsleiter einer Software-Firma. „Da war es abends einfach eine Möglichkeit, die Kamera in die Hand zu nehmen, und zehn Minuten später ist der ganze Stress von mir abgefallen“, erzählt Haberscheidt. Inzwischen hat sich die Fotografie für ihn längst zu einem ambitionierten Hobby entwickelt, das ihn fast jedes Wochenende von Rieden aus in die Natur der Umgebung treibt, im Sommer auch mal abends, „solange das Licht einigermaßen ist“. Seine Exkursionen führen zum Beispiel in die Thürer Wiesen oder ins Brohltal, in die Siegauen bei Troisdorf oder ins Moseltal. „Man muss einfach mit offenen Augen durch die Landschaft gehen, dann fällt einem auch etwas auf. Das ist definitiv Übungssache.“

Harald Haberscheidt hat einen Blick für die Natur.
Harald Haberscheidt hat einen Blick für die Natur.
Foto: privat

Haberscheidt fotografiert Landschaften, Insekten, am liebsten aber Vögel. „Da gibt es so viele unterschiedliche Spezialisten“, erzählt der Riedener und gerät fast ins Schwärmen. Zum Beispiel die Wasseramsel. „Die wird von vielen gar nicht wahrgenommen, weil sie dicht über dem Wasser fliegt und von oben aussieht wie eine ganz normale Amsel.“ Aber der Vogel hat besondere Fähigkeiten. „Er kann tauchen und kommt fast völlig trocken wieder aus dem Wasser heraus. Und ich habe ihn auch schon in starker Strömung stehen sehen.“

Über die Jahre hat sich Haberscheidt ein profundes Wissen über die Natur angeeignet. Ihm ist das wichtig. „Man muss über die Tiere und ihren Lebensraum Bescheid wissen“, findet der Riedener, auf dessen Couchtisch das Standardwerk „Die Vogelwelt von Rheinland-Pfalz“ liegt. „Mittlerweile erkenne ich viele Vögel an ihrem Gezwitscher“, erzählt er. „Daran kann ich abschätzen, mit was ich rechnen muss.“

Eine gründliche Vorbereitung ist für ihn die halbe Miete, um gute Fotos zu machen. Haberscheidt möchte so wenig wie möglich dem Zufall überlassen. „Ich versuche schon, dorthin zu fahren, wo die Chance besonders groß ist, ein bestimmtes Tier zu fotografieren“, sagt er. Neben der Vorbereitung spielt für den Naturfotografen auch Erfahrung eine wichtige Rolle.

Aber manchmal muss alles auch ganz schnell gehen. Damals, beim Foto vom Rallenreiher zum Beispiel. Dieser Vogel ist in unserem Gefilden eher selten anzutreffen. Den Hinweis, dass Rallenreiher in den Thürer Wiesen gesichtet wurden, bekommt Haberscheidt per WhatsApp von einem anderen Vogelkundler. „Es gibt Netzwerke, in denen über so etwas gesprochen wird“, erklärt der Riedener. „Die ornithologisch interessierten Fotografen informieren sich dann gegenseitig, wenn wir Besuch von Vögeln haben, die es hier eigentlich gar nicht gibt.“ Als Haberscheidt den Tipp zum Rallenreiher bekommt, ist er innerhalb von 30 Minuten unterwegs. Diese Gelegenheit kann er sich nicht entgehen lassen. „Ich wusste ja nicht, wie lang die Vögel noch dort sind“.

Wenn Haberscheidt seinen Foto-Rucksack packt, kommen schnell an die 15 Kilo Gewicht zusammen. Die Kamera mit zwei oder drei Objektiven hat er immer dabei, dazu ein Stativ und für die Vogelbeobachtung das Tarnzelt samt Sitzgelegenheit. Nicht immer ist all das auch erforderlich. „Manchmal kann man einfach das eigene Auto als Deckung benutzen“, gibt Haberscheidt einen praktischen Tipp. Das funktioniere in einigen Situationen genauso gut wie ein Tarnzelt, „weil Vögel die Bewegung im Innern des Autos nicht wahrnehmen.“

Haberscheidt hat in der Abenddämmerung ein Video vom gesang der Feldlerche aufgenommen:

Die Arbeit im Feld ist aber nur ein Teil seines Hobbys. „Man muss nicht nur fotografieren können, sondern auch das digitale Labor beherrschen“, sagt Haberscheidt. „Allein das Foto zu machen, hilft einem nicht weiter, wenn man das Bild nicht entsprechend bearbeitet.“ Die sorgfältige Bildbearbeitung am Computer kann laut Haberscheidt die Hälfte der Bildqualität ausmachen.

