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    Koblenz/RegionSchichtarbeit belastet nicht nur den Körper

    Rund 5,64 Millionen Schichtarbeiter gab es nach Angaben der Bundesregierung im Jahr 2015 in Deutschland. Auch in Koblenz und der Region geht es nicht ohne den Schichtbetrieb. Vor allem für ältere Menschen wird diese Arbeitsform angesichts des steigendenden Rentenalters allerdings immer mehr zur Belastung. Wie sieht die Situation konkret in der Industrie in der Region aus? Die RZ beleuchtet das Thema aus verschiedenen Perspektiven:

    Schichtarbeit bis 67 ist in Industriebetrieben häufig nur schwer umsetzbar. Foto: dpa
    Schichtarbeit bis 67 ist in Industriebetrieben häufig nur schwer umsetzbar.
    Foto: dpa

    Was die Arbeitsmedizinerin sagt: „Der Mensch ist ein tagaktives Wesen. Durch die Schichtarbeit verschiebt sich allerdings der Biorhythmus“, erklärt Dr. Sandra Wellmann, Fachärztin für Arbeitsmedizin bei dem Berufsgenossenschaftlichen Arbeitsmedizinischen Dienst (BAD) in Koblenz. arbeitet. Die Folge ist, dass die Unfallhäufigkeit und Schlafstörungen häufig steigen – altersunabhängig.

    Was die Gewerkschaft sagt: Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, sieht das ähnlich – mit einem Unterschied: „Mit dem Alter steigt die Belastung für die Kollegen. Sie werden selten Leute finden, die bis 67 in der Metallbranche arbeiten.“ Laut seiner Aussage suchen die Schichtarbeiter meistens im Alter zwischen 63 und 65 Jahren den Ausstieg, verbunden mit finanziellen Einbußen. Um dem entgegenzuwirken, hat die IG Metall einen Tarifvertrag ausgehandelt, der unter anderem einen flexiblen Ausstieg in Form von Altersteilzeit vorsieht. „Wir wollen damit die Brücke bauen für ein würdiges und verdientes Leben im Ruhestand“, sagt Yener. Auch Betriebsvereinbarungen, die altersgerechte Arbeitsplätze vorsehen, sind aus seiner Sicht Möglichkeiten, ältere Schichtarbeiter zu entlasten. In der Tarifrunde 2018 will die IG Metall außerdem weitere Entlastungen für die Schichtarbeiter aufgreifen.

    Was Firmen sagen, in denen in Schichten gearbeitet wird: Knapp 770 der 1400 Mitarbeiter von Aleris in Koblenz arbeiten im Schichtsystem. Erst im März wurde hier eine neue Betriebsvereinbarung, die unter anderem ältere Mitarbeiter im Schichtdienst entlastet, unterzeichnet. Eine Befreiung von einer Zusatzschicht ab 57 Jahren gibt es genauso, wie die Förderung einer Teilnahme der Mitarbeiter an einem Präventionsangebot der Deutschen Rentenversicherung, für das die Arbeiter teilweise bezahlt freigestellt werden. Auch Altersteilzeit ist hier möglich. Generell gibt es bei Aleris ein Bewusstsein dafür, Mitarbeiter besonders bei Nachtschichten zu entlasten, wie es in einer Erklärung heißt: „Je höher das Lebensalter ist, umso schwieriger wird es, sich auf neue Schlafphasen einzustellen, zeigen Studien. Deswegen ist es auch im Unternehmensinteresse, die Nachtschicht möglichst verträglich zu gestalten.“

    75 Prozent der Schichtarbeiter bei Rasselstein in Andernach haben sich im Rahmen der Wahlarbeitszeit für 32 statt maximal 35 Wochenarbeitsstunden entschieden.

    Bei Rasselstein in Andernach setzt man schon seit Anfang der 1990er Jahre darauf, Methoden zu finden, um die Schichtarbeiter zu entlasten. So wurde unter anderem ein Schichtsystem etabliert, das seinerzeit erkennbar den Krankenstand reduzierte. Auch Wahlarbeitszeit, bei der die Arbeiter selbstständig eine Wochenarbeitszeit zwischen 32 und 35 Stunden wählen können, wurde implementiert. „Der Trend geht immer mehr zur Arbeitszeitreduzierung“, erklärt Klaus Höfer von Rasselstein.

    Was der Arbeitgeberverband sagt: Solche und weitere Erkenntnisse versucht der Arbeitgeberverband vem.die arbeitgeber (VEM) aus Koblenz in Schichtmodellen zu berücksichtigen, die der Verband für seine Mitgliedsunternehmen ausarbeitet. „Wir wollen mit den Firmen stets ein Modell finden, was auch den Mitarbeitern entgegenkommt“, erklärt Arbeitszeitexperte Stephan Wüst vom VEM.

    Von unserem Reporter Andreas Egenolf

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