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    Kretz

    Römerbergwerk Meurin: Ex-Matrose stemmt heute antike Gewichte

    Sein erster Weg führt Kuno Menchen jeden Arbeitsmorgen zum Wasserrad mit seinem 13.000 Liter fassenden unterirdischen Tank. Das Holzrad ist der ganze Stolz des Menschen hinter dem Römerbergwerk Meurin in Kretz.

    Kuno Menchen ist begeistert von der antiken Technik. Mit ganz wenig Krafteinsatz konnten die Menschen damals große Gewichte heben, führt der Archäotechniker auf dem Außengelände des Römerbergwerks vor.
    Kuno Menchen ist begeistert von der antiken Technik. Mit ganz wenig Krafteinsatz konnten die Menschen damals große Gewichte heben, führt der Archäotechniker auf dem Außengelände des Römerbergwerks vor.
    Foto: Yvonne Stock

    Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

    Seit drei Jahren baut der Archäotechniker, der beim Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) in Mainz angestellt ist, die "Antike Technikwelt" im Außenbereich auf. Neun Stationen sind bereits fertig, "aber wir haben noch viel Platz", sagt Menchen und lacht.

    Das Wasserrad treibt eine Säge an, mit der sechs Tonnen schwere Marmorblöcke zerteilt werden können. Dabei hat die Säge nicht einmal Zähne, das Blech frisst sich mithilfe von Quarzsand und Wasser in die Blöcke. "Das hier sind alles funktionsfähige Modelle nach historischen Vorlagen", erklärt Menchen. Archäologen erstellen aufgrund von Ausgrabungen theoretische Funktionsmodelle, die der 59-Jährige dann in die Praxis umsetzt. "Da gibt es schon mal Differenzen", erzählt er. Denn zum Beispiel fehlen bei Ausgrabungen meistens die tragenden Holzkonstruktionen. In der Höhe eingestellt wird die byzantinische Säge mithilfe von Seilen, an denen sie hängt, und Seemannsknoten. "Da konnte ich einen meiner alten Berufe einbringen", sagt Menchen. Denn bis er vor rund vier Jahren im Römerbergwerk landete, hat der gebürtige Lahnsteiner mehr erlebt, als so manch anderer in seinem gesamten Leben. Mit 14 Jahren fuhr er als Matrose zur See. Am Tegernsee schloss er die Hotelfachschule ab und setzte noch eine Metzgerlehre obendrauf. Als es mit den Arbeitsbedingungen auf den hiesigen Schlachthöfen bergab ging, wechselte er in eine Ausbildung als Elektroniker für Datenverarbeitung, um dann aber irgendwann in der Römerwelt in Rheinbrohl zu landen.

    "Ich habe immer Spaß daran gehabt, etwas zu bauen", erzählt der Mann, der 1976 Deutscher Meister im Bodybuilding war. Inzwischen ist er ein "handwerklicher Tausendsassa", ob Schmieden, Holzbau, Mauern, Wasserleitungen verlegen oder Steine bearbeiten, Menchen macht in Kretz - fast - alles selbst. "Meine Vorfahren waren seit dem 17. Jahrhundert Schmiede", erzählt er. "Scheinbar geht das irgendwie in die Gene über."

    Stolz zeigt er auf die antike Getreidemühle, deren Mühlsteine er selbst bearbeitet hat. "Ein befreundeter Steinmetz hat mir das beigebracht." Ganz nebenbei fertigt er auch noch Skulpturen für den eigenen Garten. Weil er aber wirklich immer etwas zu tun braucht, baut er auch Geschütze nach antikem Vorbild nach, hinter dem Römerbergwerk ist für Kinder eine Zielscheibe aufgebaut. Als nächstes Projekt hat Menchen sich eine Wurfmaschine vorgenommen. Damit nichts passiert, soll sie mit Wasserbomben gefüttert werden.

    Denn der Archäotechniker ist nicht nur für den Aufbau der Technikwelt zuständig, der vierfache Vater und dreifache Opa führt auch gerne über das Gelände und erklärt, wie alles funktioniert. "Kindern kann man auch mal die eine oder andere Lebensweisheit weitergeben", meint Menchen.

    Eine Frau will einen Führungstermin absprechen: "Haben Sie da Zeit?" "Ja, ich wohne ja quasi hier." Aber der 59-Jährige macht dabei keinen unzufriedenen Eindruck, im Gegenteil: "Hier trifft sich Hobby und Beruf." Und obwohl er in seinem Leben viel unterwegs war, zum Beispiel dreieinhalb Monate durch Brasilien getrampt ist, hat es ihn immer wieder in die Heimat gezogen. "Hier ist es am schönsten."

    Und mit der Antike hat Menchen sein Thema gefunden: "Die Technik vor 2000 Jahren war so aufgebaut, dass ganz wenig Kraft gebraucht wurde. Das ist Wahnsinn", erzählt er. Seine Modelle dienen nicht nur der Wissensvermittlung an Besucher, sondern auch der wissenschaftlichen Forschung. Stolz erzählt Menchen, dass regelmäßig Gruppen von Universitäten vorbeikommen. Glücklich macht ihn, "wenn die Leute hier zufrieden rausgehen."

    Nur im Winter, wenn das Museum dreieinhalb Monate geschlossen ist, wird der Arbeitsplatz des Archäotechnikers etwas einsam. "Dann kommen nur die Rehe vorbei." Aber dann kann er in Ruhe Pläne schmieden. Einen Backofen könnte er sich noch gut vorstellen, dann könnten Besucher vom Getreidemahlen bis zum Brotbacken die Ernährung der Römer nacherleben. "Hier ist noch so viel zu tun, das wird bis zur Rente reichen", ist Menchen zuversichtlich.

    Wortwechsel

    Was wären Sie, wenn Sie nicht Archäotechniker geworden wären?

    Kindergärtner.

    Der perfekte Arbeitstag beginnt für mich mit …

    ... nach dem Aufstehen um 5 Uhr mit einem guten Frühstück.

    Glück ist für mich …

    ... das Lächeln meiner Kinder.

    Das muss sich hier noch ändern:

    Wir brauchen noch mehr Mitmachaktionen für Kinder.

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