Entscheidend bei der Bearbeitung sei der Eindruck, den man als Fotograf in dem Moment hatte, in dem das Bild entstanden ist. „Die Kamera ist ja nicht in der Lage, die Emotionen festzuhalten“, sagt Haberscheidt. Bei der Bearbeitung gehe es darum, diese zusätzlichen Informationen ins Bild hineinzubringen. „Ich versuche, das Bild so in Farbe und Form zu gestalten, dass es dem entspricht, wie ich es tatsächlich gesehen habe.“ Das ist durchaus kompliziert, denn „dass Wichtigste an einem bearbeiteten Bild ist, dass man nicht sieht, dass es bearbeitet ist“, sagt Haberscheidt. „Man sollte nach Möglichkeit vermeiden, dass das Bild gepanscht aussieht.“

Um seinen eigenen Weg in der Bildbearbeitung zu finden, hat Haberscheidt der Vergleich mit anderen Fotografen geholfen. Dazu hat er sich in einem Internetforum für Naturfotografen angemeldet und seine Bilder dort geteilt. „Das war schon eine harte Schule“, räumt der Riedener ein. Zwar sei er dort unter Gleichgesinnten gewesen. Aber eben auch unter sehr kritischen Fotografen. „Und am Anfang gab es dort einige, die in der Bildbearbeitung weiter waren als ich“, berichtet Haberscheidt.

Mittlerweile gehört er selbst zu den anerkannten Naturfotografen des Landes. Im vergangenen Jahr wurde seine Aufnahme eines Apollofalters zum Siegerbild des Fotowettbewerbs der Alexander- Koenig-Gesellschaft gekürt. Aber auch für die Zukunft hat Haberscheidt noch Ziele. „Interessant wäre es, Polarfüchse und Moschusochsen in Norwegen zu fotografieren“, sagt er. Und: „Ich würde auch gern Tiere dokumentieren, die besonders selten sind.“ Dabei geht es ihm aber nicht um reine Belegaufnahmen. „Ich möchte die Tiere schon so fotografieren, dass es ein schönes Bild ist.“

Tipps für gute Fotos

Das rät Harald Haberscheidt:

Die Bilder müssen scharf sein Dieser Tipp erklärt sich eigentlich von selbst. Ein unscharfes Foto ist kein gutes Foto. Deswegen sollte man beim Fokussieren unbedingt darauf achten, dass das Motiv auch scharf ist.

Motive entdecken und sorgfältig auswählen Wer bessere Fotos machen möchte, muss sein Auge schulen. Da kann es hilfreich sein, sich zum Beispiel die Werke alter Meister genauer anzuschauen. Von ihnen kann man viel über den Bildaufbau und die Lichtgestaltung lernen.

Nicht alles fotografieren, was da ist Wer bessere Bilder machen möchte, sollte nicht einfach drauflos knipsen, sondern sich Gedanken darüber machen, was das Bild eigentlich zeigen soll. Es geht nicht darum, das zu fotografieren, was da ist, sondern darum, etwas Besonderes zu fotografieren: einen besonderen Moment, ein besonderes Licht, ein besonderes Motiv.

Das richtige Objektiv für das entsprechende Motiv Wer größere Ambitionen hat, muss auch über seine Ausrüstung nachdenken. Denn nicht jedes Bild kann man mit dem Standardobjektiv machen. Für verschiedene Motive gibt es spezielle Objektive, von Weitwinkel- über Makro- bis hin zu Teleobjektiven.

Wert auf die Bildausarbeitung legen Das „Entwickeln“ der Fotos im digitalen Labor kann bis zu 50 Prozent der Bildqualität ausmachen. Ambitionierte Fotografen sollten sich auch mit diesem Aspekt auseinandersetzen.

Einen eigenen Stil finden Wer gern fotografiert, sollte sich mit anderen Fotografen vergleichen, um sich weiterzuentwickeln – zum Beispiel in Fotoportalen im Internet. Die eigenen Bilder sollten einen Wiedererkennungswert bekommen, einen eigenen Stil. 

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