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    Schweigeweg in Mayen gegen das Vergessen

    Fragt man Bärbel Weinert-Velten, wo sie war, als vor 25 Jahren die Mauer fiel, antwortet sie: Auf dem Schweigeweg durch die Mayener Innenstadt als Erinnerung an die Reichspogromnacht. Auch in diesem Jahr lief sie mit – als Moderatorin.

    Mehr als 120 Teilnehmer waren beim Mayener Schweigemarsch, der über fünf Stationen führte, dabei.
    Mehr als 120 Teilnehmer waren beim Mayener Schweigemarsch, der über fünf Stationen führte, dabei.
    Foto: Andreas Walz

    Von unserer Mitarbeiterin Yvonne Stock

    "Das hat mich als Kind schon getroffen, wie man Menschen jüdischen Glaubens diskriminiert und umgebracht hat", erzählt Weinert-Velten. Genau wie für den Bürgermeister von Mayen, Wolfgang Treis, ist ihr wichtig, junge Menschen in die Gestaltung des Gedenkens einzubinden, das von der Stadt und dem christlich-jüdischen Arbeitskreis organisiert wird.

    So stellten mit Leonie Boos und Bianca Irmen zwei Schülerinnen von der Realschule plus vor der ehemaligen jüdischen Schule die Frage: "Erinnern, warum? Ich kenne keine Täter und keine Opfer." Aber am Ende ihres Vortrags kamen sie zu dem Schluss, dass sie für das verantwortlich seien, was in Zukunft sein wird, und dafür die Erinnerung an das Vergangene wichtig sei. "Die ehemalige jüdische Schule ist das einzige jüdische Gebäude, das der Stadt erhalten blieb, – und in einem desolaten Zustand", klagte Weinert-Velten.

    Auch an einer unauffälligen Lücke zwischen zwei Häusern hielten die nach Polizeiangaben rund 120 bis 130 Teilnehmer des Schweigewegs. Dort stand die jüdische Synagoge, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört wurde, genau wie viele jüdische Geschäfte in Mayen. "Die Feuerwehr greift nicht ein, sie sorgt nur dafür, dass das Feuer nicht auf die Nachbarhäuser übergreift", erzählte Anja Steffens von der Stadtverwaltung.

    Auch durch die ehemalige Judengasse, heutige Kirchgasse, schlängelte sich der mit Kerzen beleuchtete Gedenkzug aus Jung und Alt. "Früher konnte sich eine Stadt glücklich schätzen, wenn es Juden gab", so Weinert-Velten. Die bildeten das Bankenzentrum und ermöglichten Investitionen. "Eine Zurückbenennung wurde im Stadtrat immer wieder diskutiert, aber man entschied sich bewusst für die heutige Lösung", trug Erich Vogt von der Caritas vor.

    Am jüdischen Friedhof in der Waldstraße erzählte Pfarrerin Metje Steinau, dass auch der ursprüngliche Friedhof 1944 zerstört wurde und die noch erhaltenen Grabsteine an ihren heutigen Platz gebracht wurden. Am jüdischen Mahnmal erinnerten Schüler der Elisabeth-Schule daran, dass die Juden zur Zeit des Nationalsozialismus immer an ihrem Davidstern zu erkennen waren. Stellvertretend für alle Mayener Opfer lasen die Kinder die Daten von drei Bürgern vor, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, bevor sich der Zug zur Andacht in der Heilig-Geist-Kapelle versammelte.

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